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Konzertkritik

Abend-

rötliches



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Der Terminkalender von Christian Thielemann wies seit Oktober dieses Jahres ein paar so von ihm nicht vorgeplante Extra-Eintragungen auf, die nicht nur ihn, sondern auch ganz besonders Wissbegierige des internationalen Feuilletons zu überraschen schienen. So ließ er sich kurzentschlossen mit zwei Dirigaten des durch Regisseur Dmitri Tcherniakov für die Staatsoper Unter den Linden inszenierten neuen Wagner-RINGs verpflichten inkl. jener vier Premieren. Daniel Barenboim höchstselbst soll es gewesen sein, der ihn am Telefon gebeten hatte, diesen Kraftakt kurzfristig für ihn (den zu der Zeit noch immer schwer Erkrankten) zu übernehmen - die acht Aufführungen waren musikalisch ein Triumph; und seither hören die Gerüchte nicht mehr auf, dass niemand außer Thielemann als DER Nachfolger Barenboims am ersten Haus am Platz zu gelten haben sollte, könnte, müsste... Das vorzüglich Pietätlose solch "sachverständiger" Verlautbarung räumt freilich nicht mal ein, dass der Betroffene (also derjenige, der diesbezüglich abgelöst sein würde) diesseits da also präsent ist, und die Staatskapelle wählte ihn ja sowieso als ihren Chef auf Lebenszeit; also: Ein bisschen mehr Zurückhaltung in derartigen Dingen wäre sicher nicht unangebracht.

Das alles spricht sich freilich nicht im mindesten gegen die absolute Dirigentengüte Thielemanns, der übrigens dann auch die (eigentlich mit Barenboim geplanten) sieben Asien-Konzerte mit der Staatskapelle zusätzlich bestritten hatte, aus; deswegen gab der Maestro gar ein Dirigat der Karajan-Akademie der Philharmoniker zurück.

`*

Nun war er - regulär - wieder vor Ort; und er und die Berliner Philharmoniker warteten mit Traditionellem, wohl auch analog der Wunschliste des Dirigenten, auf:

Zuerst zelebrierten sie das Vorspiel und den (orchestral) aus Parsifal entkoppelten "Karfreitagszauber". Osterstimmung um die Weihnachtszeit? Wem es gefällt, und warum nicht! Klang/ klingt dann sowies und jahreszeitenunabhängig immer wieder abgehoben-schön.

Der abendliche Höhepunkt erfolgte umgehend: Camilla Nylund, in ein Königin-der-Nacht-Gewand gehüllt, trat auf und sang Vier letzte Lieder von Richard Strauss. Am Anfang dachte ich, o Gott, schon wieder derart "unverständlich" und dass man daher kein Wort versteht - aber so peinlich, wie es jüngst die Fleming unterm Eschenbach vollführte, wurde es nicht annähernd. Okay, es mag nicht leicht sein Selbst- vor Mitlauten inmitten eines Großorchesters, das sich gegen die Solistin selbstbewusst behaupten tut, zu trennen, und so kommt es immer wieder zu diesen Textunverständlichkeiten. Aber! Nylund weiß die "Untugend" zu ihrem Gunsten umzumodeln... Und so liest man plötzlich, falls man die Gedichtzeilen von Hesse sowie Eichendorff nicht a priori intus hat, den Text als Leuchtschrift-Übertitel mit und hört urplötzlich nur noch, WIE die Nylund die Vier letzten Lieder leidet, lebt und liebt - ohne zusätzlichen Verstärkergestus und Bedeutungsmimik zu bemühen, und das macht sie letztlich großartig, und sie berührt mich auf das Allertiefste. Ihre clevere Gesangskunst hat dann schon etwas Entwaffnendes.



Konzert der Berliner Philharmoniker am 15., 16. und 17.12.2022 - Camilla Nylund sang Vier letzte Lieder von Strauss, und Christian Thielemann (li.) schien mit ihr darob mehr als zufrieden - Foto (C) Stephan Rabold


* *

Nach der Pause standen dann noch die drei Vorspiele aus Pfitzners Palestrina und Schönbergs Orchesterbearbeitung von Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 auf dem Programm; und ausgerechnet bei dem Letzteren wäre es schon von Reiz gewesen das Original hinzuzuhören - eine schöne große Orgel ist ja (meistens ungenutzt) vorhanden, und es hätte praktisch nur noch ein hinzubestellter Organist gefehlt, nur so als Vorschlag für das nächste Mal.

Andre Sokolowski - 17. Dezember 2022
ID 13967
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 16.12.2022)
Richard Wagner: Parsifal, Vorspiel
- Karfreitagszauber
Richard Strauss: Vier letzte Lieder
Hans Pfitzner: Drei Orchestervorspiele aus der Oper Palestrina
Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 (Orchestrierung von Arnold Schönberg)
Camilla Nylund, Sopran
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Christian Thielemann


Weitere Infos siehe auch: https://www.berliner-philharmoniker.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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