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Konzertkritik

Mut zum

Hässlichen

Christian Gerhaher als ELIAS bei den Berliner Philharmonikern


Bewertung:    



Die singuläre Ereignishaftigkeit von Kirill Petrenkos erstmaliger Deutung des Mendelssohn'schen Elias bei den Berliner Philharmonikern und dem Rundfunkchor Berlin (Choreinstudierung: Gijs Leenaars) geht vom Sänger, Interpreten und Gestalter des prophetigsten Propheten aller biblischen Propheten aus:

Christian Gerhaher - vielleicht der derzeit Beste unter den Besten, nicht allein was den Elias anbelangt - bestimmt und "dirigiert" den Abend! Unvorstellbar, das es derzeit einen anderen Bariton gäbe, der ihn hiermit toppen könnte. Seine Suggestivkraft scheint als alle andern Mitwirkenden dieser denkwürdigen Aufführung an- und vorantreibender Motor zu fungieren, und nicht selten (was ich nebenbei beobachtete) ist die Blickrichtung der zwei mitsingenden Solistinnen, vorn links neben dem Dirigentenpult positioniert, direkt nach rechts zum Gerhaher, und jedesmal, wenn er dann als Elias seine Jünger und den Rest des Menschenbreies aufwiegelt oder ruhigstellt, Andersartige und -gläubige dem Henker preisgibt und die von ihm Aufgerichteten, Beseelten quasi selig spricht, obgleich er irgendwann von dem ihm Aufgebürdeten die Schnauze voll zu haben vorgibt (Arie "Es ist genug!"), ist Fasziniertsein, Fassungslosigkeit in ihren zwei ansonsten sehr beherrschten Mimiken zu lesen. Aber nicht nur ihnen geht es so!



"Auf Ikonen der Ostkirche sitzt der bärtige Elias einsam im Wald und blickt erwartungsvoll auf einen Raben, der ihm Speisen bringt; auf einem Gemälde von Lucas Cranach steht er dagegen mitten in einer wimmelnden Menschenmenge und fordert erfolgreich die Priester des Götzen Baal heraus. Elias, Elia, Elija heißt soviel wie »Mein Gott ist der Herr«. Und das beweist dieser Gottesmann, ob als Einsiedler oder als donnernder Prophet." (Kerstin Schüssler-Bach in Wer war Elias? auf berliner-philharmoniker.de)


Gerhaher zieht seinen Elias aus, er stellt ihn bloß, er zeigt mit der durch ihn vollzogenen Enthäutung, dass dem Menschenbild an sich mit "gut" und "böse" überhaupt nicht beizukommen ist; Hans Henny Jahnn brachte das in Fluss ohne Ufer auf 'ne handhabbare Formel: es ist, meinte er da, wie es ist. Und Gerhaher, mit seinem überzeugten Mut zur Hässlichkeit, geht dieser menschergründenden Philosophie akribisch auf den Grund.

*

Umfässlich mitgenommen.




Christian Gerhaher als Elias von Mendelssohn - mit den Berliner Philharmonikern, vom 12. bis 14. Januar 2023 | Foto (C) Lena Laine


"Alsdann wird euer Licht hervorbrechen" - so ist es, in der Tat, ich schließe mich dem allen an und sage, was der Chor vorgibt, schlicht und ergreifend: "Amen".

Jubel über Jubel.


Andre Sokolowski - 15. Januar 2023
ID 13999
BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 14.01.2023)
Felix Mendelssohn Bartholdy: Elias, Oratorium op. 70
Elsa Dreisig, Sopran
Wiebke Lehmkuhl, Alt
Daniel Behle, Tenor
Christian Gerhaher, Bass
Rundfunkchor Berlin
(Choreinstudierung: Gijs Leenaars)
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Kirill Petrenko


Weitere Infos siehe auch: https://www.berliner-philharmoniker.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




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