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Konzertbericht

I said hey



Marla Glen im Bonner Pantheon | Foto © Ansgar Skoda

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Marla Glen lacht enthusiastisch. Er outete sich dieses Jahr als trans, und seine Agentur verwendet mittlerweile offiziell das männliche Pronomen für ihn. Er behält dabei jedoch weiterhin den Vornamen Marla. Mit feinem Herrenanzug, roter Krawatte, Hemd und ins Gesicht gezogenen knallpinken Herrenschlapphut zappelt er aufgekratzt lässig und energiegeladen über die mit großer Band besetzte Bühne. Drei Background-Sänger*innen heizen dem Publikum mit kraftvollen Stimmen ein und bewegen sich anmutig im Rhythmus der Songs. Marla begrüßt zu Beginn während des Songs „Travel“ sein Publikum voller Charme mit einem Mundharmonika-Solo. Dann setzt sich der Singer-Songwriter mit der unverwechselbar rauen, dunklen Ausnahmestimme selbst in Call- und Response-Momenten mit seinem Background-Chor Lyrics in Szene.

Die intimen Livekonzerte mit Sir Glen und seiner mitreißenden Band im bestuhlten Bonner Pantheon sind alljährlich ein Ereignis. Mit von der Partie sind auf der Bühne ein Schlagzeuger, ein Bassist und ein Gitarrist. Auch Marlas Bandleiter Bruno Seletkovic am Keyboard und diversen anderen Instrumenten darf nicht fehlen. Schließlich setzt zudem die Saxophonistin, Klarinettistin und Flötistin Catrin Groth hingebungsvoll vielstimmige Akzente. Marla schmettert deftig, intoniert derbe und gewagt, sein unverwechselbarer Sound wird stets getragen von seiner großartigen Band. In „Who’s The Blame“ zitiert Marla den Gospel-Klassiker „Go Down Moses“. Intensive Konzertmomente bergen auch das beatlastige „Hey“ und das funkige „Prove All Your Lovin’“. Der Soulsänger macht in seinem letzten Album Unexpected (2020), welche die letztgenannten Songs enthält, auch Anleihen bei Gospel, Blues, Rock, Punk und Afro-Pop.

Nach einer Konzertpause tritt ein Überraschungsgast auf die Bühne: Stacey McClain, Kusine Marlas. Sie veröffentlichte zusammen mit ihm dieses Jahr eine Biografie des Musikers, The cost of freedom, an der beide zuvor dreizehn Jahre gearbeitet haben. Jeder Song des Künstlers, der im südlichen Chicago aufwuchs, habe eine eigene Geschichte, so McClain auf der Bühne. Das Buch handele von den einzelnen Songs, deren Entstehung und Hintergründen. Eine deutsche Übersetzung sei in Arbeit. Am Merchandise-Stand wurde bereits das im englischen Original jüngst erschiene 360seitige Werk an Fans verkauft.

Die drei Jahrzehnte im Musikgeschäft prägten die Soullegende Marla. In jungen Jahren war er (damals noch eine sie) Bodyguard oder persönliche Assistentin der US-amerikanischen Jazz- und Bluessängerin Nina Simone. Es gab Platin- und Goldauszeichnungen für die Erfolgsalben This Is Marla Glen (1993) und Love And Respect (1995) sowie die bemerkenswerten Top-10-Hits „Believer“ und „Cost Of Freedom“.

Auch in Bonn fordert eine Besucherin der ersten Reihe laut und enthusiastisch die Performance von „Believer“ ein. Marla meint dazu nur im Plauderton, er könne den Song selbst nicht mehr hören: „I don’t know this word. Who believes today in anything any more?“ Später sorgt er durch den Abbruch eines gerade angespielten Songs für Aufsehen: „I like doing these things. I don’t want to let you go home.“ Der 63-Jährige lüftet auch mal redselig den Hut und präsentiert kokett weiße oder graue Haare: „I am getting old. Am I?“ Wenn sein Bandleiter Bruno vor Marla Schlaginstrumente aufbaut, lacht er: „There are strange people in my band. I like them.“

Marla geht gegen Ende ins Publikum und schüttelt Besuchern der ersten Reihe die Hände. Er und seine Band geben nach einer leidenschaftlich mitreißenden Performance noch zwei Zugaben und werden mit Standing Ovations der begeisterten Besucher*innen im gut gefüllten Saal bedacht. Nach dem James Brown-Cover „It's a Man's Man’s World“ gesellt sich Marla bei letzter Zugabe „Believer“ zu ihrem stimmgewaltigen Backgroundchor. Ein schönes Abschlussbild für einen berückend erinnernswerten Konzertabend.



Marla Glen im Bonner Pantheon | Foto © Ansgar Skoda

Ansgar Skoda - 30. Oktober 2023
ID 14456
Weitere Infos siehe auch: https://www.marlaglen.net/


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