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Ballett

Ein

kroatischer

Onegin



Bildquelle: CNT Split

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Onegin nach Alexander Puschkins Verserzählung gehört zu John Crankos erfolgreichsten Handlungsballetten. In den 57 Jahren seit seiner Entstehung wurde es immer wieder aufgenommen. In Stuttgart hat es, in wechselnder Besetzung, Kultstatus.

Jetzt aber hat auch Split seinen Onegin, und sein russischer Choreograph heißt Vasilij Medvedev. Seine Version wurde 1999 in Prag uraufgeführt und an mehreren Orten der Welt einstudiert. Split hat etwas mehr als 150.000 Einwohner, aber neben einem Jugendtheater und einem Konzerthaus ein prachtvolles, 1979 renoviertes Theater vom Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist eins von mehreren Häusern des Kroatischen Nationaltheaters, dessen Hauptsitz, wie zu erwarten, in Zagreb beheimatet ist.

Das Libretto von Valerij Modestov für Medvedevs Onegin hält sich eng an Puschkins Fabel und ist weitgehend auch ohne Kenntnis des Textes verständlich. Was freilich fehlt, ist der Inhalt von Tatjanas Brief an den Titelhelden, in dem sie ihm – zu Puschkins Zeit eine Ungeheuerlichkeit – ihre Liebe gesteht. Und sowohl bei Medvedev, wie bei Cranko vermisst der Puschkin-Verehrer, was die eigentliche Besonderheit seines Meisterwerks ausmacht: die Ironie. Sie lässt sich tänzerisch nicht umsetzen, zumal es im Ballett keinen Erzähler gibt. Dafür hat Medvedev einen Albtraum Tatjanas hinzugefügt, in dem deren anderes Ich, eher ein Stilbruch, auftritt.

Verwendet werden zahlreiche Kompositionen von Tschaikowski, nur nicht aus seiner Oper Eugen Onegin. Das Orchester des Kroatischen Nationaltheaters Split bedarf keiner Nachsicht. Es musiziert inspiriert und keinen Augenblick provinziell.

In Split applaudiert das Publikum noch bei virtuosen Pirouetten. Und vor Russischem hat man auch in diesen Kriegstagen keine Angst. Der kroatische Präsident ist ihm ja eher gewogen. So genießt man hier ohne Einschränkungen die an die russische Folklore angelehnten Tänze des Corps de Ballet in den etwas altmodischen und farbenfrohen Kulissen von Neven Mihić.

Der Ortsfremde wundert sich, dass der Onegin auf der Bühne keine Ähnlichkeit aufweist mit dem Gesicht, das einen von Plakaten in der Stadt und vom Programmzettel anstarrt. Das kommt: selbst bei nur vier Vorstellungen arbeitet das HNK Split mit doppelten Besetzungen. Den Onegin tanzte an dem Abend, an dem ich im Theater war, nicht Aubin Le Marchand, sondern Ivan Boiko. Mir soll's recht sein.




Ivan Boiko (als Lenski) und Aubin Le Marchand als Onegin am Kroatischen Nationaltheater Split | Bildquelle: hnk-split.hr

Thomas Rothschild – 17. Mai 2022
ID 13624
Weitere Infos siehe auch: https://www.hnk-split.hr/


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