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Konzertbericht

Sonderkonzert des Ukrainian

Freedom Orchestra bei

YOUNG EURO CLASSIC

Keri-Lynn Wilson dirigierte Werke von Valentin Silvestrov sowie Chopin, Beethoven und Brahms

Bewertung:    



Vom 5. bis zum 21. August 2022 ist die einundzwanzigste Ausgabe des Jugendorchester-Festivals YOUNG EURO CLASSIC. Nachdem das 20. Jubiläum im letzten Jahr wegen Corona reduziert vonstatten gehen musste, sind es diesen Sommer vor allem wieder die Auftritte der großen Orchester - und das bei einer Wiederbereitstellung der hundertprozentiger Saalkapazität - , die die Konzertbesucherinnen und -besucher hoffentlich dann zahlreich in das ehemalige Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt strömen lassen. Dieses Festival zählt neben TANZ IM AUGUST zu den alljährlichen Sommer-Extrahighlights in der wegen der Theater- und Konzertferien normalerweise, was das Kulturelle angeht, ziemlich ausgedünnten deutschen Hauptstadt...

Es gibt 21 Veranstaltungstermine mit 13 Orchestern, drei Kammermusikvereinigungen und dem Bundesjugendballett. Dabei reicht die musikalische Palette von Mahlers Fünfter bis Mopito - eine kleine Elefantengeschichte. Einige Uraufführungen stehen, wie all die Jahre schon zuvor, zudem auf dem Programm.

Was die kulturelle "Flankerung" der außerordentlich bedrohlichen weltpolitischen Lage momentan betrifft, hat der Veranstalter zwei Solidaritätsauftritte mit ukrainischen Musikerinnen und Musikern (und ihrer Musik) fürs diesjährige Festival bestellt - so wird am 10. August das Youth Symphony Orchestra of Ukraine unter der Dirigentin Oksana Lyniv Werke von Zoltan Almashi, Jewgeni Stankowitsch, Oleh Kyva und Borys Liatoschynskyj als auch Dvoráks Sinfonie Aus der neuen Welt spielen. Darüber hinaus gab es gestern Abend - als Sonderkonzert - ein Gastspiel des neulich erst gegründeten Ukrainian Freedom Orchestra unter der kanadischen Dirigentin Keri-Lynn Wilson:



Bildquelle: metopera.org


"Angesichts des schrecklichen Krieges in ihrer Heimat haben ukrainische Musiker_innen mit Unterstützung der Metropolitan Opera New York und der Polnischen Nationaloper das Ukrainian Freedom Orchestra ins Leben gerufen – ein Orchester, das ukrainische Mitglieder herausragender europäischer und ukrainischer Klangkörper mit Geflüchteten aus den Konzert- und Opernorchestern von Kyiv, Lwiw, Charkiw und Odessa vereint. Das ukrainische Kulturministerium hat den männlichen Orchestermitgliedern, die sich in der Ukraine aufhalten, eine Sondererlaubnis erteilt, für dieses Projekt das Land zu verlassen. Auf einer mehrwöchigen Tournee durch Europa und die USA treten sie mit künstlerischen Mitteln für die Freiheit ihres Heimatlandes ein. Das Orchester probt ab dem 18. Juli in Warschau; das erste Konzert (fand) am 28. Juli am Teatr Wielki, der Polnischen Nationaloper statt. Die Tournee des Orchesters führt(e) es neben dem Konzerthaus Berlin auch zu den BBC Proms nach London, nach München, zum Chorégies d’Orange Festival in Frankreich, zum Edinburgh Festival, nach Snape Maltings in England, zum Concertgebouw Amsterdam, der Elbphilharmonie Hamburg, dem Lincoln Center New York und zum Kennedy Center in Washington." (Quelle: young-euro-classic.de)

*

Den ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov (85) hatte man hierzulande - bis jetzt - nicht sonderlich im Fokus, und obgleich sich der Mainzer Verlag Schott Music vehement um die Herausgabe und Veröffentlichung seines (so wie es der Übersicht nach aussieht) Gesamtwerkes kümmert. Mit dem wahrlich zu denken gebenden Satz "Die Musik muss so durchsichtig sein, dass man bis auf den Grund sehen kann und dass durch diese Durchsichtigkeit ein Gedicht hindurchschimmert." wird er einführend auf der Verlags-Website zitiert.


"Relativ spät, im Alter von 15 Jahren, fand er zur Musik und eignete sich seine Kenntnisse vor allem autodidaktisch an. Von 1955 bis 1958, während einer Ausbildung zum Bauingenieur, besuchte er eine Kiewer Abendschule für Musik. Von 1958 bis 1964 studierte er am Konservatorium seiner Heimatstadt Komposition und Kontrapunkt bei Boris Ljatoschinski und Lew Rewuzki. Anschließend unterrichtete er einige Jahre in einem Kiewer Musikstudio. Von 1970 bis 2022 lebte Silvestrov als freischaffender Komponist in Kiew, floh dann aus der Ukraine nach Deutschland und lebt zurzeit in Berlin.

Silvestrov gilt als einer der führenden Vertreter der 'Kiewer Avantgarde', die um 1960 an die Öffentlichkeit trat und von den Verfechtern der konservativen sowjetischen Musikästhetik heftig kritisiert wurde. Seine Musik war in den 1960er und 70er Jahren in seiner Heimatstadt kaum zu hören; wenn es damals überhaupt einige Uraufführungen gab, so fanden sie in russischen Städten, vor allem in Leningrad (heute St. Petersburg) oder im Westen statt.


[...]

Trotz erfolgreicher Aufführungen im Westen, zu denen der Komponist nicht ausreisen durfte, fand seine Musik im eigenen Land offiziell keine Resonanz – inoffiziell hingegen sehr, weshalb sie sogar zeitweise verboten war. Nur dank des Enthusiasmus einiger Interpreten wurden seine Werke wenigstens ab und zu gespielt.

[...]

Während der 1990er Jahre war Silvestrov nicht nur in vielen europäischen Konzertsälen zu hören, sondern auch in Japan und den USA. 1998-99 lebte und arbeitete er im Rahmen des Berliner Künstlerprogramms als Stipendiat des DAAD in Berlin, wo im Übrigen drei bedeutende Werke uraufgeführt wurden: Metamusik (März 1993), Widmung für Violine und Orchester (November 1993) und Sinfonie Nr. 6 (August 2002)."

(Quelle: schott-music.com)



Silvestrovs ziemlich schwermütige und gleichsam auch schöne 7. Sinfonie (uraufgeführt in Kiew, 2004) war das Eröffnungsstück der Welttournee des ukrainischen Orchesters. Sie ist einsätzig und dauert zirka 20 Minuten, wirkt aber v.a. mit ihrer weit ausladenden und ewig nicht enden wollenden "Ersterbung" zum Schluss hin gefühltermaßen doppelt so lang - man lehnt sich genussvoll zurück, schließt die Augen, lauscht arg andächtig und wartet, wartet, wartet... bis "es" irgendwann vielleicht tatsächlich dann zu Ende geht; das Werk entstand im Gedenken an Silvestrovs 1996 verstorbene Frau Larissaan; es gibt in ihm eine Art lebensbejahende und -freudige Reminiszenz an ein schlichtes Liedlein (das womöglich mit der Biografie der Verstorbenen zu tun haben könnte), welches gleichsam vom Klavier aus auf das Schlichteste intoniert und vom üppig besetzten Orchester sozusagen aufgespürt, weitergetragen und variiert wird.

Danach spielte die Pianistin Anna Fedorova Chopins f-Moll-Klavierkonzert.

Und es gab einen Beethoventeil mit Ouvertüre und Leonorenarie aus Fidelio (Gesang: Liudmyla Monastyrska) sowie ein imposantes Konzertfinale mit der 4. Sinfonie von Brahms.

* *

Denkwürdiger Abend.

Und ich bin doch, trotz des schönen Abgelenktseins wegen der Musik, mit lauter Nachdenken über diesen barbarischen Krieg der Russen gegen die Ukrainer und seine nach wie vor nicht absehbaren fürchterlichen Folgen eingefangen und belastet.

Andre Sokolowski - 5. August 2022
ID 13740
YOUNG EURO CLASSIC (Konzerthaus Berlin, 04.08.2022)
Valentin Silvestrov: Sinfonie Nr. 7 (2003)
Fryderyk Chopin: Konzert für Klavier und Orchester f-Moll op. 21
Ludwig van Beethoven: Ouvertüre und Arie der Leonore "Abscheulicher! Wo eilst du hin?" aus Fidelio op. 72
Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98
Anna Fedorova, Klavier
Liudmyla Monastyrska, Sopran
Ukrainian Freedom Orchestra
Dirigentin: Keri-Lynn Wilson
Sonderkonzert bei YOUNG EURO CLASSIC 2022


Weitere Infos siehe auch: https://young-euro-classic.de/


https://www.andre-sokolowski.de

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