Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Wiederaufnahme

Nicht nur

für Silvester



Die Fledermaus an der Staatsoper Stuttgart | Foto (C) Martin Sigmund

Bewertung:    



Vor 11 Jahren hat der damals vor allem als Videokünstler bekannte Philipp Stölzl an der Staatsoper Stuttgart Die Fledermaus inszeniert. Jetzt, zwei Intendanzen danach, wurde die Inszenierung in neuer Besetzung wieder aufgenommen. Spätestens seit die neben dem Zigeunerbaron populärste Operette von Johann Strauß 2001 durch die Interpretation von Hans Neuenfels von den Salzburger Festspielen, wenn auch zum Missfallen des konservativen Publikums und zur teuflischen Freude von Gerard Mortier, geadelt wurde, dürfte sich die Frage, ob diese im Schatten von Mozart und Puccini mit Verachtung gestrafte Gattung in Opernhäusern ihren Platz habe, erledigt haben. Übrigens: was die Musik angeht, kann man Johann Strauß mit gutem Gewissen attestieren, dass er, anders als Puccini, von jeder Versuchung zum Schmalz frei ist. Stölzls Version der Fledermaus ist weniger provokant als die von Neuenfels. Weniger bühnenwirksam ist sie nicht.

Wenn die Saallichter erlöschen, wähnt man sich in Shakespeares und Max Reinhardts Sommernachtstraum. In einem dichten Wald tummeln sich spärlich bekleidete „Ballettratten“ und verlocken die Herren auf der Bühne und wohl auch im Parkett zu Fantasien, die #Me Too nicht behagen können. Dann hebt sich ein Vorhang und gibt den Blick auf den genialen Einfall von Stölzl und Conrad Reinhardt frei: einen möblierten weißen Würfel, dessen Inneres den Salon der Eisensteins repräsentiert und der, auf den Kopf gestellt, den Lustgarten des Prinzen Orlofsky ersetzt. Im Lauf des Abends dreht er sich mehrmals um die eigene Achse und die Darsteller erklimmen die Wände mit Bravour. Vom Sommernachtstraum führt ein direkter Weg zu den Farcen eines Feydeau oder eines Labiche mit ihren Verkleidungen, Verwechslungen und Frivolitäten. Nichts ist, was es zu sein scheint.

In Wien hat man den Dreivierteltakt von Geburt an im Blut. In seinen acht Jahren als Chefdirigent des ORF Radio-Symphonieorchesters hatte Cornelius Meister, jetzt Generalmusikdirektor an der Stuttgarter Oper, hinreichend Zeit und Gelegenheit, sich dieses Feeling in der Nachfolge des Österreichers Manfred Honeck anzueignen. Aber er macht schon mit der Ouverture unmissverständlich klar, dass er gewillt ist, die Musik von Johann Strauß bei all ihrem Charme ernst zu nehmen, allenfalls mit einer Prise Offenbach zu würzen. Was aus dem Graben kommt, deckt die Sänger nicht zu, ist aber ständig präsent – mehr Dialogpartner als Begleiter.

Und so vermisst man auch keine Soubretten und keine Operettentenöre. Die Stuttgarter Fledermaus von 2021 ist durchweg mit „großen“ Stimmen besetzt. Hervorgehoben seien die Ukrainerin Maria Nazarova als das Kammermädchen Adele, Astrid Kessler als die schöne Rosalinde und Matthias Klink als Gabriel von Eisenstein. Zur Erinnerung: das ist der selbe, der in Stuttgart mit seinem Gustav von Aschenbach in Benjamin Brittens Tod in Venedig begeistert hat. Größer als zwischen Aschenbach und Eisenstein, als zwischen Britten und Strauß kann die Distanz ja wohl kaum sein. Und alle drei liefern nicht nur sängerisch, sondern auch schauspielerisch Leistungen, die keinen Vergleich auf einer Sprechbühne scheuen müssten.

Und Cornelius Meister bleibt im Wortsinn unermüdlich. Während eines Umbaus lässt er das Orchester die Tritsch-Tratsch-Polka spielen, und in der Pause setzt sich der ausgewiesene Pianist im Foyer an den Konzertflügel und spielt Melodien – nun ja – aus der Fledermaus.



Die Fledermaus an der Staatsoper Stuttgart | Foto (C) A. T. Schaefer

Thomas Rothschild - 16. Dezember 2021
ID 13360
DIE FLEDERMAUS (Staatsoper Stuttgart, 15.12.2021)
Musikalische Leitung: Cornelius Meister
Regie und Bühne: Philipp Stölzl
Co-Regie und Choreografie: Mara Kurotschka
Bühne: Conrad Reinhardt
Kostüme: Ursula Kudrna
Licht: Volker von Schwanenflügel
Chor: Manuel Pujol
Dramaturgie: Xavier Zuber
Besetzung:
Eisenstein ... Matthias Klink
Rosalinde ... Astrid Kessler
Frank ... Franz Hawlata
Prinz Orlofsky ... Ida Ränzlöv
Alfred ... Kai Kluge
Dr. Falke ... Björn Bürger
Dr. Blind ... Torsten Hofmann
Adele ... Maria Nazarova
Frosch ... Heiko Pinkowski
Ida ... Cleo Röhlig
Mitglieder des Staatsopernchores
Musiker*innen des Staatsorchesters Stuttgart
Premiere an der Staatsoper Stuttgart war 2010.
Wiederaufnahme: 15. Dezember 2021
Weitere Termine: 18., 20., 28., 31.12.2021 // 09., 11.01.2022


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsoper-stuttgart.de/


Post an Dr. Thomas Rothschild

Konzerte

Musiktheater

ROTHSCHILDS KOLUMNEN



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:







MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BAYREUTHER FESTSPIELE

CASTORFOPERN

CD / DVD

INTERVIEWS

KONZERTKRITIKEN

LEUTE MIT MUSIK

LIVE-STREAMS |
ONLINE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

YOUNG EURO CLASSIC


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2022 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de