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Queer Cabaret

Im Club mit

Hannelore



Ludwig Obst in Lila Lied | Foto (C) Callum Leo Hughes

Bewertung:    



Kennen Sie den Woody Allen-Film Midnight in Paris, in dem sich Owen Wilson überreden lässt, in einen Oldtimer zu steigen, der ihn direkt in die Golden Twenties kutschiert? Genau so was ist mir vergangenen Sonntag auch passiert. Zwar nicht in Paris, vielmehr in Berlin. Und ich saß auch nicht im Auto, sondern in einer Location. Im Ballhaus Prinzenallee, um präzise zu sein. Produktionsleiter Elia Merguet setzt ein umwerfendes Lächeln auf, drückt mir den Einlassstempel auf den Unterarm, und dann ereignet sich auf dem Weg zum Sitzplatz eine Krümmung der Raumzeit oder so was in der Art. Denn als das Bühnenlicht heraufdimmt und Ludwig Obst im lavendelfarbenen Dompteurinnen-Dress gekonnt das Entrée schmettert, sitzen wir mitten in den 1920er Jahren: Welcome to the Monokel-Diele for Lila Lied!

Vor 102 Jahren schufen Mischa Spoliansky und Kurt Schwabach weit mehr als einen erfolgreichen Song der Weimarer Republik: Das Lila Lied gilt als Hymne der frühen Homosexuellenbewegung. La Lemper hat es gesungen, Inga Humpe ebenso; Christoph Marti und Tobias Bonn zwirbelten daraus ein abendfüllendes Programm mit schwul-lesbischem Liedgut. Ludwig Obst geht mit seinem überwiegend englischsprachigen Queer Cabaret noch einige Schritte weiter und entwirft einen kaleidoskophaften Abend, der ständig zwischen den Goldenen und jetzigen Zwanzigern hin- und herswitcht. Äußerlich als Nummernrevue konzipiert, reiht Obst die rosa Perlen dieser Zeit virtuos aneinander: Von Anita Berber über Marlene Dietrich bis hin zu Josephine Baker. Doch nie geht’s nur ums bloße künstlerische Aufpolieren: Biografie, Gossip, Œuvre, Spirit stehen im Kontext zum Hier & Heute, was wiederum multimedial auf die Bühne gezaubert wird - mal als Outing-Performance („Ich bin so schüchtern, Madame“) oder Drag-Art, mal sinnliche Burlesque oder Videoclip. Claire Waldoffs Hannelore groovt hier zwischen wummernden Club-Bässen - und das Publikum tanzt zu den Sounds von Mala Herba gleich mit ab.

Was die Aufführung erst wahrhaftig und authentisch werden lässt, ist fraglos ihr Cast. Wenn Maïmouna Coulibaly mittels afrikanischem Tanz Rassismus und Sexismus thematisiert, zugleich Feminismus zelebriert, Hassan Dib aka Queen Of Virginity in die Körper von Ikonen schlüpft und Victor González Reyes den Hottest Private Dancer gibt, dann ist das nicht nur großes, berührendes Kino, sondern immer auch persönlich - und politisch. Sie brechen ihre eigens erschaffenen Illusionen auf, blicken direkt in den Saal, erzählen von sich und fragen, ob sie es schaffen werden. Damals Berlin, heute Białystok? Es geht zurück - mit einer Botschaft im Gepäck: Fight for your Love!

Hauptstädtisch-cooles wie klug konstruiertes Musiktheater. Unbedingt mehr davon!
Heiko Schon - 7. Dezember 2022
ID 13955
LILA LIED (Ballhaus Prinzenallee, 04.12.2022)
Performance und Artistic Director: Ludwig Obst
Performance & Sounddesign: Zosia Hołubowska aka Mala Herba
Dramaturgy & Choreographic Supervision: Valentin Schmehl
Set & Costume: Vanessa Vadineanu
Sound Engineer: Fraser Bowers
Light Design: Ahmet Özer
Video Design: Nicky Miller
Mit: Maïmouna Coulibaly, Hassan Dib aka Queen Of Virginity und Victor González Reyes sowie der Band mit Yuriy Nepomnyashchyy (Clarinet), Foley Carvalho (Double Bass), Minhye Ko (Percussion) und Josef Loibner (Piano, Accordion)
Premiere im SchwuZ war am 9. September 2021.


http://www.ludwigobst.de

https://ballhausprinzenallee.de/


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