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Animationsfilm

Von Mythen

und Monstern



Bewertung:    



Das lange Warten hat ein Ende, und Trickfilmfans können sich nun endlich auf den nächsten Film der US-amerikanischen Produktionsfirma Laika freuen, deren Werke längst Kult geworden sind. Laika setzte 2005 ihren ersten abendfüllenden Spielfilm The Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche von Tim Burton um, machte damit umgehend Furore und hat sich damit für folgende Produktionen die Latte sehr hoch gehängt. Mit Coraline 2009, ParaNorman 2012, Die Boxtrolls, 2014 und dem wunderbaren Kubo – Der tapfere Samurai 2016 gelang ihnen das immer wieder.

Auch das neue Werk Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer entführt uns eine Welt der Magie, die nicht nur Kinderaugen zum Strahlen bringt.

*

Der ehrgeizige Forscher Sir Lionel Frost sucht nach Beweisen für mythische Wesen, damit er in die elitäre High Society von Abenteurern in London aufgenommen wird. Das Ungeheuer von Loch Ness findet er sogar, nur dass das Beweisfoto von Nessie misslingt. Unverdrossen macht er sich auf die nächste Expedition und sucht in den Weiten der Wälder Amerikas nach einem Sagenwesen, das den „Missing Link“, das fehlende Bindeglied zwischen der Spezies Affe und Mensch, darstellen soll, und weil „fehlendes Bindeglied“ nicht so gut klingt, hat man im Deutschen Mister Link daraus gemacht. Klar findet der kundige Sir Lionel auch ihn und trifft auf einen arglosen, liebevollen und naiven Riesen, der auch noch sprechen kann. Mister Link ist der letzte seiner Art und er hat wiederum von einem magischen Ort namens Shangri-La gehört, weit, weit weg im Himalaya gelegen, wo es im ewigen Eis einen Yeti geben soll. Vielleicht könnte er dort eine neue Heimat finden.

Als ob es nicht schon schwierig genug wäre, mit einem felligen Riesen um den halben Globus zu reisen, hat ihm die von Missgunst zerfressene High Society einen Bösewicht an die Fersen geheftet, denn die wollen Sir Lionels möglichen Erfolg für sich selbst verbuchen, und das schließt das gewaltsame Ausschalten des Forschers mit ein. Adelina Fortnight, die abenteuerlustige Witwe eines verstorbenen Kollegen, ist in Besitz einer geheimen Karte, auf der Shangri-La eingezeichnet ist, und so macht sich das ungleiche Trio auf den Weg zum Himalaya, um eine Familie für Mister Link zu finden, gefolgt von einem richtig bösen Schurken. Doch Sir Lionel wäre es lieber, Mister Link in London als Sensationsfund der High Society und der Öffentlichkeit zu präsentieren...



Auf Sir Lionel Frost, Mister Link und Adelina Fortnight wartet das Abenteuer ihres Lebens | © Entertainment One


Der Drehbuchautor und Regisseur Chris Butler arbeitete von Anfang an bei Laika mit und war auch schon in die Produktion der legendären Corpse Bride involviert. Die Firma hat sich auf das Stop-Motion-Verfahren spezialisiert, das früher oft mit Knetgummi-Männchen hergestellt wurde. Die Figur wird fotografiert und dann von einem Animator minimal bewegt, wieder fotografiert, bis beim Abspielen der einzelnen Bilder der Eindruck von Bewegung entsteht. Im Film werden dafür 24 Bilder pro Sekunde benötigt, was ein sehr zeit- und arbeitsaufwändiger Prozess ist, vor allem wenn man einen ganzen Spielfilm dreht. Laika gehört neben der britischen Firma Aardman Animations (zuletzt Early Man, 2018) zu den führenden Firmen, die sich dieses Trickfilmgenres angenommen haben. Heute gibt es wohl kaum noch reine Stop-Motion-Filme, die ausschließlich händisch hergestellt werden. Laika hat für Mister Link eine Animation-Tracker-Software entwickelt, die einen Controller hat, dessen Knöpfe mit Kodierern an Motoren verbunden sind. Auf diese Weise kann der Animator Elemente ferngesteuert bewegen. Die Computertechnik macht Massenszenen, elaborierte Sets, wie einen ganzen Wald oder den Himalaya, erst möglich. Auch wenn immer noch die Stop-Motion-Technik verwendet wird, handelt es sich wegen des Einsatzes computergenerierter Bilder um eine hybride Form, für die es noch keine etablierte Bezeichnung gibt. Die Drehzeit betrug insgesamt zwei Jahre mit 110 Sets und 65 unterschiedlichen Drehorten, an denen 91 Teams beteiligt waren. Es gibt im Film eine Szene von 20 Sekunden, in denen die drei Abenteurer von einem Elefanten durch den Dschungel getragen werden: Deren Produktion hat alleine drei Monate Zeit in Anspruch genommen.

Laika setzt auf Qualität und universelle Geschichten, die vielschichtig, differenziert und von einer mythologischen Tiefe sind, deswegen können Kinder, ihre Eltern und Großeltern gleichsam ihre Freude daran haben. Wie manche Märchen ist Mister Link sozialutopisch, weil er nach einer heilen Welt sucht, die er in Shangri-La zu finden hofft. Der Film ist sozialkritisch, weil er das Establishment hinterfragt. Die renommierte High Society von Abenteurern besteht aus machtgierigen und skrupellosen Männern, die vor Mord nicht zurückschrecken. Sir Lionel will anfangs deren Anerkennung und unbedingt dazu gehören. Er fühlt sich Mister Link auch überlegen, den er wie einen Diener behandelt, der ihm den Koffer tragen muss. Chris Butlers subtiles Drehbuch stellt diese Überlegenheit aber in Frage. Mister Link steht zwar von der Entwicklungsstufe her zwischen Affe und Mensch, ist vielen Menschen in Sachen Gutherzigkeit, Empathiefähigkeit und Gemeinschaftssinn aber durchaus überlegen. Das wird Sir Lionel und Adelina erst im Laufe ihrer Abenteuerreise klar, die sie nur überstehen können, wenn sie alle zusammenhalten. Mister Link ist alles andere als ein wildes Tier oder Monster. Schon in den Eingangsszenen, als Sir Lionel Nessie jagt, wird das klar. Nessie ist so riesig und stark, dass sie Sir Lionel vernichten könnte, aber nicht einmal sein Boot nimmt nennenswerten Schaden. Am Ende erkennen die Menschen die Vorzüge vom „Monster“ Mister Link, der vorurteilslos, arglos, liebevoll, liebebedürftig, naiv, lernfähig, und mitunter auch ganz schön clever ist.
Helga Fitzner - 29. Mai 2019
ID 11445

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