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Französisches Kino

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Französische Filmemacher haben oft die Gabe, aus einer kleinen Idee großes Kino zu machen. Bei Das Beste kommt noch schrieben Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière (Le Prénom, 2012, das französische Original von Der Vorname) das Drehbuch und führten gemeinsam Regie. Zwei Freunde, die sich seit Kindertagen kennen und mittlerweile auf die 60 zugehen, glauben, dass der jeweils andere nur noch wenige Monate zu leben hat. Wie sie damit umgehen, dem Freund noch ein paar gute Monate zu bescheren, ist berührend, manchmal humorvoll und lebensklug.

Arthur (Fabrice Luchini) ist ein medizinischer Wissenschaftler, geschieden, liebt seine Frau aber immer noch; César (Patrick Bruel) dagegen ein Lebemann, Zocker, der gerade gepfändet worden ist, aber in seiner Freundschaft zu Arthur über sich hinauswächst. In ihrer Fürsorge sind beide ziemlich kurios. Als sie Zettel austauschen, was der jeweils andere noch gerne in seinem Leben erreichen will, möchte Arthur nochmal das Gesamtwerk von Marcel Proust lesen. Lesen ist für César Zeitverschwendung, er will Elefanten streicheln und mit Delfinen schwimmen. Aber irgendwie kommt es etwas anders.

Arthur weiß, dass César mit seinem Vater seit Jahrzehnten hoffnungslos zerstritten ist und ihn nicht sehen will. Er drängt César, sich mit ihm zu versöhnen, weil er weiß, dass der endgültige Abschied ohne Groll leichter geht. César ist anderweitig um das Seelenheit des Freundes besorgt und geht zu einem katholischen Priester (André Marcon). Er selbst ist weltlicher Jude, aber Arthur ist Halbjude mit einer katholischen Mutter. Er fragt den Priester, ob er vorsichtshalber zu zwei Göttern beten soll, der Geistliche versichert ihm geduldig, dass es sich bei Juden und Christen um den selben Gott handelt und das Beten zu einem genüge. Mit der Frömmigkeit ist es dann doch nicht weit her, denn sie spielen lieber Tischtennis auf einem Wohnzimmertisch aus Edelholz.

César überredet Arthur, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen, wo beide die Gruppenleiterin Rana (Zineb Triki) kennenlernen. Sie hat ihren Krebs überlebt und ganz schön Mühe, die verworrene Geschichte der beiden zu verstehen, wer von beiden denn der Todkranke ist. Denn oft ist es bei einer schlimmen Diagnose so, dass die Patienten das erst einmal leugnen. Sie tastet sich einfühlsam vor und bestärkt beide, denn das Mittragen einer schweren Erkrankung ist auch für das Umfeld schwer.

Der Film wird von der Unterschiedlichkeit beider Protagonisten getragen: Arthur ist der Wissenschaftler, ordnungsliebend und pedantisch; César ist ein Lebenskünstler, der nichts auslässt. Aber beide Lebensweisen machen nicht glücklich, Arthur fehlt Lebenslust und Spontaneität, César ist zu oberflächlich. Doch mit dem Ablaufen der Lebensuhr lernen sie über die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit das Leben zu würdigen und zu genießen. Da sind es keine beruflichen Auszeichnungen, die Arthur sich anfangs gewünscht hat, oder eine ausgelassene Nacht im Bordell nach Césars Vorstellungen, die zählen. Bei César geht es um Vergebung und bei Arthur um das Loslassen von der Idee einer möglichen Versöhnung mit seiner geschiedenen Frau. Das kann eine befreiende Wirkung haben. So könnten beide fortschreiten, der eine ins Leben, der andere...

*

Fabrice Luchini (Molière auf dem Fahrrad, 2013; Der geheime Roman des Monsieur Pick, 2019) ist ein Garant für anspruchsvolles Kino, das sowohl Unterhaltungswert als auch Tiefgang aufweist. Patrick Bruel ist algerischer Jude, als Sänger ein Frauenschwarm und übrigens professioneller Pokerspieler, sodass man ihm die Zockermentalität sehr gut abnimmt. Da hat das Autoren-Duo für das Drehbuch sicher Anleihen aus seinem Leben gemacht. Es tut Filmen oft gut, wenn Konzept, Drehbuch und Regie in einer Hand liegen, in diesem Fall bei zwei Personen. Sie konnten das Drehbuch und auch die Umsetzung an die umwerfenden Hauptdarsteller anpassen, die auch im privaten Leben befreundet sind.



Arthur (Fabrice Luchini) und César (Patrick Bruel) haben ziemlich viel Unfug im Kopf | © Constantin Film

Helga Fitzner - 9. Juli 2020
ID 12345

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