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70. BERLINALE

Events und

Empfänge



Foto (C) Max-Peter Heyne


Archiveröffnung Jerry Lewis in der Deutschen Kinemathek

Chris Lewis, der Sohn von Komiklegende Jerry Lewis, überzeugte auf der BERLINALE mit Eigenschaften, die man diesseits des Atlantiks an US-Amerikanern schätzt: Herzlichkeit, Humor und Schlagfertigkeit. Nachdem Chris Lewis die Deutsche Kinemathek am Potsdamer Platz vor einem Jahr erstmals besucht hatte, entwickelte man gemeinsam Pläne, Stücke aus dem umfassenden Nachlass seines berühmten, 2017 verstorbenen Vaters nach Berlin zu bringen – eine Stadt, die Lewis nicht zuletzt wegen der BERLINALE sehr schätzte. Bei einer kleinen Zeremonie präsentierte Kinemathek-Leiter Rainer Rother mit Chris Lewis einen kleinen Teil dessen, was in einer großen Kiste inzwischen in Berlin gelandet ist. Bei den Stücken handelt es sich um exklusive, filmgeschichtlich geradezu spektakuläre Artefakte, nämlich Dokumente und Fotografien zur Produktion des Dramas um Insassen in einem Nazi-KZ, The Day the Clown Cried. Jerry Lewis drehte den Film 1972 in Europa, war mit dem Ergebnis aber unzufrieden und veröffentlichte es nie. Beim Q&A ermunterte Chris Lewis die Zuhörer, Fragen über seinen Vater zu stellen, die er mit großer Offenheit beantwortete.


Nordmedia-Empfang

Traditionell stand am Beginn des BERLINALE-Partymarathons der Empfang der niedersächsischen Filmförderung Nordmedia in der Landesvertretung Niedersachsen. Und wie immer konnten diejenigen, die nicht nur auf den Tresen oder die Tanzfläche fokussiert waren, bei den Filmtalks viel übers Filmemachen lernen. Denn leider finden ausführliche Gespräche über präsentierte Filme nur auf dem Talent Campus oder eben auf Empfängen statt – zum Wettbewerb beispielsweise gehört dies regulär nicht. Dort stehen die Filmteams nur auf und verbeugen sich. Der souveräne Plauderer, Nordmedia-Förderchef Joachen Coldewey, hatte sich mit NDR-Moderatorin Regine Stünkel charmante Unterstützung geholt, um die Filmteams zu befragen, deren Projekte die Nordmedia gefördert hat und die auf der BERLINALE laufen. Unter anderem erfuhr man von Regisseurin Hermine Huntgeburth, Darsteller Jan Bülow und dem VFX-Experten Hintergrundinfos zum Lindenberg-Biopic Mach dein Ding!, zur visuellen Konzeption des im Harz gedrehten Heimat-Horrorfilms Schlaf von Regisseur Michael Venus, und wie es zur Koproduktion des teils in Teheran gedrehten Dramas Yalda – Nacht der Vergebung kam. Anschließend ließen es die Nordlichter wieder richtig krachen.


Medienboard-Empfang

Kein Abend ohne Geldrückgabe verging auf der BERLINALE für die Produzenten des Überraschungserfolgs 2019, Systemsprenger, Jonas und Jakob Weydemann, Peter Hartwig und Frauke Kolbmüller, die nach ihrem Auftritt bei der Nordmedia auch dem Medienboard Berlin-Brandenburg das Darlehen für Produktions- und Verleihförderung frohgemut rücküberwiesen. Denn offiziell sind staatliche Fördergelder zurückzuzahlen, wenn es denn an den Kinokassen läuft. In über 90 Prozent der Fälle können deutsche Filme aber ihr Budget nicht refinanzieren. Zusammen mit den Teams von Der Junge muss an die frische Luft und Das perfekte Geheimnis hieß es immerhin dreimal „Scheck is back“ beim Medienboard-Empfang im noblen Ritz Carlton am Potsdamer Platz. Bitte einen Step back, hieß es wie immer schon beim Versuch, die Hoteltreppe hinaufzukommen, denn kein Event ist mit rund 2.000 Gästen so überlaufen wie die Sause des Medienboard. Das Spalier an Prominenz war wieder beachtlich, die ebenso trendbewusst wie vorbildlich mit überwiegend veganer Kost versorgt wurde.


„Soirée française du cinéma“

Erneut lud die französische Botschaft Filmschaffende und Frankophone zu einer lockeren „Soirée française du cinéma“. Dabei durften natürlich die wichtigsten Akteure der französischen Filmindustrie, namentlich von der Exportorganisation UniFrance und vom Centre National du Cinéma (CNC) aus Paris, nicht fehlen. Im Mittelpunkt stand allerdings „Undine“-Regisseur Christian Petzold, der mit dem Ordre Officier des Arts et des Lettres (Orden der Künste und der Literatur) ausgezeichnet wurde – auf seinen ausdrücklichen Wunsch übrigens nicht auf offener Bühne, sondern vorab im kleinen Kreis. Solche Diskretion liegt nicht jedem: Einer der Regisseure des französischen Wettbewerb-Beitrags „Effacer l’historique - Delete History“, Gustave Kervern, war von der Premierenfeier des Films bereits deutlich angeschäkert und es fehlte nicht viel, dann hätte er der Botschafterin Anne-Marie Descôtes ein High-Five gegeben.



BERLINALE-Empfang in der Französischen Botschaft | Foto (C) Max-Peter Heyne

Max-Peter Heyne - 27. Februar 2020
ID 12034
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de/


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