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Tanz

Tanz in

die Freiheit

BEETHOVENS NEUNTE mit der Dance Company Theater Osnabrück


Foto: Jörg Landsberg

Bewertung:    



Bekannt als Friedenshymne Europas ist den meisten Menschen der vierte Satz von Beethovens 9. Symphonie melodisch im Ohr. Doch die Vertonung von Schillers Ode an die Freude steht in einem komplexen Zusammenhang zu den drei vorherigen Sätzen. Ausdrucksstark finden hier Assoziationen von energischem Streben, Zerrissenheit und Moralisierung in einzigartiger Form zur Vertonung. Unter dem Titel Beethovens Neunte, die nun von der Dance Company Theater Osnabrück uraufgeführt wurde, zielt Choreograph Mauro de Candia darauf ab, diese bildhafte Sprache tänzerisch zu reflektieren. „Der vierte Satz ist ohne die Hinführung durch die ersten drei nicht zu verstehen“, so Dramaturgin Patricia Stöckmann vor der Aufführung.

Geprägt von Minimalismus lassen de Candia und Stöckmann die tänzerische Darbietung sowie musikalische Untermalung für sich stehen und wirken. Die japanische Pianistin Nami Ejiri sitzt erhöht im Hintergrund am Flügel. Getaucht in sanftes Licht begleitet sie das Geschehen unter sich mittels Klaviertranskription von Franz Liszt. Künstlerisch virtuos führt sie Ejiri durch die vier Sätze der 9. Sinfonie. Das von ihr erzeugte warme und emotionale Klangbild steht zeitweilig im Kontrast zum kühlen Schwarz der Bühne.

Ebenso klare Akzente setzen Bühnenbild und Beleuchtung: Ein Hauch von nichts in Wolkenformation – welches das Elysium versinnbildlicht –, eine Schlaufe aus einem dicken Schlauch – ein Symbol für die Unendlichkeit und dem ewigen Kreislauf des Seins – sowie zurückhaltende Spots auf einzelne Tänzer. Völlig schnörkellos wird hier Ablenkung vermieden. Gemeinsam mit Margrit Flagner hat de Candia nicht nur das Bühnenbild, sondern auch die Kostüme in Anlehnung an den Künstler Friedrich Englert realisiert. Dessen wiederkehrendes Element des Schlaufenschwungs steht für Harmonie und wurde von de Candia bewusst für die Inszenierung von Beethovens Neunte adaptiert: Schwarze Anzüge aus grobem Stoff, versehen mit diversen Schlaufen, die bewusst Einsatz bei einzelnen choreographischen Elementen finden.

Die Dance Company Theater Osnabrück zeigt sich wie immer beeindruckend: Präzise Ausdrucksformen, geprägt von Eleganz. Den Tänzern gelingt es, körperlich herausfordernde Sequenzen mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit auf die Bühne zu bringen. Es lässt sich nur erahnen, was dem Ensemble an Energie abverlangt wird, um die 90 Minuten des Stücks ohne Pause derart filigran umzusetzen. Die vier Sätze werden getragen von einer Evolution des Zwischenmenschlichen. Soli verschmelzen zu Duetten und Gruppenformationen: Ein Diskurs aus Auseinandersetzung und Konkurrenzdenken sowie ein Zusammenfinden und aneinander wachsen. Das Streben nach Licht und Freiheit als Zielsetzung. Vor allem Ohad Fabrizio Caspi und Marine Sanchez Egasse legen im dritten Satz ein Duett hin, das in Hinblick auf die Intensität seinesgleichen sucht. Ein zärtliches Zusammenspiel, das akrobatische Elemente mit fließenden Bewegungen geradezu elektrisierend vereint.

Der finale Höhepunkt, stellvertretend für Einheit und Verbrüderung, fällt jedoch sichtlich schlicht und uneuphorisch aus. Schillers Ode an die Freude lässt sich lediglich im mitreißenden Klavierspiel ausmachen. Trotz der brillanten Ausführung auf musikalischer und tänzerischer Seite erschließt sich somit letztlich der Kontext leider nicht gänzlich.




Beethovens Neunte mit der Dance Company Theater Osnabrück | Foto: Jörg Landsberg

Sina-Christin Wilk - 2. November 2018
ID 11010
BEETHOVENS NEUNTE (Theater am Domhof, 01.11.2018)
Choreografie: Mauro de Candia
Bühne und Kostüme: Mauro de Candia und Margrit Flagner, nach Motiven von Rudolf Englert
Choreografische Assistenz: Leonardo Centi
Dramaturgie: Patricia Stöckemann
Mit: Elena Ballestracci, Cristina Commisso, Ana Torre, Ayaka Kamei, Marine Sanchez Egasse, Rosa Wijsman; Ohad Caspi, Neven Del Canto, Lennart Huysentruyt, Hampus Larsson, Yi-Chi Lee und Luka Ostrež sowie Nami Ejiri (am Klavier)
Premiere am Theater Osnabrück: 27. Oktober 2018
Weitere Termine: 05., 08., 11., 14., 28., 30.12.18
Eine Aufführung mit der Dance Company Theater Osnabrück


Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-osnabrueck.de/ensemble/dance-company-theater-osnabrueck.html


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