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Uraufführungen

Kraftwerk

goes

Schlemmer



Diana Ionescu (re.) und Ciro Ernesto Mansilla in It.Floppy.Rabbit. | (C) Stuttgarter Ballett

Bewertung:    



AUFBRUCH! ist der Titel einer Koproduktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Stuttgarter Balletts, die jetzt in Stuttgart uraufgeführt wurde. Der Titel zielt auf zwei historische Ereignisse, die in diesem Jahr ihren hundertsten Geburtstag feiern: die Gründung des Bauhauses und die Annahme der Weimarer Verfassung. Drei neue Stücke standen auf dem Programm. Was sie verbindet: sie verzichten fast völlig auf Solisten.

*

Den Anfang machte It. Floppy. Rabbit von Katarzyna Kozielska. Die Polin war viele Jahre Tänzerin in der Stuttgarter Compagnie, ehe sie mit eigenen Choreographien betraut wurde. Sie gehörte zu den geförderten Schützlingen von Reid Anderson, und auch dessen Nachfolger Tamas Detrich scheint einen Narren an ihr gefressen zu haben. Das Publikum nahm ihre neue Kreation mit Jubel auf, was allerdings nicht allzu viel aussagt: Die Stuttgarter Ballett-Habitués sind immer begeistert. Mit Applaus wird hier nicht gegeizt, niemals, bei niemand. Der Berichterstatter muss bekennen, dass er den Titel schon für das Originellste an diesem dreißigminütigen Eröffnungsballett hält. Es zeichnet sich in seiner Spannbreite von klassischen Figuren bis zur Gymnastik mit einer tanzenden Wagenfeld-Tischlampe im Zentrum, die offenbar nur die Funktion hat, einen Scheinzusammenhang mit dem Thema des Abends herzustellen, durch Beliebigkeit aus. Ein kurzes Video mit einem Oskar-Schlemmer-Zitat passt ebenso in dieses Konzept, wenn es denn eines ist, wie die willkürliche Lichtregie.




Diana Ionescu (re.) und Ciro Ernesto Mansilla in It.Floppy.Rabbit. | (C) Stuttgarter Ballett


Umso aufregender erschien Patterns in 3/4 von Edward Clug, Ballettdirektor im slowenischen Maribor und in Stuttgart seit Jahren gern gesehener Gast. Streng sind seine Erfindungen, kongenial übereinstimmend mit der Minimalmusik von Steve Reich und Milko Lazar, mit dem Clug seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Man könnte bei diesem Ballett in schwarzen Hosen und weißen Hemden von der Eleganz des Mechanischen sprechen. Das ist nicht ohne Humor, etwa wenn eine Hand Köpfe wie Kugeln auf einem der bis zum Schnürboden reichenden Elemente, umgekehrte Repliken des Buchstaben L, hin und her rollt. Erinnerungen an das Triadische Ballett werden abgerufen. Kraftwerk goes Schlemmer. Kein Spitzentanz, sondern bestes zeitgenössisches Tanztheater.



Ami Morita, Fabio Adoriso, Hyo-Jung Kang und Roman Novitzky in Patterns in 3/4 | (C) Stuttgarter Ballett


Besser konnte es nicht werden. Interessant ist Revolt von Nanine Linning allemal. Für die Niederländerin ist zwar nicht Stuttgart, wohl aber das Staatsballett ebenso wie das Weimarer Ensemble Neuland. Bei ihr kommt die zunächst faszinierende, dann immer weniger überraschende repetitive Musik von Michael Gordon live aus dem Orchestergraben, ein Gewinn ohne Zweifel. Getanzt wird barfuß in blauen Ganzkörpertrikots vor einer Blue Screen. Dann wandelt sich das Ensemble zu hexenartigen Figuren in langen Kleidern und mit Gesichtsmasken. Gegen Ende gibt es eine Explosion, ein Sturm kommt auf, im Hintergrund sieht man Schatten. Die Novemberrevolution? So genau will es ein Ballett nicht wissen.



Revolt | (C) Stuttgarter Ballett


Thomas Rothschild - 29. März 2019
ID 11311
AUFBRUCH! (Staatstheater Stuttgart/Schauspielhaus, 28.03.2019)
Ballettabend


It. Floppy. Rabbit.
Choreographie: Katarzyna Kozielska
Musik: Benjamin Magnin de Cagny
Bühnenbild und Kostüme: Katharina Schlipf
Licht: Katarzyna Kozielska und Adrian Groß

Patterns in 3/4
Choreographie: Edward Clug
Musik: Milko Lazar und Steve Reich
Bühnenbild: Marko Japelj
Kostüme: Leo Kulaš

Revolt
Gesamtkonzept und Choreographie: Nanine Linning
Musik: Michael Gordon
Elektronik: Dieter Fenchel
Bühnenbild und Licht: Ingo Joos und Nanine Linning
Kostüme: Irina Shaposhnikova
Stuttgarter Ballett

Uraufführungen des Stuttgarter Balletts waren am 28. März 2019.
Weitere Termine: 06.04. (in Weimar), 16., 24., 29.04. / 04., 06., 09.07.2019
Eine Koproduktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar und des Stuttgarter Balletts


Weitere Infos siehe auch: https://www.stuttgarter-ballett.de


Post an Dr. Thomas Rothschild

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