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Premierenkritik

Révélation



Bewertung:    



„Jede Generation muss in einer relativen Dunkelheit ihre Mission finden, sie erfüllen oder sie betrügen. Wir müssen die Gewohnheit verlieren, gerade jetzt, wo wir im Herzen des Gefechts sind die Aktionen unserer Väter herunterzuspielen. Auch dürfen wir nicht Verständnislosigkeit im Angesicht ihrer Verschwiegenheit oder Passivität heucheln.“ Dieses Zitat von Frantz Fanon stellt Autorin Léonora Miano ihrer Red in blue Trilogie voran, deren ersten Teil Révélation jetzt am Théâtre National de la Colline von Satoshi Miyagi inszeniert wurde.

*

Der Text ist geprägt von spirituellen Geflechten, die dem Zuschauer in Monologen und Dialogen schnell und präzise vorgetragen werden. Miano sagt, dass die Fantasie verführerischer ist als die Realität. Die Charaktere sind nicht künstlich, sie wirken surreal, fast paranormal. Sie spricht über Subsahara Afrika und deren Erinnerung an Menschenhandel und dessen Beziehungen zu Nachkommen der Verschleppten.

Das Stück beginnt mit sanft geschlagenen Wellen aus Seide begleitet von Handtrommeln und kleinen Xylophonen und Glockenspielen. Dem Zuschauer wird der Kontrast der Zusammensetzung aus einer Autorin aus Kamerun und einem japanischen Schauspielensemble sofort bewusst, weil er versteht, wie wichtig körperliche und vokale Ausdrucksformen verschiedener Kulturen sind und wie sie zum Inhalt des Textes im Einklang stehen.

Das Spiel des ausschließlich japanischen Ensembles ist eine Mischung aus japanischer Geradlinigkeit und völlig überspielten Passagen, die an japanisches Volksfernsehen erinnern. Leider hat der Zuschauer in europäischen Breitengraden überhaupt keine Referenz, was japanisches Theater repräsentiert, also wie Rhythmus entsteht oder Text interpretiert wird.

Die Bühne des 700 Zuschauer fassenden Saals hat nur wenig Dekor. Der hintere Bühnenrand ist mit fast makaber wirkenden Körperteilen von Schaustellerpuppen übersäht, welche immer in Sicht bleiben, auch wenn das komplette Stück wenig beleuchtet wird. Das Wechselspiel der aus Schwarz-Weiß mit Rot und Braun ergänzten Kostüme ist vielleicht der einzige Indikator dieser beiden doch nicht unterschiedlicher sein könnenden Kulturen.

Miano hat sich bewusst für Satoshi Miyagi entschieden, um diese Kontraste hervorzuheben. Aber: durch den Überfluss von durchgehender Audiobegleitung, der japanischen Kostüm- und Spielästhetik und dem dichten Inhalt des Textes geht vielleicht die eine oder andere Katharsis, Erschütterung oder Einsicht beim Zuschauer verloren. Dies nimmt dem Stück aber nicht das Wesentliche. Der französische Zuschauer wird in drei Stunden in eine Welt mitgenommen, die es nicht gibt – die es nicht gegeben hat: eine Welt, in der Verschiedenheiten nicht nebeneinanderstehen sondern miteinander verschmolzen sind und sich dabei niemand fragt, wie es dazu gekommen ist. Das Stück passt in das künstlerische Programm von Intendant Wajdi Mouawad, der schon vorherige Theatersaisons mit Stücken um Entwurzelung, Migration oder kulturelle Unterschiede gestartet hat. Die zwei riesigen weißen und schwarzen Bälle, die über der Bühne hängen, werden zum Ende hin grau. Neben allen Elementen, die das Stück geboten hat, wurde auf diesen nicht zum Spiel gehörenden Effekt vom Publikum gewartet, ohne dass es wusste, dass dies passieren würde. The beauty of grey.



Révélation von Léonora Miano (im La Colline, Paris) | Bildquelle: colline.fr

Tobias Marian Wollenhaupt - 23. September 2018
ID 10933
RÉVÉLATION (Grand Théâtre, 20.09.2018)
Traduction Akihito Hirano
Musique: Hiroko Tanakawa
Scénographie: Sallahdyn Khatir
Lumières: Yukiko Yoshimoto
Costumes: Yumiko Komai
Décors: Eri Fukasawa
Coiffure et maquillage: Kyoko Kajita
Directeur technique: Atsushi Muramatsu
Opérateur son: Tomomi Yamasaki
Assistant à la mise en scène: Masaki Nakano
Conseil à la traduction: Mai Yoshino
Régie surtitrage: Takako Oishi
Administration: Yoko Narushima, Takako Oishi, Junichi Yoneyama, Ai Nishimura
Avec: Haruyo Suzuki (paroles), Micari (mouvements Inyi), Kazunori Abe (Kalunga), Maki Honda (Mayibuye), Ayako Terauchi, Moemi Ishii, Miyuki Yamamoto, Kouichi Ohtaka (Ubuntu), Kenji Nagai, Ryo Yoshimi, Hisashi Yokoyama, Les Ombres: Miki Takii (Ofiri), Soichiro Yoshiue Muenikongo (Makaba), Yukio Kato (Damel Bigue), Yudai Makiyama (Janae Big Chief), Yuya Daidomumon (Rascal)
Premiere am La Colline Théâtre National war am 20. September 2018.
Weitere Termine bis zum 20.10.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.colline.fr


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