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Entzündung des Verbs leben

INFLAMMATION DU VERBE VIVRE am Théâtre national de la Colline

Bewertung:    



Inflammation du verbe vivre (in etwa: "diese Entzündung"), die Wajdi Mouawad drei Jahre nach deren Uraufführung ans Théâtre National de la Colline holte, sieht nach einem Stück aus, das vielleicht gar nicht auf die Bühne gefunden hätte. Die Bühnenfigur Wahid, die (wie schon im Stück Seuls) als Alter Ego von Mouawad selbst wirkt, schickt sich an - 24 Jahrhunderte nach Sophokles' Philoktet - selbiges Stück auf die Bühne zu bringen. Doch der Tod des französischen Autors Robert Davreu, der hierzu eine neue Bühnenfassung liefern sollte, erschwert die Umsetzung des Projekts. Diese Kreuzung von Realität und Fiktion ist nur eins der Elemente, die den Zuschauer in 2 Stunden und 15 Minuten in eine Verkettung von surrealen Szenen mitnimmt.

Mouawad spielt allein.

Das Bühnenbild ist karg, denn mehr als ein schwarzes Podest bedeckt mit schwarzem Plastikfilm und einer Art weißer Wand sind nicht zu sehen.

Nahezu die Hälfte des Stücks ist eine Projektion einer Art Dokumentartheater auf die Wand, die Walid auf der Suche nach Inspiration im heutigen Griechenland zeigt. Das Besondere ist, wie Mouawad das Bühnenbild mit simplen Effekten für sich nutzt: Was für den Zuschauer nur in bestimmten Momenten sichtbar wird, ist, dass die Wand aus vertikalen Gummibändern besteht, durch die er selbst durchgehen kann, Stühle, Tische und Autotüren zum Hervorscheinen bringt, verschwinden lässt und auch mal selbst in und vor der Projektion dahinschwebt. So entsteht die Illusion, dass Projektion zu Wirklichkeit wird und andersherum.

Die Reise nach Griechenland ist eine Reise auf der Suche nach den Verstorbenen, Träumen und der Geschichte von Philoktet, in der auch das heutige Griechenland gezeigt wird. Wahid trifft verzweifelte Jugendliche und Opfer, die während der Finanzkrise in Vergessenheit geraten sind und ihre Version von Tod und Ausweglosigkeit teilen. Im Spagat der parallelen Darstellung von griechischer Mythologie, Neuzeit, Realität und surrealen Bildern von Natur, und stets begleitet von sanften Musikfacetten, entsteht ein hochpoetisches Werk über Leben und Tod und einer Welt dazwischen. Die Komplexität von Metaphern und Abstraktionen, die teils nicht zusammengesetzt werden können, sind aber bei der exzellenten Wort- und Bildwahl Nebensache.




Inflammation du verbe vivre am La Colline, Paris | Foto (C) Simon Gosselin

Tobias Marian Wollenhaupt - 17. November 2018
ID 11050
INFLAMMATION DU VERBE VIVRE (La Colline, 16.11.2018)
Text und Regie: Wajdi Mouawad
Bühne: Emmanuel Clolus
Musikalische Einrichtung: Michel Maurer
Video: Wajdi Mouawad
Videoassistenz: Dominique Daviet
Dramaturgie: Charlotte Farcet
Bild, Ton und Schnitt: Wajdi Mouawad
Licht: Sébastien Pirmet
Kostüme: Emmanuelle Thomas
Fixing: Adéa Guillot und Ilia Papaspyrou
Bildassistent: Vassilis Doganis
Mit: Wajdi Mouawad und Dimitris Kranias


Weitere Infos siehe auch: http://www.colline.fr/


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