Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 6

KULTURA-EXTRA durchsuchen...



Tanz im August

Constanza Macras / Dorkypark

Chatsworth


Bewertung:    



Nach dem Tanzstück Hillbrowfication, dass im Juni d.J. im Maxim Gorki Theater zu sehen war, arbeitet die in Berlin lebende argentinische Choreografin Constanza Macras erneut mit einer Gruppe südafrikanischer TänzerInnen. Vom schwarzen Township Hillbrow ist Macras in den Vorort Chatsworth in der Hafenstadt Durban weitergezogen. Für ihr gleichnamiges Stück hat sie dort Mitglieder der indischen Community gecastet.

Ab 1860 brachten die britischen Kolonialmacht Tausende von indischen Landarbeitern in die Provinz Natal. Die Inder wanderten über den Hafen Durban ein. Viele von ihnen ließen sich dort nieder und erlangten nach und nach einen deutlichen Einfluss auf die Stadt. Deren Nachkommen machen heute einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung Durbans aus. Auch Mahatma Gandhi arbeitete dort während seines Aufenthalts in Südafrika von 1893 bis 1915 für längere Zeit als Anwalt. Im Zuge der Apartheidpolitik Südafrikas wurden die Inder 1960 von der schwarzen und weißen Bevölkerung Durbans separiert und nach Chatsworth umgesiedelt.

Wie sie dort die kleinen, „Matchboxhouses“ genannten Reihenhäuschen zum Ausdruck ihrer ganz speziellen Individualität machten, wird zu Videobildern des heutigen Vororts von einem der indischen Tänzer erzählt. Farbenfroh sind zumeist auch die Kostüme der aus Chatsworth und vom Macras-Ensemble Dorkypark stammenden elf TänzerInnen. Zunächst noch vor geschlossenem Eisernen Vorhang zeigen zwei der indischen Tänzerinnen traditionelle fast an Gebärdensprache erinnernde stumme Tanzeinlagen. Auf der offenen, mit zwei Podesten im Hintergrund und einem kantigen Pappmaché-Felsen auf der rechten Seite gestalteten Bühne erwacht dann das Ensemble, sich aus Tüchern schälend, und beginnt seinen Vortrag aus kleinen Erzählungen, Tanzeinlagen zu indischen Tabla-Rhythmen von live auf der Bühne spielenden Musikern und einer längeren pantomimischen Choreografie, in der die Vorgeschichte der Ansiedlung der indischen Einwanderer nachgestellt wird.

Das geschieht wie immer mit der Constanza Macras‘ ganz eigenen Ironie, mit der sie die TänzerInnen ihre Geschichten zwischen individueller Selbstbehauptung, Tradition und Assimilation erzählen lässt. Da berichtet einer der Tänzer über die Probleme, die die indische Familie mit seiner Homosexualität hat. Eine etwas kräftig gebaute Tänzerin behauptet sich gegen die Einwände einer sehr grazilen. Und eine der indischen Tänzerinnen trägt immer wieder aus einer Geschichte über den hinduistischen Mythos von Samsara (Wiedergeburt) und Moksha (Erlösung) vor. Solo, im Duett oder in der Gruppe werden moderne Choreografien und traditionelle Tanzstile wie der indische Kathak gemischt.

Fernanda Farah wünscht sich auch mal eine fiktionale Rolle und führt dann als selbsternannte „Musikanthropologin“ durch ein Potpourri aus Jazz, westlichen Popsongs, finnischen Liedern der Performerin Varia Sjöström, indischem Bhajan-Gesang und jeder Menge Bollywood-Einlagen. Ein künstlerisches Battle der Kulturen, bei dem auch ironische Persiflagen auf Leonard Bernsteins Musical West Side Story oder exotische Tanzstile aus dem Musical König der Löwen nicht fehlen dürfen. Sogar der Brecht/Weill-Song "Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens" verirrt sich in dieses mitunter etwas überbordende Stück und bildet die philosophische Brücke zur westlichen Kultur. Ein Abend, der in seiner Fülle fast etwas überladen wirkt und sich dabei selbstironisch kurz auch mal als „kulturelle Tupperdose“ bezeichnet, aber durch Witz und Können stets zu überzeugen vermag.



Chatsworth von und mit Constanza Macras / Dorkypark | (C) Thomas Aurin

Stefan Bock - 27. August 2018
ID 10872
Constanza Macras / Dorkypark | Chatsworth (HAU 1, 26.08.2018)
Künstlerische Leitung: Constanza Macras
Dramaturgie: Carmen Mehnert
Mit: Emil Bordás, Miki Shoji, Fernanda Farah, Thulani Mgidi, Fana Tshabalala, Varia Sjöström, Manesh Maharaj, Sivani Chinappan, Priyen Naidoo, Avishka Chewpersad und Kamara Naidoo
Bollywood Choreografie: Shampa Gopikrishna
Bühne: Irene Pätzug
Video: Lisa Böffgen-Hartmann
Licht: Sergio de Carvalho Pessanha
Sound: Stephan Wöhrmann
Kostüme: Roman Handt
Musik: Almut Lustig und Vishen Kemraj
Gastspiel beim Festival TANZ IM AUGUST


Weitere Infos siehe auch: https://www.tanzimaugust.de


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de

Performance | Tanz

TANZ IM AUGUST



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:













THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Kurzmeldungen

CASTORFOPERN

FREIE SZENE

INTERVIEWS

PREMIERENKRITIKEN

PERFORMANCE | TANZ

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

THEMEN

URAUFFÜHRUNGEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal



Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2018 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de