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nachDRUCK # 6

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Uraufführung

Zusammen in

einem Boot



Bewertung:    



Das Boot ist voll ist ja eine Formulierung, die gerne von rechten Gruppierungen genutzt wird, um darauf hinzuweisen, dass Deutschland keine weiteren Menschen aus anderen Ländern mehr aufnehmen kann. Dem FWT Köln dient diese Aussage als Titel für einen Abend, der sich auf intensive und beeindruckende Art und Weise mit der aktuellen Flüchtlingsthematik auseinandersetzt. Nach Wegschließen – und zwar für immer ist dies bereits die zweite gemeinsame Arbeit von Regisseur Nico Dietrich, Intendant des Jungen Theaters Göttingen, und Dramaturgin und Mit-FWT-Intendantin Inken Kautter, die sich mithilfe dokumentarischen Materials einem Thema annähert.

Und wie schon in der erstgenannten Arbeit, gelingt es den Beiden auch hier, ein schweres Thema anschaulich auf die Bühne zu bringen, ohne dass es in Betroffenheitstheater oder didaktische Vorträge über den richtigen oder falschen Umgang mit der Flüchtlingsthematik ausartet. Mit 21 Interviewpartnern haben die Macher dieses Abends Gespräche geführt, darunter Flüchtlinge, ein Bundestagsabgeordneter, Mitarbeiter von Amnesty International, eine Rassismusforscherin und eine Sprachlehrerin, und aus diesen Interviews das Material für den Abend gewonnen. Ergebnis ist eine Vielzahl von Schicksalen und Meinungen, die ein inhaltlich facettenreiches Bild ermöglichen, ohne auf eine einzige Perspektive festgelegt zu sein. Seine Meinung soll sich der Zuschauer bitte schon selbst bilden.

Auch formal kann der Theaterabend überzeugen. Die Bühne entspannt sich über 20 Meter, und das Publikum sitzt in wenigen Reihen an der Längsseite des Raumes. Türen markieren mögliche Fluchtwege nach draußen und dienen zugleich als Veranschaulichung für die verschiedenen Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, u.a. Abschiebung und Bleiberecht. Später wird ein mobiler Zaun über die Bühne geschoben, hinter dem die Schauspieler „eingesperrt“ sind, während sie zugleich als Vertreter des Kölner Flüchtlingsrats über die Lage der illegal nach Europa eingereisten Flüchtlinge referieren. Links steht ein Aquarium, in dem passendweise eine Kulisse versenkt wird, die der Akropolis in Athen nicht unähnlich ist. Natürlich wird auch die Bürokratie im Umgang mit Flüchtlingen thematisiert, die lächerlich anmutet, aber ebenso die Erwartungshaltung so manches Flüchtlings kritisch hinterfragt.

Eine Stunde dauert dieser Abend nur, doch anschließend ist man voll von Eindrücken, die ein sehr differenziertes Bild der Situation von Flüchtlingen und der Ängste so mancher Deutschen erlauben. Das Verdienst des Abends ist es, einen sehr intensiven und vielfältigen Einblick in das Thema zu eröffnen. Zugleich überzeugt Das Boot ist voll als Theateraufführung und kann dem ernsten Thema sogar eine Portion Humor abgewinnen. Absolut sehenswert.



Das Boot ist voll am FWT Köln - Foto ©MEYER ORIGINALS | Bildquelle: fwt-koeln.de

Karoline Bendig - 22. Juni 2015
ID 8721
DAS BOOT IST VOLL (FWT Köln, 14.06.2015)
Text: Inken Kautter/Nico Dietrich
Regie: Nico Dietrich 
Dramaturgie: Inken Kautter 
Ausstattung: Giovanni de Paulis
Mit: Valentin Stroh, Oleg Zhukov, Aljoscha Sena Zinflou und Sermin Kayik 
Uraufführung war am 20. Januat 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.fwt-koeln.de


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