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Schauspielerinnen,
Schauspieler und
Schauspiel-Schulen


Josef Kainz (1858-1910), österreichischer Schauspieler - hier in der Rolle des Henri in Der grüne Kakadu von Arthur Schnitzler - , hatte nie eine Schauspielschule besucht. | Bildquelle: Wikipedia


Im deutschsprachigen Raum gibt es siebzehn staatliche Schauspielschulen, daneben einige wenige städtische und weitaus mehr staatlich anerkannte private Schauspielschulen. So fragwürdig die Rankings von wissenschaftlichen Hochschulen sind, weil sie sich, jedenfalls was die Lehre betrifft, an wenig aussagekräftigen Kriterien orientieren und abzählbare, nicht aber unbedingt relevante Daten auswerten, so mehr oder weniger objektivierbar lässt sich die Qualität von Schauspielschulen ermitteln. Die Zahl ihrer Absolventen ist überschaubar, und sie bleiben, anders als die Absolventen von Universitäten, durch ihre öffentliche Tätigkeit im Visier.

Vergleicht man, aus welchen Schauspielschulen die bedeutendsten, angesehensten, nach übereinstimmender Meinung begabtesten Schauspieler kommen, steht die Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ mit Abstand an erster Stelle. Es folgt das Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Aus den übrigen Schauspielschulen lassen sich einzelne Absolventen nennen, die meist schon bei der Aufnahmeprüfung aufgefallen waren. Im übrigen gibt es einzigartige Schauspieler, die, wie etwa Josef Bierbichler, bereits erfolgreiche Darsteller auf der Bühne oder im Film waren, ehe sie Schauspielunterricht bekamen, oder die, wie Erwin Geschonneck, Sonja Sutter, Armin Mueller-Stahl, Hanns Zischler, Eva Mattes, Josef Hader oder auch Orson Welles, niemals eine Schauspielschule besucht haben. Eine der begehrtesten Auszeichnungen für Schauspieler ist nach einem Autodidakten, nach Josef Kainz nämlich, benannt.

Zu den Absolventen der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ gehören unter anderem solche herausragenden Künstler wie Corinna Harfouch, Dagmar Manzel, Fritzi Haberlandt, Constanze Becker, Nina Hoss, Julia Jentsch, Valery Tscheplanowa, Thomas Thieme, Lars Eidinger, August Diehl, Devid Striesow. Sie hatten ihrerseits Lehrer vom Format eines Thomas Langhoff, einer Ursula Karusseit, einer Jutta Hoffmann. Sie hatten Mentoren, die – wohl auch als Folge der DDR-Sozialisation – ihre pädagogische Arbeit ernst nahmen.

Aus dem Max-Reinhardt-Seminar hervorgegangen sind unter anderem Sophie Rois, Anne Tismer, Johanna Wokalek, Birgit Minichmayr, Ulrich Wildgruber. Von den Absolventen aus München fallen einem ein: Axel Milberg, Michael Maertens, Joachim Meyerhoff, Jens Harzer und Josef Bierbichler; aus Frankfurt am Main Udo Samel und Ernst Stötzner; aus Hamburg Bibiana Beglau, Dörte Lyssewski und Peter Jordan; aus Rostock Anne Ratte-Polle, Peter Kurth und Shenja Lacher; aus Stuttgart Judy Winter und Ulrich Tukur; aus Graz Peter Simonischek. Ihnen steht eine lange Liste von Alumni gegenüber, die nach dem Studium keine Stelle in ihrem eigentlichen Beruf fanden und deren Traum nicht in Erfüllung ging.

Dieses Ungleichgewicht hat mehrere Gründe. An allen Schauspielschulen bewerben sich sehr viel mehr Interessenten um einen Studienplatz, als dann tatsächlich aufgenommen werden. Wer an einer Schule beim Vorsprechen durchfällt, versucht es bei der nächsten. Zunächst aber hofft sie oder er, an der renommiertesten Schule, also jener, die die bekanntesten Absolventen vorweisen kann, die Prüfung zu bestehen. Das bedeutet, dass die besten Kandidaten auch bei den besten Schulen „hängen bleiben“, ehe sie ihr Studium überhaupt begonnen haben. Die Katze beißt sich in den Schwanz. Der Erfolg gebiert Erfolg. Auch Intendanten und Schauspieldirektoren klappern die Schauspielschulen auf der Suche nach Nachwuchs in der Regel in der Reihenfolge ihres Prestiges ab.

Die Misere vieler Schauspielschulen verdankt sich einem kaum vermeidbaren Umstand. Es sind meist nicht gerade die maßgeblichen Künstler, die sich um ein Lehramt bewerben und es dann auch erhalten. Es ist wie bei vielen Musiklehrern: Wer eigentlich Solist werden wollte oder eben Bühnenstar und es nicht geschafft hat, entflieht der Arbeitslosigkeit durch eine Stelle im Lehrbetrieb. Und wenn einmal einer der ganz großen Namen eine Professur annimmt, besteht die Gefahr, dass ihn andere, attraktivere Verpflichtungen vom Engagement in der Lehre abhalten. Das gilt übrigens auch an anderen künstlerischen Hochschulen. Je gefragter ein Künstler auf dem Markt ist, desto unzuverlässiger ist er in der Regel als Lehrer, nicht nur, aber auch aus materiellen Gründen.

Mittelmäßige Schauspielerinnen, durchschnittliche Schauspieler aber, die an einer Schule ein Refugium gefunden haben, nachdem sie kein Theater mehr haben wollte, mögen gute Pädagogen sein (nicht einmal das ist garantiert) – geniale Schauspieler können sie nicht ausbilden. Wenn die Schüler es trotzdem werden, liegt das nicht am Studium, sondern, wie gesagt, an dem Talent, das sie von vornherein mitgebracht haben.




Das ist übrigens das Logo der
Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin.

Thomas Rothschild - 28. August 2018
ID 10874

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