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Tanztheater

Oh, oh, oh...

Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas: GOLDEN HOURS


© Anne Van Aerschot

Bewertung:    



Am Anfang steht das Wort und die Musik mit dem Song Golden Hours von Brian Eno aus seinem Album Another Green World (1975).

Es folgen Endlos-Schleifen derselben Musik mit dem Text: "See the evenings slide away." Dann der Tanz in Form von elf jungen Menschen, die in Straßenkleidung und Turnschuhen sich langsam auf uns zubewegen. Fast schon zieht einen das in den Bann, die Luft scheint sich zu verdichten.

Der Untertitel des Abends ist As You Like It, doch viele verlassen nach einer Stunde den Saal. Die Liebeskomödie William Shakespeares [Wie es euch gefällt] wird zwar mit fünf Akten durchgezogen, hat aber mehr Form als Inhalt. Es wird getänzelt, mit den Armen gewedelt, unterschiedliche Tempi eingesetzt, doch ohne Emotion, mehr mit einer unschuldigen Eitelkeit. Und das meist ganz ohne Musik.

Die Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker ist eine bekannte Künstlerin, choreographierte Opern am Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie und hat eine besondere Sensibilität für das Wechselspiel von Bewegung und Musik. Doch hier ist die Musik schlecht ausgesteuert und zu laut. Grelles Turnhallen-Licht stört den projizierten Text Shakespeares an der dunklen Rückwand. Dieser soll eine gewisse Struktur vorgeben.

Es geht also um Orlando und um Rosalind und um die Liebe auf den ersten Blick. Der Wald von Arden kommt vor, die Melancholie und der glückliche Narr, und alles wird in sehr ernster tänzerischer Pantomime dargestellt. Die ganze Welt soll eine grenzenlose Bühne sein (so ist wahrscheinlich der komplett nackte Raum zu verstehen), und all die Männer und Frauen sind lediglich Spieler. Sie spielt sein Spiel und er ihrs, der allbekannte Liebes-Test mit Missverständnissen, Wünschen und Begierden, also den üblichen Verrücktheiten.

Man lese die Geschichte dazu besser bei Shakespeare.

Da sehen wir also in 140 Minuten ein Alphabet einstudierter Bewegungen, sozusagen eine tanzende Gebärdensprache, ist froh, wenn mal etwas passiert - wie beispielsweise eine andere Musik, ein Gitarrenspiel oder mit Kreide nachgemalte Tanzbewegungen auf dem Boden.

Was gibt es hier zu verstehen?

Oh, da wirft ein Mann Papierblätter in die Luft, und eine ausdruckslose Frau sammelt sie alle wieder ein. Es macht einen irgendwie sprachlos, ich sehe schon Däumchen drehen, höre Stöhnen und Hüsteln. Und nach all der nicht enden wollenden Variationslosigkeit gibt es plötzlich Synchronbewegungen! Doch jetzt können einen selbst Sprünge nicht mehr imponieren! Bei den immer gleichen Bewegungen und der Länge dieses Stücks ist es verwunderlich, dass keiner der Darsteller eine Tanzfolge vergisst!

Auf jeden Fall gibt es am Schluss die nicht zu erkennende Hochzeit, küssende Männer (weil gerade en vogue?) rauchen die gemeinsame Zigarette. Alles mischt sich ein wenig auf mit einem Song (war es Playback?) und der Andeutung eines historischen Kostüms, welches anscheinend hilft, mehr in die Rolle zu kommen. Dann am Schluss noch einige Solotänze, man legt sich nochmal ins Zeug, eine Frau rennt um ihr Leben... Kleiner Effekt zum Finale?

Drei Männer singen noch zu einer Klampfe, und man darf als Zuschauer ein wenig fremdschämen. Oh, oh, wird das jemals enden?

Gibt es jetzt die Liebe auf den ersten Blick? Die Harmonie zwischen Natur und Gesellschaft soll auf jeden Fall laut Programmheft wieder hergestellt sein.

Happy End und Applaus. Es muss ein anderer Geschmack sein! Oder ist es Klatschen aus Erlösung?

Das Gute an Kampnagel ist, dass sie auch merkwürdige Dinge auf dem Plan haben.



Golden Hours von Anne Teresa De Keersmaeker / Rosas | © Anne Van Aerschot

Liane Kampeter - 6. Februar 2016
ID 9118
GOLDEN HOURS (Kampnagel Hamburg, 04.02.2016)
Choreografie: Anne Teresa De Keersmaeker
Mit: Aron Blom, Linda Blomqvist, Tale Dolven, Carlos Garbin, Tarek Halaby, Mikko Hyvönen, Veli Lehtovaara, Sandra Ortega Bejarano, Elizaveta Penkova, Georgia Vardarou & Sue-Yeon Youn
Musik: Brian Eno »Another Green World« (1975)
Arrangements: Carlos Garbin
Künstlerische Leitung: Ann Veronica Janssens
Dramaturgische Beratung: Bojana Cvejić
Licht: Luc Schaltin
Kostüme: Anne-Catherine Kunz
Technische Leitung: Joris Erven
Ton: Alexandre Fostier
Technik: Wannes De Rydt & Philippe Fortaine
Hamburger Premiere war am 4. Februar 2016
Weiterer HH-Termin: 6. 2. 2016
Eine Produktion von Rosas in Koproduktion mit De Munt / La Monnaie, Kaaitheater, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Théâtre de la Ville in Paris, Sadler’s Wells, Steirischer Herbst, Opéra de Lille, Ruhrtriennale, Concertgebouw Brugge und Festival Montpellier Danse 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.kampnagel.de


Post an Liane Kampeter

http://www.liane-kampeter.de



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