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Tanztheater

Junge

ChoreografInnen

auf Selbstsuche


OPEN WINDOWS V
am Theater Osnabrück


Cornua von Lennart Huyentruyt | Foto (C) Uwe Lewandowski

Bewertung:    



Der Tanzabend Open Windows V lädt zum fünften Mal ein, die choreografischen Zugriffe von sechs Tänzern der Osnabrücker Dance Company kennenzulernen. Dieser gemeinsame Tanzabend gilt als Plattform, die es den Akteuren ermöglicht, als ChoreografInnen einen Perspektivwechsel ihrer eigenen Rolle zu vollziehen, um ihre eigene Sicht auf gesellschaftliche Phänomene zum Ausdruck zu bringen. Aufgeschlossen für dieses Projekt zeigen sich auch die übrigen Mitglieder der Company, die gemeinsam mit ihren Kollegen nach deren Entwürfen großartige Tanzperformances mit beeindruckender Ausdrucksstärke auf die Bühne gebracht haben.

Schweine von Jayson Syrette mutet als erotischer Kampf um die eigene Positionierung an, während auch Women who run with the wolves von Katherina Nakui diese Komponente anspricht. Eine Frau ringt mit dem sprichwörtlichen Tier im Mann – symbolisiert durch das Tragen einer Wolfsmaske - um Gleichberechtigung und versucht, sich in einem martialischen Kampf seinem Einfluss zu entziehen. Einen eher introvertierten Kampf trägt hingegen der Protagonist in Get Over aus. Ayaka Kamei ist es gelungen eine Choreografie auszuarbeiten, die dem ausgewählten Tänzer Keith Chin wie auf den Leib geschrieben scheint. Mit äußerster Präzision sorgt er für einen ästhetischen inneren Dialog, der sowohl Zerrissenheit als auch Annäherung einmalig widerspiegelt. Schmerz und Konflikt fesseln zehn Minuten lang empathisch die Aufmerksamkeit in der Hoffnung auf Erlösung des leidenden Mannes.

Bereits in der nächsten Produktion zeigt sich, dass Keith Chin nicht nur eine außergewöhnlich gute tänzerische Umsetzung von Get Overgelingt. A Family Thing (Part V) zeugt von seinem grandiosen choreografischen Einfallsreichtum. Erzählt wird die belastete Beziehung eines Paares, das sich mal im dramatischen Liebesreigen, dann wieder im offenen Konflikt befindet. Marine Sanchez Egasse und Lennart Huysentruyt brillieren mit der Umsetzung dieses leidenschaftlichen und intimen Duetts und offenbaren eine bewegende tänzerische Interaktion, die ihresgleichen sucht.

Eine ebenfalls offensivere Auseinandersetzung präsentieren Cornua (Lennart Huyentruyt) und Silver Lining (Cristina Commissio), die trotz ihres ganz unterschiedlichen Zugriffs provokant die Frage in den Raum werfen, was im Falle einer grundlegenden Änderung der eigenen Haltung bewirken würde. Huysentruyt lässt seine Tänzerinnen hierfür symbolisch die Hörner ablegen und schließlich einen Rollentausch vollziehen, während Commissio subjektive Realitäten und abstruse Wertvorstellungen anklagt, die Fähigkeit einander wirklich zu sehen verdrängt zu haben.

Letztlich bestätigt sich abermals, welcher Talente mit enormen Potenzial sich die Osnabrücker Dance Company glücklich schätzen kann. Philosophische Ambitionen mit viel Tiefgang finden Ausdruck in fließenden und akkuraten Bewegung, die das Publikum in ihren Bann ziehen und nach der Premiere bzw. Uraufführung zu Recht zu tosendem Beifall führen.




A Family Thing (Part V) von Keith Chin | Foto (C) Uwe Lewandowski

Sina-Christin Wilk - 30. Mai 2017
ID 10053
Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-osnabrueck.de


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