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Das Grauen

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Der Nazi & der Friseur am FWT Köln | Foto (C) MEYER ORIGINALS

Bewertung:    



In dieser Spielzeit überwiegen auf der Bühne des Freien Werkstatt Theaters Köln (FWT) die Stücke, die sich mit dem Nationalsozialismus (Peter Weiss: Die Ermittlung) oder dem Jüdischsein (Marianna Salzmann: Muttersprache Mameloschn) beschäftigen. Da passt eine Bühnenadaption der Romangroteske Der Nazi & der Friseur von Edgar Hilsenrath bestens ins Bild:

Max Schulz, der im Dritten Reich in der SS Karriere gemacht hat und als KZ-Aufseher den Tod tausender Menschen zu verantworten hat, nimmt nach dem Krieg die Identität seines jüdischen Schulfreundes Itzig Finkelstein an und wandert nach Israel aus, wo er einen Friseursalon betreibt. Hilsenraths Erzählperspektive aus der Sicht eines Täters war bei Erscheinen des Romans im Jahr 1977 eine Provokation.

Judith Kriebel (Regie) und Susanne Weibler (Ausstattung) setzen bei ihrer Umsetzung des Romans für die Bühne auf einen einfachen Bühnenraum und eine grelle Überzeichnung der Figuren hin zum Chargenhaften. Till Brinkmann und Philipp Sebastian erzählen die Geschichte des Nazis Max Schulz und seines jüdischen Schulfreundes Itzig Finkelstein: Weiß geschminkt und in SS-Uniform gewandet stehen sie auf einer kleinen Bühne bzw. in einem Holzkasten, der von gelblich leuchtenden Glühbirnen umrahmt wird. Wobei stehen nicht das richtige Wort ist, denn oftmals brechen sie in Aktionismus aus, rennen über und um die Bühne herum, werfen mit Bällen oder Konfetti und rollen sich über den Boden. Vor der Bühne stehen zwei Mikrophone, in die die beiden gelegentlich hineinsprechen, und die Rückwand besteht aus einzelnen, gleich großen Modulen, die gedreht werden können und dann entweder den Blick auf einen dahinterliegenden Vorhang freigeben oder den holzverkleideten Raum in einen Raum mit Spiegeln verwandeln.

Das ist alles sehr hübsch anzuschauen, und Matscho Herzschlags Musik bringt jiddische Folklore und zugleich Tempo auf die Bühne. Doch obwohl immer wieder mit viel Körpereinsatz gespielt wird, ist die Inszenierung größtenteils sehr textlastig und verfällt ein wenig in die „Und dann“-Falle des chronologischen Erzählens. Das ermüdet, da keine Akzente gesetzt werden, die aus dem Fluss der Geschichte herausragen. Der Fokus fehlt, und so ist man als Zuschauer damit beschäftigt, der Erzählung und den vielen Fakten zu folgen - dabei immer bemüht, den Faden nicht zu verlieren. Die Groteske gelingt Kriebel und den beiden Schauspielern erstaunlich gut. Momente der Ruhe und der Einkehr sind dagegen eher selten. Das ist schade, denn dadurch geht das Ungeheuerliche der Geschichte – ein Täter, der sich als sein Opfer ausgibt und überlebt – ein wenig unter, wird nur in seltenen Momenten greifbar.



Der Nazi & der Friseur am FWT Köln | Foto (C) MEYER ORIGINALS

Karoline Bendig - 12. Februar 2016
ID 9129
DER NAZI & DER FRISEUR (FWT Köln, 11.02.2016)
Inszenierung: Judith Kriebel
Ausstattung:  Susanne Weibler
Licht/Ton: Christoph Wedi
Dramaturgie:  Gerhard Seidel 
Musik: Matscho Herzschlag
Öffentlichkeitsarbeit: Nadia Walter-Rafëi
Mit: Till Brinkmann und Philipp Sebastian
Premiere am Freien Werkstatt Theater Köln war am 27. Januar 2016
Weitere Termine: 26. - 28. 2. / 3., 19., 20. 3. 2016


Weitere Infos siehe auch: http://www.fwt-koeln.de


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