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Premierenkritik

Vater-Sohn-Trauma



Bildquelle: TAK

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David Foster Wallace (1962-2008) hat mit Unendlicher Spaß ein literarisches Vermächtnis hinterlassen, das mit seinen über tausend Seiten so mal nebenbei zu rezipieren sicherlich sehr schwierig ist; auch ich hatte es bis dahin noch nicht geschafft, gebe ich zu. Er muss - wie die Journalia nach und nach erfahren haben will - ein Sonderling gewesen sein und brachte sich mit 46 Jahren um.

"Sein Vater erklärte der Presse, sein Sohn habe seit 20 Jahren an schweren Depressionen gelitten und sei nur mit Hilfe von Medikamenten in der Lage gewesen, zu arbeiten. Angesichts auftretender Nebenwirkungen habe er diese jedoch nach Absprache mit seinem Arzt vorübergehend abgesetzt und sich im Sommer 2008 in einem Krankenhaus alternativ einer Elektrokrampftherapie unterzogen, die aber keine Besserung bewirkte. Schließlich erzielte auch der erneute Versuch einer medikamentösen Behandlung nicht mehr die von Wallace gewohnten Resultate. Sein Vater äußerte die Vermutung, sein Sohn habe seinen Zustand zuletzt nicht mehr ausgehalten." (Quelle: Wikipedia)

Nichts deutete und deutet darauf hin, dass zwischen Beiden (Vater & Sohn) ein ernst zu nehmendes persönliches Problem bestanden haben würde - jedenfalls nichts, was man so beim flotten Recherchieren via Internet betont entdecken müsste. Das scheint nachgerade "wichtig", wenn man sich jetzt Wallaces Kurze Interviews mit fiesen Männern - welche René Braun in einer knappen Spielfassung [der Kurzgeschichte Auf dem Totenbett, deine Hand haltend, bittet der Vater des jungen gefeierten Off-Broadway-Stückeschreibers um eine Gefälligkeit] im Theater Aufbau Kreuzberg gestern Abend feilbot - zu Gemüte führt:

Der Schauspieler Frank Grupe muss hier auf das Schweißtreibendste Unmengen von (Prosa-)Text bewältigen - allein dafür gebührt ihm unendlich Respekt!

Es geht scheinbar um einen kurz vor seinem eignen Ableben stehenden Vater seines Sohnes, der im Nachhinein nichts Gutes für das seiner Zeit Gezeugte übrig hat. Ihm wird bewusst, dass seit dem Anbeginn der Existenz des leiblich Nachgekommenen das (vor dem) eigene und quasi "singuläre" Leben seinerselbst als Mann und Frauengatte und Nochnichtvater schlagartig abgeschlossen und beendet war. Also ganz frei nach einer meist unausgesproch'nen Binsenweisheit, dass, sobald ein "neues" Kind die Welt besetzt, der interfamiliäre Rahmen abgesteckt und die v.a. für die Frau (und Muttergewordene!) neu zugedachte Hauptrolle sich insbesondere (und ganz natürlich!!) ihrem "neuen" Eigen-Fleisch-und-Blut verwidmet und der Mann und Gatte (Kindeszeuger!!!) eine ihn beschämende und rückstützende Nebenrolle zugewiesen kriegt... Und so auch hier entsprechend dieses vorgeführten und fürwahr etwas extremen Falls:

Der Vater hasst den Sohn für die an ihm verübte "Mördertat"!! Das Kind besetzte seine Mutter, und die Mutter war vom Kind besetzt; ja und der eigentliche Zeuger und Verursacher dieses natürlichen Gemischs war von der Stunde an nicht mehr vorhanden - weder für die Frau und Kindesmutter noch den Muttersohn. So kann's halt manchmal kommen - - es ist immer eine Frage jeweiliger Perspektive(n).

Mit Groß-Video-Nahaufnahmen wird der redselige Übervater stark verdoppelt und verriesigt. Und Sebastian Deufel (Schlagzeug) untermalt den Monolog.

Sehr anstrengender Text, ironisch freilich auch - und ohne jede Frage.
Andre Sokolowski - 24. Oktober 2014
ID 8192
KURZE INTERVIEWS MIT FIESEN MÄNNERN (Theater im Aufbau-Haus, 23.10.2014)
Regie: René Braun
Bühne: Tal Shacham
Mit: Frank Grupe, Andrea Gerhard (Darsteller) und Sebastian Deufel (Musik)
Premiere war am 23. Oktober 2014
Weitere Termine: 24. + 25. 10. | 30. + 31. 10. sowie 1. + 2. 11. 2014 (im Hamburger Sprechwerk)


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-aufbau-kreuzberg.de/


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de




 
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