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Premierenkritik

Aufgeblättert



Der Nazi & der Friseur an der Vaganten Bühne, Berlin | (C) Paul Holdsworth/ Daniela del Pomar

Bewertung:    



Der in Leipzig geborene deutsch-jüdische Schriftsteller Edgar Hilsenrath (92) - seine in 18 Sprachen übersetzten Werke erreichten bis heute eine Verkaufszahl von über fünf Millionen - wurde vor allem mit seiner Groteske Der Nazi & der Friseur berühmt, um nicht zu sagen: weltberühmt! Erst sieben Jahre nach der englischsprachigen Erstveröffentlichung getraute sich dann 1977 auch in Deutschland ein Verlag diesen Roman zu publizieren - zu der Zeit war man noch immer einem gewissen philosemitischen Kodex aufgesessen, "dem zufolge Juden in der Literatur des Nachkriegsdeutschlands nur positiv - etwa als Helden - dargestellt werden durften"; für 'nen rezeptionsbezüglichen Entkrampfungsschlag sorgten letztendlich das Tabori-Stück Mein Kampf (1987) oder der Film La vita è bella (1997) von Roberto Benigni, und spätestens ab da wurde auch hierzulande Vielen klar, dass eine künstlerische Aufarbeitung der brisanten Themen um den Holocaust herum auch "komisch" funktionieren kann.

Hilsenrath selbst hatte seinen wohl wichtigsten Erfolgsroman - und so vermuten wir - auch für die Bühne, also als Theaterstück, authorisiert; die diesbezügliche Copyright-Zeile liest sich so hier: "Aufführungsrechte Der Nazi & der Friseur (C) 1971 Freundeskreis Edgar Hilsenrarth e.V. by arrangements with Literarische Agentur Mertin Inh. Nicole Witt e.K., Frankfurt am Mai, Germany".

Die Vaganten Bühne Berlin, wo Der Nazi & der Friseur gestern Abend Premiere hatte, wählte also Judith Kriebels sowie Gerhard Seidels Bühenfassung nach dem gleichnamigen Hilsenrath-Roman.

*

Die Aufgabe der beiden titelgebenden Protagonisten Oliver Dupont, Andreas Klopp besteht im Eigentlichen "nur" darin, die Buchvorlage aufzublättern und hieraus - selbstredend mit verteilten Rollen - den Extrakt der vorliegenden Prosa nachzuspielen.



"Max Schulz, gelernter Friseur, macht in den 1930er Jahren Karriere in der SS. Als Wachmann eines Konzentrationslagers tötet er mit eigener Hand seinen jüdischen Schulfreund Itzig Finkelstein und dessen ganze Familie. In der Nachkriegszeit nimmt er Itzigs Identität an, um sich der Verfolgung zu entziehen, und wandert nach Palästina aus. Max-Itzig, der Massenmörder, bringt es dort zum Untergrundkämpfer für den Staat Israel und zum geachteten Besitzer eines Friseursalons." (Quelle: vaganten.de)


Der Stoff ist freilich harter Tobak.

Und Dupont & Klopp gehen mit ihm in komödiantisch-distanzierter Weise um. Der Fokus der Geschichte ist auf die Verselbständigung jenes judenmordenden SS-Schergen gerichtet, der erfolgreich (und durch seine nachkriegliche Quasi-Nichtenttarnung) eine Existenz als aufbauender Jude (und Friseur) in dem nunmehr vor 70 Jahren gegründeten Staate Israel bestreitet. Die zwei Schauspieler splitten "das Alles" wechselseitig auf, indem sie beide jeweils Parts und Positionen beider Hauptgestalten des Romanes zu uns 'rübertransportieren; oft sogar synchron als Duo-Sprecheinlage.

Aufklärend und anrührend waren und sind da insbesondere die vielen "innerjüdischen" Besonderheiten, die dem zuschauenden Zuhörer die herrliche Kultur und Tradition "normaljüdischen Lebens" oder/und der jüdischen sowie der israelischen Historie allgemein verdeutlichen und nahe bringen.

Hajo Förster war der Regisseur, und Olga Lunow baute ein paar funktionale Bühnenelemente und verteilte auch viel Kämme.




Oliver Dupont (li.) und Andreas Klopp als Der Nazi & der Friseur in der Vaganten Bühne Berlin | Foto (C) Manuel Graubner

Andre Sokolowski - 20. April 2018
ID 10654
DER NAZI & DER FRISEUR (Vaganten Bühne Berlin, 19.04.2018)
Regie: Hajo Förster
Ausstattung: Olga Lunow
Regieassistenz: Alexander Schatte
Technische Leitung: Benjamin Laber
Mit: Oliver Dupont und Andreas Klopp
Premiere war am 19. April 2018.
Weitere Termine: 20., 21.04. / 05., 08., 09.05. / 09., 13.-16.06.2018


Weitere Infos siehe auch: http://www.vaganten.de


http://www.andre-sokolowski.de

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