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Portrait


Über Subtexte - ein Probenbesuch

bei MS Schrittmacher


Zwei Leute sprechen (links und rechts jene Verschwommenen ), vier Leute tanzen (in der Mitte jene etwas Schärferen), ja und zusammen nennen sie es ANATOMIE EINER NACHRICHT ODER: WENN EINER ETWAS VON SICH GIBT. Das neue Stück der MS Schrittmacher - Foto (C) Andreas J. Etter



"Unsere Möglichkeiten der Verständigung sind unzureichend, aber leider unverzichtbar. Miteinander reden heißt oft kämpfen mit Übertragungsstörungen, falschen Annahmen oder gezinkten Botschaften. Die Gesetze des Gesprächs sind zahlreich, undurchsichtig und beinahe endlos kombinierbar. In der zwischenmenschlichen Kommunikation scheint folglich das Missverständnis die Regel zu sein; wir reden miteinander aneinander vorbei. Aber man kann schließlich nicht nicht kommunizieren. Da bleibt nur eins: mitspielen", plottet MS Schrittmacher ihr neues Stück (es heißt ANATOMIE EINER NACHRICHT ODER: WENN EINER ETWAS VON SICH GIBT) - wir trafen die Besatzung auf der Probe...

*

Martin Stiefermann ist Kapitän der MS Schrittmacher - dem als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) von ihm geführten Künstlerkollektiv, das er vor über 13 Jahren in der Hauptstadt gründete. Zuvor war er über zwei Spielzeiten Ballettdirektor am Theater Kiel während der Ära Kirsten Harms', als sie da Intendantin war; und als er für sie kein Dornröschen (also "klassisch", so wie es ihr vorschwebte) verfabrizieren wollte, kam es außerordentlich mit ihr zum Bruch - - ja und gottlob entstand aus diesem kleinen Kurzschluss seiner Vita die so schöne und so vorwärtsstrebende Idee mit einer (seiner!) neuen Truppe. 20 Produktionen sind bereits gestemmt, und alle mit Erfolg! Auch was die Subventionen angeht, hatten er & Truppe bisher reichlich Glück, denn ihre künstlerische Leistungsfähigkeit und internationale Ausstrahlkraft taten im Grunde immer wieder überzeugen - was nicht heißen soll, dass ihr Finanzbedarf jemals "erschöpft" gewesen wäre; Martin Stiefermann träumt seit vier Jahren schon von einer ganz besondern Kiste: ja, er will Alice in Wonderland in einem Kaufhaus spielen lassen... und ein Kaufhaus hat auch längst sein Interesse an dem Plan signalisiert; jetzt fehlte halt noch "etwas" Geld...

Ich kenne Martin Stiefermann de facto schon seit 1987 (haben wir bei unserm Interview herausgefunden), denn: Zu dieser Zeit studierte ich in Leipzig - er war in der Tanzausbildung an der Hamburgischen Staatsoper; deswegen zog er auch als 15jähriger frühzeitg aus dem Sauerland, wo er als Jüngster von drei Brüdern bei den Eltern aufwuchs, von zu Hause weg. Und als das Hamburger Ballett im Rahmen eines DDR-Gastspiels mit Mahlers Dritter Sinfonie damals in Leipzig war, tanzte er halt da mit - - ja und ich hätte ihn, wenn ich ihn damals schon persönlich, also richtig, gekannt hätte, auf der Bühne identifizieren müssen.



Johanna Lemke, Nicky Vanoppen, Kristine Keil, Raisa Kröger, Elik Niv (verdeckt) und Torsten Spohn (v. l. n. r.) tanzen und spielen in dem neuen Stück von MS Schrittmacher - Foto (C) Andreas J. Etter


Er erzählt mir, dass das Feuilleton ihn hin und wieder einen "Schreibtischchoreografen" nennen würde. Das besagt vielleicht nichts anderes, als dass es ihm verstärkte oder überdurchschnittliche kopfarbeiterische Fähigkeiten attestiert. Den Eindruck krieg' ich freilich auch, wenn ich zum Einen seine kurzen und prägnanten Stückplots lese und zum Andern seinen Ausführungen - insbesondere zur neuen Kreation unter dem nicht ganz ununsinnlich nachlesbaren Titel (s. o.) - lausche: "Der zentrale Satz von dieser Produktion ist, den Subtext, der nicht ausgesprochen oder ausgedrückt wird, in unserer Kommunikation sichtbar zu machen... Ich lasse die Schauspieler teilweise die Texte ohne die Subtexte (oder mit einem andern Subtext) sprechen - und der Subtext, den man sonst nicht hört, sind einfach die Tänzer, und die stellen den dar oder zeigen den oder konterkarieren ihn... Mir gehts bei diesem ganzen Stück nicht darum, ein Stück zu schreiben, sondern es sind immer Fallbeispiele." Hierzu hatte er sich mit dem Bühnenautor Hartmut Schrewe kurzgeschlossen, der ihm die konkreten Worte, unterm sog. Subtext, lieferte; und die zwei Schauspieler Kristine Keil (selbst auch eine Balletttänzerin, die bei Johann Kresnik lange Zeit mit war) und Torsten Spohn (der an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" studierte und, außerm Theater, auch aus Film und Fernsehen bekannt ist) sprechen stehend, sitzend, liegend, laufend alles dieses Außersubtexthafte; und der aus New York stammende Kris Ingram Lanzaro komponierte obendrein Musik und mischte sie zu einem stimmungsvollen Sound...



Auch das Gewächshäuschen (hier sehr artistisch von Raisa Kröger / Elik Niv ausbalanciert) scheint eine Rolle in dem Stück ANATOMIE EINER NACHRICHT ODER: WENN EINER ETWAS VON SICH GIBT zu spielen - Foto (C) Andreas J. Etter


So an die zwanzig Mitwirkende fasst der Pool von MS Schrittmacher; sie nennen sich "fest-frei", d. h. dass Martin Stiefermann pro Jahr zwei oder (höchstens) drei Projekte mit den Leuten seiner Wahl und je nachdem wann/wie sie können - mal als Solo, mal als Zwei- bzw. Dreipersonenstück, mal auch mit zehn oder mit fünfzehn Darstellenden auf der Bühne - absolviert.

Nachdem die Deutsche Staatsoper Berlin - für die Ballett-Einlagen in der Johann Strauß'schen Fledermaus 2009 - die Truppe an sich band, gab es ein Buhgewitter sondergleichen; und das völlig überalterte und voll verspießerte Premierenpublikum konnte nichts mit der aufmüpfigen, witzschwangeren Sichtweise beginnen (Martin sagte mir, dass das dann bei der Wiederaufnahme im letzten Jahr, also im Schiller Theater, überraschend anders, also überaus erfolgreich war) - auf jeden Fall bekam der Zuschauer da eine ungefähre Übersicht über die insgesamte Personalstärke der kessen Kompany.

Im aktuellen Stück wirken - neben den beiden Schauspielern - jeweils zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer mit: Raisa Kröger (die in Nürnberg und Berlin Choreografie und Tanz studiert hatte und eigene Choreografien in Berlin, Hamburg, Zürich, Dortmund und Düsseldorf darbot), Johanna Lemke (die Berlin und Amsterdam als Städte ihrer Tanzausbildung nennt und bereits vor der Zeit bei MS Schrittmacher mit Martin Stiefermann zwei Jahre lang in Oldenburg zusammenarbeitete), Nicky Vanoppen (der Antwerpener, der, ehe er bei MS Schrittmacher begonnen hatte, in der Heimatstadt auf die Ballettschule gegangen und in Basel oder Oldenburg erstengagiert gewesen war) und Elik Niv (der in Shavey Zion in Israel geboren wurde, an der Sadana Performing Arts School - Kibbutz Gaaton & Talma Yalin Tanz studierte und drei Jahre später nach Berlin zog, wo er beispielsweise in Constanza Macras Dorky Park mittanzte) - - Efrat Stempler (ebenfalls in Israel geboren, Dramaturgin / Choreografin / Tänzerin - Cie. Efrat Stempler ist der Name ihrer eignen Kompany) arbeitete mit ihnen - Fallbeispiel für Fallbeispiel - an dem Projekt.

Nach der Berliner Uraufführung (9. Juni) und den folgenden Reprisen wird sich Martin Stiefermann nach Budapest begeben, wo er einen Workshop vor/mit Zirkusleuten sowie Tänzern abhält. Zusätzlich gastiert die Truppe mit dem Tanzstück Wahllos in der ungarischen Hauptstadt. Und für Januar 2012 ist außerdem ein neues Solostück mit einer Tänzerin von MS Schrittmacher geplant.

Aber für Donnerstag vor Pfingsten sagen wir jetzt erst mal: Toi! toi! toi!


Andre Sokolowski - 5. Juni 2011
ID 00000005229
ANATOMIE EINER NACHRICHT ODER: WENN EINER ETWAS VON SICH GIBT
Das neue Stück der MS Schrittmacher
Choreografie / Konzept / Ausstattung: Martin Stiefermann
Text: Hartmut Schrewe
Komposition: Kris Ingram Lanzaro
Künstlerische Mitarbeit: Efrat Stempler
Tanz: Johanna Lemke, Raisa Kröger, Elik Niv und Nicky Vanoppen
Darsteller: Kristine Keil und Torsten Spohn
Licht: Thorsten König
Produktionsleitung: Nina Hofstötter und Katja Kettner
Presse: Heike Thierbach
Öffentlichkeitsarbeit: Marco Rosenwasser
Wissenschaftliche Mitarbeit: Nicole Mühlberg
Uraufführung am 9. Juni 2011 im EDEN***** (Berlin)
Weitere Termine: 10. - 12. und 14. - 19. 6. 2011

Adresse:
Eden****
Breite Straße 43
13187 Berlin


Weitere Infos siehe auch: http://www.msschrittmacher.com


http://www.andre-sokolowski.de



 

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