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Treibsandkasten am FWT Köln | Foto (C) MEYER ORIGINALS

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Des heiklen Themas Eltern und Kinder hat sich Inken Kautter zusammen mit Julia Klomfaß (Musik) in ihrem neuesten Projekt für das Freie Werkstatt Theater Köln angenommen. Kautter, die zusammen mit Nico Dietrich u.a. bereits Rechercheprojekte zur Sicherheitsverwahrung (Wegschließen – und zwar für immer) und zur Flüchtlingsproblematik (Das Boot ist voll) im FWT mit auf die Bühne gebracht hat, taucht dieses Mal in die Tiefen des Spielplatzsandkastens ab und beschäftigt sich – in launig-lustiger und fiktiver Form – mit verschiedenen Fragen rund ums Elternsein. Zwei Mütter (gespielt von Heike Huhmann und Aurélie Thépaut) und ein Vater (Markus Hennes) treffen sich tagtäglich mit ihren lieben Kleinen auf dem Spielplatz. Und damit die ohnehin strapazierten Nerven der Eltern nicht vorzeitig reißen, gibt es noch die Frau vom Kaffeestand, die zur rechten Zeit alle Beteiligten mit Koffein versorgt.

Auf dem Spielplatz wird natürlich kein Klischee ausgespart: Markus Hennes' Vater Baggi ist ein Softi und Loser, der mit einer Karrierefrau verheiratet ist, viel Zeit mit seinem Kind auf dem Spielplatz verbringt, aber auch gerne etwas cooler und beruflich erfolgreich wäre. Nicht einmal sein Sohn hört auf ihn, wenn sein Vater ihn mit Engelsgeduld auffordert, bestimmte Dinge zu unterlassen. Da ist Aurélie Thépauts Amélie aus ganz anderem Holz geschnitzt: Karriere, Haushalt und zwei Kinder – wo ist das Problem? Man muss nur gut organisiert sein. Heike Huhmanns Carolin dagegen ist eher eine sanfte Träne, vom Mann verlassen sehnt sie sich nach Zuneigung und danach, nicht nur als Mutter, sondern auch als Frau wahrgenommen zu werden. Einig sind sich die drei nur in einem: Diese Familie mit der völlig unerzogenen Tochter, die immer die Rutsche blockiert und andere Kinder verletzt, das geht ja gar nicht!

Nachts dagegen wird der Sandkasten zum Ort, an dem Sehnsüchte geäußert und (beinahe) gelebt werden: endlich mal wieder Sex, endlich mal wieder der Superheld sein, die Kinder in sicherem Babyphone-Abstand, während sie und er eine Zigarette rauchen. Nur Amélie, die französische Übermutter, kennt auch hier kein Erbarmen und taucht in Ghostbuster-Montur auf, um den Spielplatz zu reinigen. Aber siehe da, auch sie ist menschlich und schließt sich den beiden anderen auf eine Zigarette an.

Der Abend wird getragen von drei gut aufgelegten und gut geführten Schauspielern, die zwar Klischeetypen verkörpern, denen man aber dennoch gerne zusieht, weil hinter der Fassade, die sie nach außen tragen, immer auch wieder Untiefen, Sehnsüchte, Ängste aufscheinen, die sie als Eltern nicht zeigen können – da müssen sie funktionieren. Die angesprochenen Probleme, die hier zwischen Backförmchen und Schaukel verhandelt werden, werden vielen Eltern bekannt vorkommen. Aber auch für Zuschauer ohne eigenen Nachwuchs ist das Ganze sehr kurzweilig und vergnüglich. Julia Klomfaß hat sehr schöne Musik geschrieben, die sie von ihrer Kaffeebude aus auf der Gitarre begleitet, wenngleich anzumerken ist, dass im zweiten Teil die Balance des Abends etwas zu weit in Richtung Musik kippt. Aber alles in allem ist Treibsandkasten mit seinen knapp 80 Minuten unterhaltsame Kost. Die Kinder kann derweil ja ausnahmsweise der Babysitter hüten.



Treibsandkasten am FWT Köln | Foto (C) MEYER ORIGINALS

Karoline Bendig - 1. Mai 2015
ID 8610
TREIBSANDKASTEN (FWT Köln, 28.04.2015)
Inszenierung:  Andrea Bleikamp
Text/Dramaturgie: Inken Kautter
Musik: Julia Klomfaß
Bühnenbild/Kostüm: Claus Stump
Licht/Vorstellungstechnik: Christoph Wedi
Mit:  Markus Hennes, Heike Huhmann, Julia Klomfaß und Aurélie Thépaut
Uraufführung war am 20. März 2015
Weitere Termine: 2., 3., 27. - 29. 5. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.fwt-koeln.de


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