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Kinder- und Jugendtheater

Kindliche

Lebensrealität

trifft auf

Erkenntnis



Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums von Salah Naoura am Theater Osnabrück | Foto (C) Uwe Lewandowski

Bewertung:    



„Erwachsene lügen gerne“, so die Erkenntnis des 11jährigen Matti. Das Kindertheaterstück Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums von Salah Naoura zeigt nun auf, welche Konsequenzen diese zunächst recht banal erscheinende Erkenntnis für Kinder hat – und wie trotz verletzten Gefühlen und Enttäuschungen auch manchmal etwas Gutes daraus entstehen kann. Das Universum macht Fehler, aber diese können korrigiert werden.

Janine Hagedorn hat ein schlichtes und gerade dadurch eingängiges Bühnenbild geschaffen. Unmissverständlich wird klargemacht, dass Matti (Johanna Franke) und sein kleiner Bruder Sami (ebenfalls von Johanna Franke dargestellt, Handpuppe) in ärmlichen Verhältnissen leben: Stellwände mit abgerissener Tapete bilden die Wohnküche, die Küchenausstattung hat bereits bessere Tage gesehen, genauso wie die verrosteten Rohre im Bad. Beengt, vieles improvisiert, aber dennoch ein liebevolles Heim mit bunten Kinderzeichnungen und Blumen. Matti und Sami sind nicht unzufrieden – abgesehen von der Tatsache, dass sie sich ein Zimmer teilen müssen –, verlieren sich dennoch in Träumereien. Da ihr Vater (Benjamin Werner) aus Finnland stammt, ist es Mattis größter Traum, die Sommerferien mit der Familie seines ebenfalls halbfinnischen Schulfreunds Turo (ebenfalls Benjamin Werner) ebenda zu verbringen.

Nach dem Matti und Sami einem Aprilscherz aufgesessen sind und zutiefst enttäuscht von dem Verhalten der Erwachsenen sind, überschlagen sich die Ereignisse. Denn Matti begreift, dass Lügen manchmal zielführend sein kann. Tagtäglich wird es ihm vorgelebt: Sein Vater bietet sich mit seinem Bruder Jussi einen verbalen Wettstreit darum, wer erfolgreicher ist – wie sich letztlich rausstellt, ein fragiles Lügenkonstrukt, das zusammenbricht. Um seinen kleinen Bruder zu schützen, nutzt er das mühsam Ersparte seiner Eltern für eine Tierschutzspende, um Peinlichkeiten zu entgehen, belügt er seinen besten Freund, außerdem sorgt er durch gezielte Irreführung dafür, dass die Familie die Zelte in Deutschland abbricht und nach Finnland geht. Die vermeintliche Katastrophe zeigt sich schließlich als Glückfall, da die Eltern erstmalig eine Chance sehen, ihr Leben zu ändern und selbst in den Griff zu nehmen, ein Neuanfang steht bevor. Auch Matti zieht eine Lehre aus den Erfahrungen: Das Universum ist noch immer durcheinander, aber alles fühlt sich richtiger an!

Birga Ipsen (Inszenierung) und Marie Senf (Dramaturgie) ist eine feine Charakterzeichnung gelungen, die von dem dreiköpfigen OSKAR-Ensemble (Sparte Kindertheater am Theater Osnabrück) raffiniert umgesetzt wird. Mühelos schlüpfen Jost op den Winkel (u.a. die Mutter und Onkel Jussi) und Benjamin Werner zwischen mehreren Rollen hin und her, ohne den Handlungsfluss zu unterbrechen. So unterschiedlich die einzelnen Figuren sind, so überzeugend werden diese auch ganzheitlich in Mimik und Gestik dargestellt. Johanna Franke bietet ihren Kollegen genügen Raum für Präsenz, obwohl Matti im Mittelpunkt des Geschehens steht. Wunderbar zu sehen ist, wie es ihr gelingt, den 11jährigen Jungen authentisch darzustellen. Auch die suggerierte Nähe zwischen der Rolle und dem kleinen Bruder ist deutlich zu erkennen – ein genialer Einfall seitens der für die Inszenierung Verantwortlichen. Ein Besuch zeigt, dass das Publikum, an das sich das Stück richtet, die gut eine Stunde Schauspiel aufmerksam verfolgt. Kindertheaterstück Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums reflektiert auf einfühlsame Weise die kindliche Wahrnehmung von Realität und hat somit einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert auch für Erwachsene. Absolut empfehlenswert!



Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums am Theater Osnabrück | Foto (C) Uwe Lewandowski

Sina-Christin Wilk - 10. März 2018
ID 10577
MATTI UND SAMI UND DIE DREI GRÖSSTEN FEHLER DES UNIVERSUMS (Emma-Theater Osnabrück - 07.03.2018)
Inszenierung: Birga Ipsen
Bühne und Kostüme: Janine Hagedorn
Dramaturgie: Marie Senf
Mit: Johanna Franke, Jost op den Winkel und Benjamin Werner
Premiere am Theater Osnabrück: 2. März 2018
Weitere Termine: für Schulen reserviert


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-osnabrueck.de


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