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nachDRUCK # 6

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Interview

MIRA & MAIKA VIEHSTÄDT

Die Kunst im Freien Raum


Foto (C) Nika Viehstädt

Mira & Maika Viehstädt habe ich kennengelernt, durch das Festival „AllesoderNichts“ auf dem Spielbudenplatz/Reeperbahn. Ich wurde gefragt, ob ich nicht etwas aufführen will. So gab es von mir 2012 das Stück Marie Antoinette und 2013 Rotkäppchen und der böse Wolf in einem der vielleicht 13 Zelte zu sehen, und zwar das ganze Wochenende.

Jetzt möchte ich wissen, wie es so ist, freiberuflich in der Theaterszene zu bestehen. Und dieses Gespräch interessiert sich nicht für Fakten, sondern mehr für die Hintergründe.

Warum ist sie Schauspielerin geworden? - Ja, sie hat gerade gestern Abend darüber nachgedacht. Welche Auslöser haben Künstler? Und ist es so, dass sie meist aus kreativen Familien stammen? Wir sitzen bei "schönem Wetter Tee" am Tisch mitten in Hamburg, und ich erfahre nicht nur, Maika ist Schauspielerin, der Bruder Tänzer, auch die andere Schwester, Mira, studiert Literatur und Philosophie und schreibt Theaterstücke, macht Regie und Poetry. Warum nur? Drei ältere Geschwister haben in der Kindheit vorgelesen, sie habe schon immer gern geschrieben. Der Vater ist Musiker und Überlebenskünstler, die Mutter Lehrerin in Kunst und Sport...


* * *

Woher bekommt ihr eure Ideen?

Maika:
Oft ist es das Thema, etwas "Neues", wohin man sich orientieren will. Wir reflektieren unsere eigene momentane Lebenssituation, oft ist es ein Ereignis. Kunst hat mit Verarbeiten zu tun. Auf der Bühne allerdings nicht mehr. Dann sucht man schlichtweg nach etwas, was thematisch noch nicht abgedeckt ist. Und manchmal inspirieren wir uns durch ein Bild.


Gibt es Modethemen?

Mira:
Das ist unterschiedlich, weil von der Kunstszene abhängig. Poetry Slam hat starke Modethemen, weil das Medium sehr luftig ist. Manche sind wirtschaftlich und politisch orientiert. Ein Thema zur Zeit ist "Inklusion". Die Bildende Kunst hat wohl schwerere Themen. Dann gibt auch die Technik oder das Werkzeug etwas vor, z.B. muss mindestens ein nackter Mensch auf der Bühne stehen. In Richtung Performance ist gerade "in", mit Laien zu arbeiten.

Maika: Ich als Schauspielerin brauche einen Anstoß, sonst verliere ich mich, kann es nicht konkret werden lassen.


Was waren konkrete Themen in eurer bisherigen Laufbahn?

Maika:
Die Alice im Wunderland-Inszenierung im Sprechwerk Theater, der große Bruder hat die Choreographie gemacht, ich die Regie. Der Hildegard Knef-Liederabend und das Kabinett der Kuriositäten. Das hat auch Mira geschrieben. Außerdem bringen wir über Festivals Kunst und Theater auf die Straße, wie z.B. das Reeperbahn Festival mit dem Spielbudenplatz.


Empfindet ihr euch als politisch?

Maika:
Wir sind ja in der Koalition der Freien in Hamburg organisiert. In der Kunst sind wir allerdings gar nicht politisch.


Kann Kunst überhaupt politisch sein?

Maika:
Kann "ja", aber die Frage ist, ob sie politisch wirken sollte und wirklich etwas bewegen kann. Ich tendiere dazu, dass sie es nicht sein sollte. Ich möchte eher eine Person rühren, nicht Massen oder ganze Strukturen bewegen. Der Einzelne kann etwas mitnehmen.

Mira: Ein Theaterstück kann etwas sein, wo ich mich berieseln lasse und auch das Stück, wo ich noch drei Wochen darüber nachdenke. Beides ist möglich. Es ist mir wichtig, dass Kunst keinen intellektuellen Anspruch hat. Es kann auch schöne, nette Unterhaltung sein. Die Rezipienten sind ja größtenteils keine Künstler, sie haben Jobs, ein eigenes Leben und möchten genießen.


Was möchtet ihr bewegen?

Maika:
Kunst sollte wieder einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft bekommen, wie etwa die Bildung, damit mehr Menschen Zugang zur Kunst haben. Kunst sollte auch im Alltag bestehen.

Mira: Man kann unterschiedliche Kunstarten auf die Straße bringen. Es gibt ja auch Leute, die nicht bewusst entschieden haben, ins Theater zu gehen, und die nehmen dann trotzdem etwas mit für den Tag. Außerdem spricht man andere Leute an.


Könnt ihr von eurer Kunst leben?

Maika:
Ja, ich arbeite ausschließlich in meinem Bereich. Ich unterrichte auch in Theater und Tanz. Oft werde ich belächelt, „sie muss unterrichten, um Geld zu verdienen“, aber meine Schülerinnen und Schüler inspirieren mich, ich kann Wissen und Erfahrung weiter geben. Gerade mit meinem Ziel, dass Kunst einen anderen Stellenwert bekommt, ist es ganz wichtig, auch zu unterrichten, junge Leute mit meiner neuen Idee von Kunst zu motivieren.

Mira: Ich habe noch nicht den Druck, Geld zu verdienen. Ich studiere ja. Aber vielleicht macht es Spaß, unter Druck zu arbeiten, damit es zwischendurch nicht langweilig wird. (Schaut ihre Schwester dabei von der Seite an, der diese Vorstellung ein Grauen ist.) Wie zwei Monate überbrücken? Andererseits schafft das vielleicht geistige Klarheit.


Was treibt euch an?

Maika:
Das wüsste ich auch gerne. Warum mache ich das? Es ist mal komisch, dann wieder anstrengend, eine Arbeit wie jede andere. Kunst machen ist ein Job, einerseits geil, dann quäle ich mich auch mal zu einer Vorstellung. Es ist ein Herzensantrieb und Arbeit zugleich. Das darf man sich eingestehen, dass dieses halbe Jahr überhaupt keinen Spaß gemacht hat. Schon wieder in die Maske und Fettschminke "aufschmieren" lassen, auf der Bühne stehen, und 500 Zuschauer lachen über meinen Witz, und mir gefällt es nicht.


Habt ihr einen konkreten Wunsch für das nächste Jahr?

Maika:
Nachdem ich sieben Jahre freiberuflich war, hätte ich jetzt wahnsinnig Lust für zwei oder drei Jahre fest ans Theater zu kommen. Ich möchte in diese Welt eintauchen und viel mehr Schauspieler und Handwerker sein, es wenigstens zu einem Vorsprechen zu schaffen, vom Intendanten eingeladen zu werden. - Und Urlaub machen.

Mira: Ich möchte im nächsten Jahr konkret ein Buch veröffentlichen. Es ist Lyrik für Kinder, Zwölf Bilder, für die ich Gedichte schreibe und meine Mutter die Bilder dazu macht. Und ich möchte weniger Organisations-Kram erledigen, mich mehr auf die Kunst konzentrieren.

Maika: Wenn man seinen Antrieb gefunden hat, warum man das alles macht, dann ist es leichter. Ich füge hinzu, dass das Leben ein Prozess ist. Ja, das ist meine Erfahrung, auch als Künstlerin.


Ich danke euch für das Gespräch.

Mira & Maika:
Wir danken dir.




Interviewerin: Liane Kampeter - 28. August 2014
ID 8043
Mira Viehstädt, 23 Jahre, studiert Literatur und Philosophie, schreibt Theaterstücke, gibt Regie. Maika Viehstädt, 26 Jahre, hat Schauspiel studiert, gibt Unterricht in Tanz und Theater. Sprechwerk ist ein Off Theater in Hamburg, es zeigt Freie Projekte, fest im Programm ist Kindertheater. Aufgeführt wurden u.a. Alice im Wunderland, ein Hildegard Knef-Liederabend und das Kabinett der Kuriositäten. Koalition für Freies Theater ist ein Zusammenschluss der Freien Kunst- und Kulturszene Hamburgs.

Weitere Infos siehe auch: http://www.nichtsoderalles.com


Post an Liane Kampeter

http://www.liane-kampeter.de




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