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JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN von Hans Fallada

Habimah Theater, Tel Aviv


Plakatmotiv | (C) Habimah Theater

Bewertung:    



In dieser Woche gastierte das israelische Habimah Theater aus Tel Aviv - anlässlich des diesjährigen ID Festivals - in der deutschen Hauptstadt.


"Nach der Gründung 1917 in Moskau verbrachte das Habimah fünf Jahre in Berlin bevor es Palästina 1931 endgültig erreichte. Als Nationaltheater Israels widmete sich das Habimah der Förderung und Aufrechterhaltung der hebräischen Sprache und Kultur, förderte den Erhalt des kollektiven Gedächtnisses der jüdischen Nation und prägte dessen Identität durch landesweite Theaterproduktionen, Sonderveranstaltungen, Festivals und 'lange Theatertage'.

Die Produktionen des Habimahs erkunden Fragen von Krieg und Frieden; konfrontieren israelisch-arabische Beziehungen; konzentrieren sich auf die Spannungen zwischen religiösen und säkularen Juden und zwischen den neuen Einwanderern und langansässigen Israelis; beleuchten den Status von Frauen; erforschen die Beziehungsdynamiken zwischen den Generationen; hinterfragen Korruption und Bürokratie; untersuchen jüdische Anliegen und jüdische Geschichte; beschreiben das Leben im Schatten des Holocausts; und reflektieren israelische Geschichte und Gesellschaft, unter anderem die Leben israelischer Gastarbeiter. Israelische Ziele und Konflikte werden außerdem mittels klassischer Arbeiten dargestellt, die adaptiert werden um lokale Themen und nationale Anliegen widerzuspiegeln.

Jedes Jahr produziert das Theater zehn neue Stücke und inszeniert 1.300 Vorstellungen. Allein im letzten Jahr besuchten um die sechs Millionen Zuschauer Produktionen des Habimah, darunter 300.000 Abonnenten – die höchste Anzahl an Besuchern und Abonnenten aller israelischen Theater und mehr als das National Theatre in London. Die Produktionen des Habimah reisen durch das ganze Land und bieten lange Theatertage für alle Israelis, unabhängig von Alter, geografischer Lage oder Herkunft: Juden und Araber, säkular und orthodox, jung und alt, vom Inneren des Landes bis hin zu seinen Grenzen, langansässige Israelis wie auch neu Eingewanderte aus Äthiopien, der einstigen Sowjetunion und Argentinien. Das Theater hat Israel weltweit bei führenden Festivals vertreten. Das Habimah beschäftigt 300 Schauspieler, Fachkräfte aus dem Theaterbereich, Techniker und Verwaltungsangestellte."


(Quelle: idfestival.de)


Das Habimah präsentierte im Maxim Gorki Theater zwei Vorstellungen seiner Bühnenadaption von Hans Fallada's Roman Jeder stirbt für sich allein:


Sie basiert "auf der wahren Geschichte von Elise und Otto Hampel, einem Ehepaar aus der Arbeiterklasse, das in Berlin wohnte und politisch nicht aktiv war. Als ihr Sohn Otto zu Kriegsbeginn getötet wird, startet das Paar eine Propaganda-Kampagne, die fast drei Jahre andauert und die Berliner Polizei in Verlegenheit bringt und verärgert, bis sie den Fall schließlich der Gestapo übergibt. Im Rahmen ihrer Kampagne platzierte das Paar, das bei Fallada Quangel heißt, hunderte Postkarten in ganz Berlin, auf denen sie zu passivem Widerstand und Sabotage am Arbeitsplatz aufriefen. Ihre Leser wurden angehalten, kein Geld an die als Winterhilfswerk getarnte Nazi-Hilfsorganisation zu spenden, die in Wahrheit den Krieg finanzierte. Zählt das als Opposition gegen die Regierung? Kann man diesen Akt mit dem Attentatsversuch auf Hitler vom 20. Juli 1944 vergleichen? Wo verläuft der Grat zwischen Opposition gegen ein Regime und Zustimmung? Gemeinsam mit dem Israelisch Deutschen Festival lädt das Gorki Ilan Ronen und das Habima Theater mit ihrer aktuellen Produktion nach Berlin ein, um die Verbindungen und Geschichten dieser beiden Theater und ihrer jeweiligen Städte in Erinnerung zu rufen und wieder miteinander zu verknüpfen."

(Quelle: gorki.de)


*

Shahar Pinkas hat die Kapitel des Fallada-Romans in ein paar Dutzend Einzelbilder aufgepixelt - Ilan Ronen hat das Alles inszeniert: Jedwede Szene wird durch eine jeweilige Schreibmaschinen-Zeile übertitelt, es gibt zudem "illustrierend" historische Video- sowie Toneinspielungen aus Propagandafilmen sowie Schlagern oder Marschliedern aus der NS-Zeit. Die Kostüme von Ula Shevchov sind zeitgemäß also authentisch. Und das Feeling, was derart beim Zuschauer und Zuhörer erzeugt und auch erreicht wird, speist sich erstranging aus diesem relativ doch "ungebrochenen" Dokumentarstil; unsereiner hatte das (speziell im sog. sozialistisch-realistischen will sagen altsystemtreuen Theater aus der frühen DDR) noch in markantester Erinnerung...

Die karge, schlichte und zugleich doch sehr, sehr wandlungsfähige Bühne von Niv Manor ermöglicht schnelle Szenenwechsel, funktionale "Schnitte".

Die in verschiedenen Rollen agierenden wunderbaren Schauspielerinnen und Schauspieler sitzen die meiste Zeit, quasi in permanenten Start- und Wartepositionen, auf einer Reihe Stühle; von dort aus erheben sie sich, sobald ihr Auftritt erfolgt, und spielen ihre Szenen solo, zu zweit oder inmitten des Ensembles. Hervorzuheben ist v.a. Shulamit Adar, die die Rolle der Jüdin Frau Rosenthal mit einer herzpumpenden Intensität und Dramatik, die ihresgleichen suchen dürfte, ausfüllt und gestaltet... Als Anna & Otto Quangel überzeugen nicht minder Osnat Fishman und Norman Issa... Den Verhörszenen wird breit und unnachgiebig Raum geboten; Alex Krull, Ben Yosipovitch, Rotem Keynan (als SS-Offiziere) sowie Uri Avrahami (als Richter, Henker) gehen da bis an die Grenze des Erträglichen.

Bedrückender, berührender Theaterabend.




Jeder stirbt für sich allein am Habimah Theater Tel Aviv | Foto (C) Gérard Allon

Andre Sokolowski - 26. Oktober 2017
ID 10340
JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN (Maxim Gorki Theater, 24.10.2017)
Regie: Ilan Ronen
Produktionsleitung: Noa Anatot und Dana Katz Naaman
Regieassistenz: Michal Isaak
Bühnenbild & Video: Niv Manor
Kostümbild: Ula Shevchov
Kostümbildassistenz: Asia Nelen
Musik & Choreografie/Musical Editor & Movement: Miri Lazar
Lichtdesign/Lighting Design: Ziv Voloshin
Perücken & Maske/Wigs & Makeup: Osnat Sagi
Sprache/Speech: Assi Eshed
Besetzung:
Otto Quangel ... Norman Issa
Anna Quangel ... Osnat Fishman
Kommissar Escherich ... Tomer Sharon
Enno Kluge ... Ami Smolarchik
Emil Borkhausen ... Pini Kidron
Eva Kluge ... Evgenia Dodina
Obergruppenführer Prall ... Uri Hochman
Frau Rosenthal ... Shulamit Adar
Schauspieler/ Bruno Persicke/ Mitglied der Widerstandbewegung /
Strafverteidiger/ SS Offizier ... Alex Krull
Otti/ Hete Häberle ... Davit Gavish
Schroeder/ SS Offizier/ Mitglied der Widerstandbewegung/ Pfarrer ... Ben Yosipovitch
Richter Fromm/ Herr Mieleck ... Michael Koresh
Trudel Baumann ... Hila Shalev
Karl, Trudels Ehemann/ Mitglied der Widerstandbewegung/ Rechtsanwalt/ SS Offizier ... Rotem Keynan
Kuno Dieter, Borkhausens Sohn ... Noam Frank
Vorarbeiter in der Fabrik/ Richter/ Henker ... Uri Avrahami
Berliner Premiere war am 24. Oktober 2017
Weiterer Termin: 25.10.2017
Gastspiel des Habimah Theaters Tel Aviv in Kooperation mit dem ID Festival


Habimah-HP: https://www.habima.co.il


http://www.andre-sokolowski.de

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