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im Eimer



Macbeth im Monbijou Theater | Foto (C) Bernd Schönberger

Bewertung:    



Sommerzeit ist Open-Air-Theaterzeit. So auch in diesem Jahr im Amphitheater am Monbijoupark in Berlin-Mitte. Nach der Abspaltung der alten Hexenkessel-Truppe um Jan und Carsta Zimmermann, die nun die Woesner Brothers auf dem Pfefferberg beerbt haben und das dortig Pfefferberg Theater betreiben, hat Christian Schulz, Theaterleiter und Geschäftsführer der Monbijou-Theater GmbH, die Zeichen auf Erneuerung gesetzt. Neben Die lustigen Weiber von Windsor, einem der üblichen Sommertheaterklassiker von William Shakespeare, hat man nun zwei eher schwergewichtigere Klassiker auf die Amphitheaterbühne gehievt. Nach Die Mitschuldigen (einer Jugendsünde von Johann Wolfgang von Goethe) im letzten Jahr eröffnete man die laufende Saison mit Faust, des Weimarer Geheimrats Tragödie erster Teil, der nun alternierend mit Macbeth, einem der wohl blutrünstigen Königsdramen Shakespeares gezeigt wird.

Nach Schenkelklopfen ist nun also Hauen und Stechen im Monbijou Theater angesagt. Das nötige Theaterblut dafür schleppt man gleich in mehreren Zinkeimern und -wannen auf die Bühne. Das Geschehen um den schottischen Edelmann Macbeth, der, angestachelt von seiner Frau und den Weissagungen dreier Hexen, er würde es zum Thane von Cawdor und schließlich gar zum König von Schottland bringen, den alten Monarchen Duncan ermordet und nachfolgend noch viele weitere Widersacher ins Jenseits befördert, spielt sich hier in einer kleinen Sandkastenarena zu Füßen der Zuschauertribüne ab. Während hier noch die drei Hexen ihre verwunschenen Beschwörungsformeln im Original singen, rollen nach gewonnener Schlacht Macbeth und Kumpan Banco von oben herab.

Die beiden sehen dabei aus, als wären sie eher Maske und Kostümfundus eines Mad-Max-Endzeitstreifens entsprungen. Wilde Gladiatorenkämpfer mit Lederschützern an Armen und Beinen und phantasievoll geformten Helmen auf dem Kopf, die sich im Sand einer antiken Arena suhlen. Regisseur Darijan Mihajlovic hat Shakespeares Drama auf handliche 90 Minuten gekürzt, aber wenig an der klassischen Übersetzung Friedrich Schillers geändert. Ohne allzu pathetisch zu werden, lässt das der Geschichte ihre düstere Wucht. Der Kampf um die Macht fordert auch hier seine Opfer.

Wer einmal im Blute gebadet, ist davon gezeichnet und wird das auch so schnell nicht wieder los. Zunächst bekommt der übergriffige Suffkopp König Duncan seinen Eimer auf und später auch noch Banquo, dem die Hexen weissagten, einmal Könige zu zeugen. Wer kann, flieht nach England. Duncans Sohn benutzt dazu den Waschzuber, in dem später Mcduffs Weib samt Frischgeborenem das nächste Opfer der Blutorgie des Macbeth wird. Das Spiel gestaltet sich dabei sehr dynamisch. Fast fliegend wechselt das Ensemble immer wieder die Rollen - bis auf Macbeth, seine Lady und Banquo, der dem Mörder weiterhin als Geist mit blutigem Kopf beim Abendessen mit den Thanes erscheint.

Nun ist dies aber beileibe nicht nur ein martialisches Sandkastenspiel. Auch wenn Mord-, und Fechtszenen wie im schnellen Nummernprogramm wechseln, bleibt hin wieder auch mal Platz für etwas Slapstick oder einen theatralischen Wahnsinnsauftritt der Lady. Ernst und Unterhaltung halten sich die Waage, und auch das Publikum darf seinen Beitrag zum Sturz des Tyrannen leisten. Wenn dann endlich der Wald von Birnam nach Dunsinane gekommen ist, gibt es neben dem klassischen Ende noch eine überraschende Wende, bei der Banquos Sohn Fleance eine maßgebliche Rolle spielt.




Macbeth im Monbijou Theater | Foto (C) Bernd Schönberger

Stefan Bock - 2. August 2017
ID 10171
MACBETH (Monbijou Theater, 31.07.2017)
Regie: Darijan Mihajlovic
Dramaturgie: Maurici Farré
Kostümbild: Isa Mehnert
Maskenbild: Rivka Dette
Bühnenbild: David Regehr
Technische Leitung: Sebastian Söllner
Biomechanisches Training: Tony De Maeyer
Musik: Anna Krstajić in Zusammenarbeit mit Darijan Mihajlovic
Besetzung:
Macbeth ... Jonas Kling / Markus Braun
Lady Macbeth ... Anja Pahl / Franziska Hayner
Duncan/ Macduff ... Matthias Horn / André Kudella
Banquo/ Banquos Geist ... Uwe Neumann / Daniel Sellier
Hexe 1/ Malcolm/ Mörder/ Lord ... Tobias Schulze / Rashidah Aljunied
Hexe 2/ Sohn Macduff/ Bote/ Mörder 2/ Lenox/ Soldat ... Carolin Ott / Melanie Stahl / Marisa Wojtkowiak
Hexe 3/ Lady Macduff/ Fleance/ Rosse/ Krieger ... Carmen Betker / Vlatka Alec
Premiere war 21. Juni 2017
Weitere Termine: noch bis 03.09.2017


Weitere Infos siehe auch: http://www.monbijou-theater.de


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de



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