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Festival

Die poetische

Leichtigkeit

der Mythologie


ODYSSEY im Piccolo Teatro Strehler


Bob Wilsons Odyssey | Foto (C) Evi Fylaktou

Bewertung:    



Verwurzelt in der abendländischen Kultur sind die Irrfahrten und Abenteuer jener Helden. Und Odysseus geistert jahrhundertelang durch Literatur und Kunst – von Dante bis Joyce verschiedenste Interpretationen erfahrend.

Mit dem Homerischen Epos sind alle irgendwann einmal in Kontakt gekommen, meist in der Schule, meist mit der Aufgabe, verschraubte Sätze zu entwirren, den verstaubten Text zu paraphrasieren: schwierig, langweilig.

Und da ist Bob Wilsons Inszenierung ein Lichtblick: soviel Frische und Heiterkeit verleiht dem für die Bühne adaptierten Epos Spannung, aber auch Bestrickung und Verzückung, kurzum: die Zuschauer werden mitgerissen.

Einprägende Bilder entführen in Wilsons Odyssey die Mythologie: die Götterwelt in ihrer erdfernen Perfektion; die verführerische Calypso im Vordergrund und abseits verhüllt; Odysseus, abgewandt, den Blick in die Ferne gerichtet; der schauerliche Zyklop; die Sirenen mit ihrem wunderbaren unheilvollen betörenden Gesang - um nur einige wenige zu nennen.

Diese ganze, atemberaubende Welt hat der Texaner emblematisch kristallisiert, neben wenigen Bühnenrequisiten und Kostümen ist es das Licht, das als gestaltgebendes Element den Raum erschafft.

Minimalismus beeindruckt als Synthese, die Essenz erzielt. Wilson selbst stellt sofort klar, dass diese Einfachheit nicht als Banalisierung, als Vereinfachung missverstanden sein soll, dass hinter dieser Einfachheit in Wahrheit ein komplexes Konzept steckt. Einfachheit als Destillation, als hochentwickelte Essenz.

Jeder einzelne Aspekt hat sein Gewicht. So sind für Wilson Requisiten keine Dekoration. Er lobt die handwerkliche Kunst, mit der beispielsweise der Kopf des Zyklopen, seine Hand [s. Foto unten] oder die Möbelstücke realisiert worden sind - richtiggehende Skulpturen, die laut Regisseur in ihrer Wichtigkeit den Schauspielern nicht nachstehen.

Die Produktion ist dem Gedenken Wolfgang Wiens, dem Mitarbeiter und Dramaturgen, gewidmet.

Die Schauspieler des griechischen Nationaltheaters sprechen neugriechisch. Die ferne, unverständliche Sprache (zumindest für den Großteil der Zuschauer – mich eingeschlossen) erhöht jedoch die Faszination.

Das Konzept ist jenes des klassischen antiken Theaters: „man sieht Bilder, man hört einen Text“ (Wilson). So einfach, jedoch so tiefgreifend. Rational nur bruchstückhaft erfassbar. Ein Zugang zu einer anderen Welt, das Andere schlechthin. Archetypen wurden herauskristallisiert - Intensität der archaischen Welt. Die Götter in ihrer archetypischen Funktion.



Bob Wilsons Odyssey | Foto (C) Evi Fylaktou

Sylvia Schiechtl - 21. Oktober 2015
ID 8937
ODYSSEY (Piccolo Teatro Strehler, 19.10.2015)
Inszenierung, Bühne und Licht: Robert Wilson
Musik: Thodoris Economou
Text: Simon Armitage (nach Homer)
Dramaturgie: Wolfgang Wiens
Co-Direktor: Tilman Hecker
Kostüme: Yashi Tabassomi
Mit Zeta Douka, Stavros Zalmas, Lydia Koniordou, Alexandros Mylonas, Maria Nafpliotou, Vicky Papadopoulou, Apostolos Totsikas, Nikitas Tsakiroglou, Konstantinos Avarikiotis, Thanassis Akokkalidis, Yorgos Glastras, Akis Sakellariou, Giorgos Tzavaras, Giorgis Tsambourakis, Kosmas Fontoukis u.v.a.
Klavier: Thodoris Economou
Uraufführung im Nationaltheater von Griechenland war am 26. Oktober 2012
Premiere in Mailand: 6. 10. 2015
Weitere Termine: täglich bis zum 31. 10. 2015


Weitere Infos siehe auch: https://www.piccoloteatro.org


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