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1. Bürgerbühnenfestival

Doch etwas fehlt



Nachdem sich gestern und vorgestern der Begriff von Bürgerbühne deutlich weitete, kehrte man mit den Stücken des vierten Tages zu den vermeintlichen Kernkompetenzen zurück.

Die Borgerscenen Aalborg Teater präsentierte Romeo og Julie lever! (Romeo und Julia leben!) in der Regie von Minna Johannesson. Drei Paare, zwei davon im Rentenalter, und zwei ältere Damen spinnen die Idee, dass Romeo und Julia nicht nur eine Woche, sondern ein ganzes Leben miteinander verbracht hätten, anhand ihrer Biographien weiter. Das ist in Teilen anrührend, zum Ende hin auch stellenweise dramatisch, sorgt zwischendurch für einige Schmunzler, vermag dann aber in Summe doch kaum zu fesseln, was einesteils an der im Verhältnis zum erzählten Inhalt übergroßen Länge liegt. Dem Stück hätte eine konsequentere dramaturgische Bearbeitung und Eindampfung sehr gut getan. Die immer wieder eingestreuten Shakespeareschen Verse aus Romeo und Julia sollen dem Abend sicher ein Gerüst geben, stehen aber recht beziehungslos im Raum, zumal die Rezitationen oft uninspiriert wirken.

Zweiter Kritikpunkt ist der Rahmen der Inszenierung. Das fängt mit einem hausbackenen Bühnenbild (ein Vorgartenidyll) an und setzt sich in der Personenführung fort, die die Darsteller oftmals gravitätisch zu Wohlfühl-Klassik schreiten und ansonsten herumstehen lässt. Dann werden noch Blumen gestreut, eine Trompete bemüht und Brautkleider vorgeführt, alles nicht wirklich spannend.

Wenn man das thematisch ähnlich gelagerte Ja, ich will der Dresdner Bürgerbühne gesehen hat, weiß man, wie lebendig man einen solchen Stoff auf die Bühne bringen kann. Auch deshalb war ich am Ende unzufrieden. Dennoch, ein freundlicher und starker Applaus, die Meinungen gingen im Publikum offenbar auseinander.




Romeo og Julie lever! (C) Borgerscenen Aalborg Teater



Bewertung:    


*


Eine andere Säule des Laientheaters ist die Inszenierung „fertiger“ Stücke mit Jugendlichen. Die Mannheimer Bürgerbühne des dortigen Nationaltheaters brachte Nichts. Was im Leben wichtig ist von Janne Teller mit, acht SchülerInnen führen diesen Kampf einer siebenten Klasse um den Sinn des Lebens auf. Es ist ein packender Stoff, die Handlung steigert sich von der Verweigerung eines Mitschülers (weil ja nichts eine Bedeutung hat und es sich deshalb nicht lohne, irgendetwas zu tun) aus der Verunsicherung der Klasse und derem Versuch, ihm das Gegenteil zu beweisen, fast spiralförmig in eine stetig wachsende Dramatik, bis es schließlich zur Katastrophe kommt und der Verweigerer stirbt, von der ganzen Klasse erschlagen und mit dem im Laufe des Stücks angehäuften „Berg der Bedeutung“ verbrannt. Die Erkenntnis, das die Bedeutung relativ ist und damit bedeutungslos, verkraftet die Gruppe nicht.

Kein einfaches Stück, doch es wird sehr präzise inszeniert, das Bühnenbild sowie Licht und Ton bilden einen stabilen Rahmen, in welchem sich die jungen Darsteller – offensichtlich sehr eng von der Regie (Kristo Šagor) geführt – nahezu perfekt bewegen, oftmals auch chorisch agieren und immer wieder wechselnde Gruppenkonstellationen abbilden.

Das sehr junge Publikum im vollbesetzten und mit 400 Plätzen gar nicht so Kleinen Haus ist begeistert am Ende, tosender Beifall. Doch einige im Saal klatschen eher verhalten, was vor allem daran liegt, dass man zwar ein perfekt durchchoreografiertes und exakt einstudiertes Jugendtheater sehen konnte, doch die Darsteller zwar sehr stark in ihren Rollen, jedoch kaum als Persönlichkeiten wirkten. Ein Bezug zum Inhalt des Stücks ließ sich bei ihnen kaum herstellen, der bis ins Kleinste ausgefeilte Auftritt verhinderte die Sichtbarkeit einer eigenen Haltung zum schwierigen Stoff.

Mit jungen oder angehenden Schauspielern auf die selbe Art inszeniert, wäre dies ein rundum gelungener Abend gewesen, so vermisste man doch die einer Bürgerbühne gemäße Art der Dekonstruktion einer Vorlage und die Verknüpfung mit den Meinungen und Erfahrungen der Darsteller.




Nichts. Was im Leben wichtig ist (C) Mannheimer Bürgerbühne, Nationaltheater Mannheim



Bewertung:    


* * *


In der zweiten Hälfte des Festivals stehen bis zum Samstag noch fünf Inszenierungen auf dem Spielplan, aus Warschau, Berlin, Moldawien und zweimal den Niederlanden, dazu im Rahmen der Werkschau zwei Stücke der hiesigen Bürgerbühne. Für ein Fazit ist es deshalb zu früh, aber man darf gespannt sein, wie sich das Bild der heutigen partizipativen Theaterformen verdichten und erweitern wird.


Sandro Zimmermann - 21. Mai 2014
ID 7849
ROMEO OG JULIE LEVER! (Kleines Haus 3, 20.05.2014)
Regie: Minna Johannesson
Mit: Anette Bagge, Flemming Bagge, Sally Pedersen, Ludvig Pedersen, Yrsa Rold Sørensen, Kirsten Merrild, Søren Hagerup und Louise Wheler
http://www.aalborgteater.dk/borgerscenen


NICHTS. WAS IM LEBEN WICHTIG IST (Kleines Haus 1, 20.05.2014)
Regie: Kristo Šagor
Mit: Denis Bode, Aylin Hardtke, Janine Kleiber, Carolin Mackert, Steffen Recks, Katharina Rösch, Tim Weckenbrock und Mirijam Zuck
http://www.nationaltheater-mannheim.de
http://www.schnawwl.de


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsschauspiel-dresden.de/


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