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nachDRUCK # 6

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Besprechung

Ist ja alles so schön bunt hier



Peer Gynt-Plakatmotiv (C) Residenztheater München

Bewertung:    



Theatereffekt, Theatereffekt, Theatereffekt... und turbulente Komik mitten im Wald.

Der Wald ist im Theater von Martin Kušej als Szenerie offenbar sehr beliebt. Beim Weibsteufel, einem Drama von Karl Schönherr aus dem Jahr 1914, mit Kušej selber als Regisseur, ist der dunkle Wald noch ein perfekter Raum für eine perfekte Inszenierung.

*

Der düstere Wald für Norwegens Trollwelt und Peer Gynts Egotripp ist bei Henrik Ibsens Peer Gynt diesmal nur noch ein Raum, der für allerlei Schnickschnack Platz hat. Für ein Lichterkettenzelt, ein rotes, aufblasbares Plastikherz, ein Feuerwerk, einen funkelnden Sternenhimmel. Shenja Lacher als Peer Gynt spiel sich dort taumelnd, aber höchst sicher, geschickt und versiert von Szene zu Szene und durch ein Stück, das durch und durch dem Mainstream gehört.

Ich bin in Peer Gynt gegangen, weil er so ziemlich die erste Bühnenfigur war, die mir als Jugendliche begegnete und ich jetzt einfach wieder einmal mit diesem Stoff konfrontiert sein wollte. Eine Schallplattenaufnahme der Peer-Gynt-Suiten Edvard Griegs war es freilich, die ich damals anziehend fand. Ein Peer Gynt, der nun mit allerlei Popmusikstücken, Klimbim und bunten Requisiten als Egozentriker, ruheloser Geist und sogenannteer "Kaiser der Selbstsucht" durchs Schauspiel klamaukt, und zwar für den Theaterkommerz, das ist dann meine Sache nicht so sehr.

Dem Stück wurde im Mittelteil von Bühnenbildner Falko Herold vorübergehend außer dem Wald eine aufwendige Diaprojektion und eine Wüstenszenerie, Bebilderung eines Traums, verpasst, und es bebildert von einer Art Märchenszenerie zu Märchenszenerie in zwei Stunden die Geschichte des scheiternden Peer Gynt. Er, ein überbehütetes Muttersöhnchen, das der Realität zu entfliehen versucht - unterwegs auf Abenteuern durch die ganze Welt. Dabei an Trolle und Dämonen geatend, Ingrid entführend und Solvejg liebend und verlassend und in die unmöglichsten Situationen geratend. Und zwar in der Inszenierung des End-20ers David Bösch - voll und total unterhaltsam und sehr gekonnt, beinahe für jeden etwas. Alt und arm geworden, vergleicht Peer Gynt seine Seele gegen Schluss schließlich mit einer Zwiebel, die lauter Hüllen hat, aber keinen Kern. Macht nichts. Ist ja alles so schön bunt hier.

Henrik Ibsen hatte Peer Gynt innerhalb kurzer Zeit während einer Italienreise verfasst, doch freilich inspiriert duch Mythen und Märchen der Heimat und die Feenmärchen von Peter Christen Asbjørnsen. "Peer Gynt", eigentlich ein dramatisches Gedicht aus dem Jahr 1867, ist als Kritik des romantischen Nationalismus zu verstehen.

In der inszenierung von David Bösch ist der Lebensweg eines Träumers und Spinners und Außenseiters fürs Mainstreampublikum zu schriller, skurriler Unterhaltung geworden. Peer Gynt ist eigentlich eine Außenseitergeschichte, die den Blick auf ein aufgerissenes Inneres zeigen soll: "Mein Buch ist Poesie: und ist es keine, dann soll es Poesie werden. Der Begriff der Poesie wird sich schon dem Buche anpassen. Es gibt nichts stabiles in der Welt der Begriffe", hatte Ibsen zum Erscheinen des Stücks postuliert. Und der Wiener Bernhard Moshammer, der für die Musik zur Inszenierung im Residenztheater verantwortlich ist, hat den Song "Boats and Birds" von Gregory And The Hawk mit im musikalischen Kontext. In den Lyriks von "Boats And Birds" heißt es: "...if you'll be my boat /I'll be your sea / a depth of pure blue just to probe curiosity /ebbing and flowing / and pushed by a breeze/ I live to make you free / I live to make you free..." Je weiter Peer Gynt reist, desto unwirklicher werden jedenfalls die Situationen. Schön, dass Solvej ihn dann doch noch retten kann.



Peer Gynt am Residenztheater München - Foto (C) Thomas Dashuber

Tina Karolina Stauner - 19. November 2014
ID 8260
PEER GYNT (Residenztheater München, 18.11.2014)
Regie: DAVID BÖSCH
Kostüme: MEENTJE NIELSEN
Musik: BERNHARD MOSHAMMER
Licht: TOBIAS LÖFFLER
Dramaturgie: SEBASTIAN HUBER
Mit: SHENJA LACHER (Peer Gynt), SIBYLLE CANONICA (Aase, seine Mutter), MICHELE CUCIUFFO (Aslak, ein Schmied; Begriffenfeldt, Direktor des Irrenhauses zu Kairo; Eine magere Person), ANDREA WENZL (Solveig), GÖTZ SCHULTE (Der Bauer auf Haegstadt; Trollkönig; Huhu, ein Sprachverbesserer), FRIEDERIKE OTT (Ingrid, seine Tochter; Eine Grüngekleidete; Anitra, Beduinenprinzessin; Das Affenmädchen), PHILIP DECHAMPS (Mads Moen; Der Affenjunge) und ARNULF SCHUMACHER (Ein Knopfgießer)
Premiere war am 14. November 2014
Weitere Termine: 22. 11. / 12., 16., 25. 12. 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.residenztheater.de


Post an Tina Karolina Stauner

tkstauner.blogspot.com




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