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Kurzkritik

Mia Habib

A song to...


Bewertung:    



Das Beste kommt zumeist am Schluss:

Am Sonntagabend war die letzte Aufführung beim diesjährigen Festival TANZ IM AUGUST. Die norwegische Multikünstlerin Mia Habib, deren Arbeitsspektrum von Performance über Ausstellung bis zum Mentoring reicht, stellte sich eine Truppe von fast 50 Menschen beiderlei Geschlechts und jeden Alters (16 Tanz-Profis darunter) zusammen, die ihr choreografisches Experiment A song to... - ein Hohelied auf ursprüngliche und auch ungeschützte Nacktheit - zelebrierte. Als "Choreografie einer Massenbewegung" war der Auftritt auf dem Beipackzettel angezeigt:



"In Auseinandersetzung mit Massenprotesten, Konzepten monumentaler Kunst als politischem Instrumentarium und der Forschung über Schwarmintelligenz inszeniert Mia Habib die Vielheit der Körper als kritische Masse: Repräsentation, Überwältigung und Massendynamik, aber auch Singularität und Vereinzelung. Das Publikum blickt dabei auf bewusst nicht eindeutige Körper und zwiespältige Dynamiken von Masse, aus denen sich die Choreografie speist. Rennend und fallend, in kreisenden Bewegungen und skulpturalen Tableaus erfahren die Körper, die sich permanent wandeln und immer neue, mal animalische, mal artifizielle, sakrale, oder objektartige Gestalten annehmen, neue Zuschreibungen. Die Nacktheit der Körper führt die vermeintliche Natürlichkeit von Körpern vor und exponiert das Menschsein als nackte Tatsache, bei der die Frage, ob Mensch, Objekt oder Tier keine Rolle mehr spielt."
(Quelle: tanzimaugust.de)


Das [s.o.] liest sich gut und ist, von seinem Text her, freilich bloße Theorie; mit andern Worten ausgedrückt - das Alles MUSS man erst einmal gesehen und erlebt haben. Es stockt Einem geradezu der Atem, wenn sich beispielsweise diese "Laufspirale" nach und nach entwickelt. In der Mitte dieses Wirbels geht es ruhig, fast stehend zu. Aber je weiter sich AkteurInnen zum Rand dieses zentrifugalen Phänomens bewegen, umso ungehaltener und hastig-hetzender geht es dort zu. Habib vereinzelt/trennt jedoch auch stellenweise den humankinetischen Versuch; so zieht dann einer von den ausdauerndsten (Lang-)Läufern der Company mehrere Dutzend Außenrunden, bis er - an sein physisches Limit gelangt - sich in das skulpturale Körperknäuel, was sich zwischenzeitlich hinten an der Wand zusammenbaute, integriert.

Es ist ein schweißtreibender Großakt, der fast ausschließlich im Stillen (man gewahrt "nur" dieses mannigfache Ein- und Ausatmen der strapazierten Leiber) funktioniert - - am Ende, wie dann Alle in dem letzten Gruppenwirbel involviert sind, lassen sie von Grund auf einen eintönigen (Gruppen-) Schrei crescendohaft aus sich verlautbaren. Das hätte dann auch György Ligeti [ich tat sofort an dessen Filmmusik in 2001 - Odysee im Weltraum denken] sehr gefallen!

Sensationell.




A song to... | Foto (C) Yaniv Cohen

Andre Sokolowski - 5. September 2016
ID 9524
A song to... (HAU2, 04.09.2016)
Choreografie: Mia Habib
Dramaturgie: Jassem Hindi
Lichtdesign: Ingeborg Olerud
Sound: Jassem Hindi
Choreografische Assistenz: Jon Filip Fahlstrøm und Karen Høybakk Mikalsen
Choreografische Assistenz Extras: Linn Christine Ragnarsson
In Kollaboration mit und getanzt von: Asaf Ahronson, Povilas Bastys, keyon gaskin, Ida Gudbrandsen, Tarek Halaby, Shantelle Jackson, Oskar Landström, Hanna Mjåvatn, Przybyslaw Paz, Ingunn Rimestad, Kira Juliane Senkpiel, Harald Beharie, Hedda Rivrud, Linn Christine Ragnarsson, Nina Wollny, Cecilie Lindeman Steen und Berliner Gäste
Besonderer Dank an Sandy Williams, Loan Ha, Jon Filip Fahlstrøm, Jules Beckman und Fie Dam Mygind
Produktionsleitung: Eva Grainger
Vorproduktion: Morten Kippe
Internationales Produktions- und Tourmanagement: Karene Lyngholm
Videoinstallation: Kaja Hugin
Mia Habib Production


Weitere Infos siehe auch: http://www.tanzimaugust.de


http://www.andre-sokolowski.de

Tanz im August



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