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Neue Stücke

Die NSU-Beate

DAS SCHWEIGENDE MÄDCHEN von Elfriede Jelinek


Bewertung:    



Elfriede Jelinek holt sich zumeist den Stoff zu einem ihrer neuen Stücke (auch oder v.a.) übers Internet. Sie sitzt und schreibt am Rechner, kennt sich also - trotz ihrer Betagtheit - hochvorzüglich mit den Handhabungen dieser ganzen hochmodernen Scheiße aus; gewiss wird sie sich oft und öfter (auch oder v.a.) wünschen, dieses Alles nicht so gut zu können und sich (auch oder v.a.) sodurch zeit- und raumgreifendere Vitalisierungen zu gönnen als dann dieses Alles halt; aber sie macht(e) ja auch "nebenbei" Musik...

Das aktuelle Drum-Herum zum sog. NSU-Prozess, der seit zwei Jahren läuft und irgendwie doch auf der Stelle tritt bzw. sich in eine Art von Sackgasse verliert, erfuhr die Österreicherin - genauso wie die meisten Nachrichteninteressierten - via Medien also "bloß" aus zweiter Hand. Für sie gewiss kein größeres Problem, denn: Stoff ist Stoff, und in den Stoff hinein wickelt der Dichter (sprich: die Dichterin) den Inhalt und/oder das Thema, was ihr augenblicklich passt, womit sie meint sich als Person UND Mensch UND Dichter(in) gewisse Aufklärungen zu verschaffen, aus ihm zwischenmenschliche sowie gesellschaftsrelevante Querverbindungen im Großen wie im Kleinen abzuleiten: Das schweigende Mädchen (gemeint ist jene NSU-Beate Zschäpe) dient somit als Stellvertreter-Aufhänger für ein System, das Jelinek unter die Lupe sich zu nehmen vornahm, wo es zwischen praktiziertem Politikverständnis sowie hehrer Humanismusgläubigkeit stark widersprüchelt resp. lautstark kracht; "die Geschichte der Zwickauer Zelle wird zur Antithese der biblischen Heilsgeschichte: Im gewohnten Gestus eines fließenden, unendlichen Sprechens seziert Jelinek die einzelnen Facetten der Schuldfrage. Zwischen Prozessprotokollen, Medienberichten und literarischen Referenzen wagt sie einen tiefen Blick ins Unbewusste der deutschen Seele." (Quelle: deutschestheater.de)

*

Fakten, Wahrheit - der Justizpalast kennt keine weiteren "erhellenden Momente", die der eindeutigen Klärung eines rechtsstaatlichen Sachverhaltes dienlich wären. Jelinek tut sich an diesem generellen Missverständnis in für sie gewohnter Art und Weise weiden. Sie deckt auf, was Richter, Staatsanwälte und/oder Verteidiger so wohl nie könnten oder dürften. Zwischen allen Zeilen liegen immer wieder die Geschichten, die das Leben schreibt - so war, so ist, so bleibt es wohl für alle Zeit.

Beate Zschäpe tritt selbstredend in dem 220seitigen Fließtext überhaupt nicht auf. Nichts desto Trotz gibt Wiebke Puls poetisch und ironisch überhöhtes Engels- oder Jungfrau'n-Zeugs zum Besten. Das hört sich wie eine vorgezogen-nachträgliche Heldinnenverklärung an - und zwar nicht nur aus der bevorzugt-braunen Perspektive ihres früheren und/oder aktuellen Umfelds. Die zwei toten Terroristen (Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos) haben ähnlich überhöhte Stellvertreterstimmen: Benny Claessens, Steven Scharf und Risto Kübar (in der Attitüde eines Jesus in der Zwangsjacke) reden dann Dies & Das.

Der Niederländer Johan Simons hat das Un-Stück resp. Teile aus dem umfänglichen Typoskript ganz "einfach" so vom Blatt her lesen lassen. Das führt etwas zu Ermüdungen beim Hören - und zu sehen gibt es halt in den über zwei Stunden Spieldauer nicht viel.

Entlarvend wie schockierend, dennoch.
Andre Sokolowski - 17. Juni 2015
ID 8705
DAS SCHWEIGENDE MÄDCHEN (Deutsches Theater Berlin, 16.06.2015)
Regie: Johan Simons
Bühne: Muriel Gerstner
Kostüme: Klaus Bruns
Musik: Carl Oesterhelt
Musiker: Gertrud Schilde, Salewski und Sachiko Hara
Licht: Wolfgang Göbbel
Dramaturgie: Tobias Staab
Mit: Benny Claessens, Stefan Hunstein, Hans Kremer, Risto Kübar, Annette Paulmann, Wiebke Puls, Steven Scharf und Thomas Schmauser
Uraufführung an den Münchner Kammerspielen: 27. September 2014
Gastspiel der Münchner Kammerspiele
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Weitere Infos siehe auch: http://www.deutschestheater.de/


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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