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Autorentheatertage Berlin 2014

GASOLINE BILL (Münchner Kammerspiele)

Geseiere, gebetsmühlenhaftes



Bewertung:    



Der hessische Dramatiker und Inszenierer René Pollesch (52) kann und muss als eine Art von Marktführer auf deutschsprachigen Bühnen kategorisiert sein. Seine anhaltende Überetabliertheit hier wie dort - sei es als Stückeschreiber oder Regisseur - besetzt die Plätze für die potenziell vorhandende Kollegenschaft und birgt v.a. den "Verdacht" in sich, dass sich da wohl ein schreibender und machender Erfolgsmenschkünstler sozusagen eingerichtet haben könnte; anders ausgedrückt: Wo keine materielle Not (mehr) zu erleben ist, vermag vielleicht der Nichtnotleidende die Welt nicht (mehr) so "kritisch" anzusehen wie sie ist - - deswegen habe ich sein Oevre bis dahin, aus einem Bauchgefühl heraus, gemieden. Alles subjektiv dann, wie gesagt.

Die Neugier und der Zufall (rein terminlich) wollten es, dass ich nunmehr mein allererstes Pollesch-Stück erleben durfte. Es heißt Gasoline Bill, und hiermit waren gestern Abend Katja Bürkle, Benny Claessens, Sandra Hüller und Kristof Van Boven in der (Pollesch-)Inszenierung von den Münchner Kammerspielen in Berlin zu Gast:

Die Vier müssen, fast ohne Luft zu holen, seiern, seiern, seiern, was das Zeug herhält. Hut ab vor so viel Text-Behaltenheit! Und auch Souffleur Joachim Wörmsdorf, der von den Beteiligten auf ein paar Textstellen (regielich so gewollt) laut abgefragt wird, greift als Mitspielender kurz mal ein - am Schluss wird Poleschs Textbuch in einer von Ausstatter Bert Neumann konstruierten (halben) Haus-Gebetsmühle geworfen, dass es nur so Blätter regnet...

Das entnervende Gequatsche hört sich an, als wäre diese zwar konkrete aber doch dann austauschbare Personnage in einer Talkshow steckend, wo man - jeder dann für sich bzw. dialogisch mit dem jeweils Anderen verbunden - Riesenhaufen intelektuellen oder pseudointellektuellen Dünnschiss' aus sich drückt. Die Themenspanne reicht dabei von Domian (jenem von der TV-Telefonsprechstunde) über Greenpeace und Mitmenschentum bis zur Erlösung und/oder noch vieles, vieles mehr...

Ein kurzer Blick in das Programmheft gibt Erläuterungen dahingehend, dass es Polesch insbesondere um eine (für sein Stück brauchbare) Aufarbeitung von Themata des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek ["Übertragung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse Jacques Lacans in das Feld der Populärkultur und der Gesellschaftskritik" lt. Wikipedia] - ja und nur die Eingeweihtesten unter den anwesenden Zuschauern kennten vielleicht die Ansichten jener Kapazität - zu gehen schien; Zitat von Polesch: "Slavoj Žižek spricht von den 'lässigen coolen Kapitalistenschweinen', und er meint damit, glaube ich, Mark Zuckerberg, Bill Gates und Steve Jobs, die eben nicht so aussehen wie die begierigen Banker, denen man die Finanzkrise ankreidet. Trotzdem werden diese alten Feindbilder weiter getragen, besonders im Theater, wo man sich immer noch gegen die 'Gierigen' wendet. Eine herkömmliche Kritik muss immer eine Phantasie von Repression mit sich rumschleppen. Denn es gibt ja gar keine. Es gibt ja nur Erlösertypen wie Jobs." (Quelle: Programmheft Gasoline Bill, Münchner Kammerspiele)

Aha.

Egal wie viele Sprechblasen man halt so von sich quellen lässt - Hauptsache ist und bleibt, dass die hiermit Agierenden saugut über die Rampe kommen und das Publikum herzhaft zum Lachen bringen. Nur nichts allzu ernst nehmen; der Meinung bin ich übrigens dann auch!




Uraufführungsplakat Gasoline Bill von René Pollesch (C) Münchner Kammerspiele



Andre Sokolowski - 10. Juni 2014
ID 7898
GASOLINE BILL (Deutsches Theater, 09.06.2014)
Regie: René Pollesch
Bühne: Bert Neumann
Kostüme: Nina von Mechow
Dramaturgie: Tobias Staab
Mit: Katja Bürkle, Benny Claessens, Sandra Hüller und Kristof Van Boven
Gastspiel der Münchner Kammerspiele zu den AUTORENTHEATERTAGEN BERLIN 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.deutschestheater.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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