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Premierenkritik

Ein Königreich für

Manfred Zapatka



Bewertung:    



Manfred Zapatka ist König Lear - eine Traumrolle für den 84jährigen Ausnahmeschauspieler, der den Preis der „Resifreunde“ für sein Lebenswerk erhält.

Er ist kein grausamer König, sondern einer, der es gewohnt war, immer alles allein zu entscheiden und damit den Lauf der Zeit verpasst hat. Sein Erbe will er weitergeben, aber natürlich immer noch mitmischen. Wer würde sich hier nicht an jüngste Beispiele aus Familiendynastien erinnern. Die Weigerung, Macht abzugeben, weiterhin die Zügel in der Hand halten zu wollen und dazu noch eine gewisse Eitelkeit, das kommt einem sehr bekannt vor. Die Geschichte ist schnell erzählt: König Lear will sein Reich an seine drei Töchter verteilen und hat dabei vor allem seine Lieblingstochter Cordelia im Blick. Doch diese verweigert sich seiner Forderung nach grenzenloser Huldigung, sie liebt ihn einfach als Vater, und das ist ihm nicht genug. Cordelia wird enterbt und verstoßen.

Fast erscheint einem Manfred Zapatka als König Lear trotz seiner Rigorosität zu sympathisch – aber das kann auch an dem Blick von außen auf diesen großartigen Schauspieler liegen.

Auch in dem zweiten Handlungsstrang brillieren die Schauspieler. Graf von Gloster (Thomas Reisinger) wird von seinem unehelichen Sohn Edmund hintergangen, der will die Macht an sich reißen und bringt den Vater dazu, seinen anderen Sohn Edgar (Patrick Isermeyer) zu verstoßen.

Wie Vinzent zur Linden diesen bösartigen, skrupellosen Edmund anlegt, ist mitreißend. Er überzeugt nicht nur seinen Vater, sondern verdreht auch noch den beiden älteren Töchtern König Lears den Kopf. Goneril (Barbara Horvath) und Regan (Pia Händler) wollen nicht nur endlich herrschen, sondern mit Edmund auch noch ein bisschen Spaß haben.

Wie das ganze ausgeht, weiß man: Zum Schluss sind fast alle tot. Aber vorher schaut man dem Geschehen auf der Bühne fasziniert zu.

Dass Shakespeare auf der Bühne so leicht klingt, liegt sicher auch an der Neuübersetzung von Kiki Miru Miroslava Svolikova, die den Text damit sehr zugänglich macht.

Musik und Video sind inzwischen fester Bestandteil vieler Inszenierungen, und nicht immer erscheinen sie dringlich. Hier passt beides gut. Samuel Wootton, Moritz Stahl und Silvan Strauss entfachen einen wahren Sturm, wenn sich die Protagonisten hoch oben auf einem gewundenen Weg, über Steine und Gestrüpp, entlangwinden und -kämpfen müssen. Eine besonders Dynamik erzeugt die Bühne (konzipiert von Marlene Lockmann), als sich dort Intriganten, Herrscher, Diener und Familienangehörige aus Klappfenstern heraus bemerkbar machen und durch Klapptüren hereingewirbelt kommen. Die Kostümentwürfe von Sybille Wallum, mit bauschigen Ärmeln und üppigen Krägen an Shakespeares Zeiten erinnernd, werden gebrochen durch Radlerhosen und Anzügen. Eine genaue zeitliche Verortung gibt es in der Inszenierung nicht, genauso wenig wie insistierende Hinweise auf die Jetztzeit. Der Betrachter erkennt die Aktualität dennoch, die das vor 420 Jahren uraufgeführte Stück heute noch hat.



Manfred Zapatka (Mitte) als König Lear - am Residenztheater München | Foto (C) Birgit Hupfeld

Isabella Schmid - 11. Oktober 2026
ID 16089
KÖNIG LEAR (Residenztheater München, 10.10.2026)
Inszenierung: Elsa-Sophie Jach
Bühne: Marlene Lockemann
Kostüme: Sibylle Wallum
Komposition: Max Kühn
Musikalische Leitung: Samuel Wootton
Licht: Barbara Westernach
Video: Jonas Alsleben
Dramaturgie: Michael Billenkamp
Mit: Manfred Zapatka (als König Lear) sowie Barbara Horvath, Pia Händler, Elisabeth Nittka, Thomas Reisinger, Evelyne Gugolz, Vincent zur Linden, Patrick Isermeyer, Steffen Höld, Delschad Numan Khorschid und Dominikus Weileder als auch den Musikern Samuel Wootton, Moritz Stahl und Silvan Strauss
Premiere war am 10. Oktober 2026.
Weitere Termine: 12., 18.10./ 11., 19., 26.11.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.residenztheater.de


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