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nachDRUCK # 6

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Premierenkritik

Verurteilt,

aber nicht

beurteilt



Bildquelle: residenztheater.de

Bewertung:    



Wenn von der Erfolgsautorin Yasmina Reza (66) ein neues Stück zu sehen ist, sind die Erwartungen groß. Mit Der Gott des Gemetzels und James Brown trug Lockenwickler hat sie die Herzen des Publikums und der Kritik erobert.

„Die Rückseite des Lebens beschreibt die dunklen Seiten menschlicher Existenz. Yasmina Reza hat dazu jahrelang Schwur- und Strafgerichtsprozesse besucht und darüber in ihren Texten berichtet. Ohne zu urteilen, zu bewerten, aber mit den Fragen nach dem „Warum“. Regisseurin Nora Schlocker hat elf dieser Texte für die Bühne eingerichtet. Felix Klare, Juliane Köhler, Nicola Mastroberardino und Lea Ruckpaul schreiben Namen und Daten auf die karge Rückwand. Reza beobachtet emotionslos, aber eindringlich. Schicksale überforderter Menschen, die in ihrem Leid gnadenlos werden: Die Frau, die ihre beiden Töchter mit Insulin töten will, eine konnte gerettet werden, die andere starb qualvoll.

Kaum auszuhalten, wie eine andere Frau genau die Gezeiten recherchiert hat, um dann in der Nacht ihre kleine Tochter am Strand auszusetzten, damit sie die Flut wegreißt. Alles tatsächliche Geschehnisse, die Urteile erfährt man in der Regel nicht, nur die Abgründe eines beschädigten Lebens.

Reza beschreibt so emotionslos, dass einen gerade diese Beschreibungen nicht unberührt lassen. Die meisten Texte zeitlos.

Einmal wird sie parteiisch. Sie, die den früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy 2006 in seinem Wahlkampf beobachtet hat, kann nicht ernst nehmen, was ihm vorgeworfen wird. Sarkozy soll versucht haben von einem Juristen Ermittlungsergebnisse zu erhalten. Es ging dabei um den Verdacht, dass Sarkozys Wahlkampagne vom libyschen Diktator Gaddafi mitfinanziert wurde. Reza geht mit ihm sehr milde um, hält das Ganze wohl eher für absurd. Mittlerweile wurde Sarkozy wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilt.

Die Darstellenden lesen die Texte Rezas aus Leitzordnern vor. Das mag für eine gewisse Distanz sorgen. Aber auch die Originalzitate, in ein von der Decke hängendes Mikrophon gesprochen, werden abgelesen, blätternd und raschelnd aus den Leitzordnern. Dadurch geht Authentizität verloren.

Und auch die Frage, was macht man mit den anderen Schauspielern, während einer liest, konnte nicht befriedigend geklärt werden. An die Wand lehnen, an die Seite hocken, das wirkte alles noch wie in der Probephase. Und vielleicht lag es auch daran. Das Stück wurde kurzfristig in den Spielplan aufgenommen, kaum Zeit zum Proben also. Man hätte den großartigen Schauspielern und Schauspielerinnen mehr Probezeit und eine entschlossenere Regisseurin gewünscht.




Nicola Mastroberardino in Die Rückseite des Lebens am Residenztheater München
Foto © Adrienne Meister

Isabella Schmid - 11. Januar 2026
ID 15644
DIE RÜCKSEITE DES LEBENS (Residenztheater München, 09.01.2026 )
von Yasmina Reza

Szenische Einrichtung: Nora Schlocker
Szenenbild: Lisa Käppler
Musik: Hans Könnecke
Licht: Markus Schadel
Dramaturgie: Katrin Michaels
Mit: Felix Klare Juliane Köhler Nicola Mastroberardino und Lea Ruckpaul
Premiere war am 9. Januar 2026.
Weitere Termine: 19.01./ 03., 11.02.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.residenztheater.de


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