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VA Wölfl/NEUER TANZ
TANZ IM AUGUST


Orchestre Francais de Jeunes
YOUNG EURO CLASSIC



VA Wölfl gastierte mit der Düsseldorfer Tanzcompany NEUER TANZ beim diesjährigen Tanz-im-August im Hause der Berliner Festspiele - Foto (C) VA Wölfl


Sonntagabend ging mit einem fulminanten Gastauftritt (Orchestre Francais de Jeunes, Dirigent: Dennis Russell Davies) im Berliner Konzerthaus die diesjährige Saison "young.euro.classic" zu Ende.

Am Samstag davor eröffneten VA Wölfl/NEUER TANZ im Haus der Berliner Festspiele die diesjährige Saison "Tanz im August".

Beide Einzelerleben hatten - dem gefühlten Nachsinnen des Schreibenden zufolge - einen unerwartet imposanten Klammerausdruck: Krieg.

* *

Den Hauptprogrammpunkt im Konzert des nationalen Jugendorchesters aus Frankreich bildete die Achte Sinfonie von Schostakowitsch; sie ist eine der drei sog. Kriegssinfonien, und sie stellt mit ihrem bleiig düsteren und allem Anschein nach so völlig unauflöslich herkommenden Wundcharakter ihre viel viel populärer herkommende Jungschwester (die sog. "Leningrader Sinfonie") in argen Schatten. Ja, es darf als eine echte Sensation bezeichnet sein, dass ausgerechnet dann ein jugendlicher Klangkörper - so an die hundert Leute, die vor motiviertem und nicht minder exzellentem Musizieren einen Charme ins Saalzentrum versprühten, dass es einem so schon und an sich vor Freudentränen impulsieren ließ - sich dieses kompliziert-kompakten Schlüsselwerks im Schaffen Schostakowitschs annahm; kaum entsinnt man sich, die Achte je von einem Erwachsenen-Orchester gespielt bekommen zu haben, zu sperrig und zu fremd nimmt sie sich aus, als dass sich Dirigenten freiwillig und gern zu ihr bekennen würden. Und es war dann schon nach diesem über einstündigen Werk zu spüren, welche Leidenschaft und Kraft auf sie durch Dennis Russell Davies ausgeübt sein musste, um ihr diese Wirkung abzutrotzen... und es dauerte Minuten, bis sich nach dem sphärischen Verklingen ihres Endlosschlusses dann die ersten Händchen zum Applaus ermutigt sahen. Unvergesslich!


Der spektakuläre Gerippe-Vorhang des Künstlers VA Wölfl für die von ihm und seiner Truppe NEUER TANZ entwickelte Performance mit dem Titel: 12/... im linken Rückspiegel auf dem Parkplatz von Woolworth - Foto (C) VA Wölfl


Krieg wäre, lt. beibeschriebenen Erklärungen zu 12 / ... IM LINKEN RÜCKSPIEGEL AUF DEM PARKPLATZ VON WOOLWORTH, das Rand- oder das Über- oder halt das Hauptthema jener Performance mit dem umständlichen (vorstehenden) Titel; wobei "12" der Titel des Romans von Nick McDonell, eines siebzehnjährigen Hosenscheißers, der als amerikanischer Jungautor im Presse-Beitext angegeben wurde, ist...

Was macht der Künstler VA Wölfl - er bewohnt im Übrigen mit seiner Truppe NEUER TANZ beförderlicherseits den Marstall auf Schloss Benrath, Nähe Düsseldorf - mit dieser selbst gewählten Vorlage:

Er baute einen Vorhang aus zig ineinander greifenden Gerippen. Dieser Vorhang wird im Zug der eineinhalbstündigen Darbietung von rechts nach links vor das vollführte "Hintergrund-Geschehen", und in Zeitlupe, entlang gezogen; und der Zuschauer sieht sich dann also permanent und permanenter mit dem Thema Tod & Leben konfrontiert. / Hinter dem Vorhang spielt sich das hier ab:
Drei Frauen und fünf Männer - alles exzellente Multikünstler: musizierend, schauspielernd und tanzend - sind bemüht, uns einen "insgesamten" Eindruck unseres verkommenen Gesellschaftswesens als Zusammenschluss von Einzelindividuen der sog. Spaßgesellschaft zu vermitteln. Das gelingt insofern, und als Beispiel nur, sehr gut, dass man gleich zu Beginn jener als Geiz-ist-geil-Schlampe eines sehr blau-berüchtigten Discounters kostümierten jungen Dame aggressiv gewärtig wird... Man jault und kreischt am Keyboard, lässt auf Englisch ein paar lustig anmutende Sprüche ab, streut hin und wieder solche Losungsworte wie "Irak, Irak" oder "Afghanisthan" und ähnliche dann ein und wartet, was passiert...

Natürlich nichts oder so gut wie nichts.

Einmal nur - wie ein Schock - traut man den Ohren nicht: Ein Helikopter scheint ins Auditorium zu landen, der Propellerlärm tut weh; aber es könnte ja auch nur (von wegen Krieg) ein gelber Hilfsengel vom ADAC gewesen sein, man weiß es einfach nicht.


Andre Sokolowski - 18. August 2008
ID 3955


VA Wölfl / NEUER TANZ:
12 / ... im linken Rückspiegel auf dem Parkplatz von Woolworth

Chor(e)ografie: VA Wölfl
Mit: Izaskun Abrego Olano, Armin Biermann, Alfonso Bordi, Jana Griess, Nicholas Mansfield, Senem Gökce Ogultekin, Dr. Guido Orgs, Edgar Sandoval Díaz u. a. Gastspiel am 16. 8. 2008 bei "Tanz im August" im Haus der Berliner Festspiele
http://www.neuertanz.com


Orchestre Francais des Jeunes (Dennis Russell Davies):
Bernstein, OUVERTÜRE ZU "CANDIDE"
Messiaen, CHRONOCHROMIE
Schostakowitsch, SYMPHONIE NR. 8 C-MOLL OP. 65
Gastkonzert am 17. 8. 2008 bei "young.euro.clasic" im Konzerthaus Berlin
http://www.ofj.fr




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