13. Oktober 2007, Deutsches Theater Berlin / Kammerspiele
ÜBER TIERE
von Elfriede Jelinek
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ÜBER TIERE titelte Elfriede Jelinek ihr Stück, das seit dem Mai als deutsche Erstaufführung an den Kammerspielen des DT zu sehen ist. Der Rezensent hat leider leider erst zu diesem Zeitpunkt (10/07) Wind von ihm bekommen, und so trabte er dann auch - die Jelinek zählt neben Jahnn zu seinen Favoritautoren - dem Ereignis ein paar Wochen hinterher.
Vom guten Stemann stammt die Inszenierung; und er gilt (sogar von Jelinek als solcher auserkoren und erwünscht) als ein profunder Kenner, Deuter und Bewerkstelliger Jelinek'scher Texte. Es war, so gesehen, nicht gerade unleichtsinnig, sich der Stücke-Sicht des Regisseurs anheimzustellen, wenn der O-Text halt nicht vorliegt - - denn normaler Weise lese ich die Texte vorher; weil es sich jedoch in diesem Fall um einen reinsten-reinlichen Spontanentschluss in dieses Stück zu gehen handelte, war überhaupt nicht keine Möglichkeit und Muse vorher an ihn ranzukommen; also:
Stemanns Inszenierung sehen, Jelinek'sche Sätze hören ...
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ÜBER TIERE steht zwar drüber - aber über Liebe wird gedeutet:
Quintessenz des Ganzen - denn bei Jelinek geht es ja immer wohl und immer gleich gottlob um diesen einen Themenkreis der zwischenmenschlichen Geschlechter(kriegs)beziehung - dürfte eineindeutig, und nach meiner sehr genauen "Hörart", sein: Die Liebe ist Chemie. Das heißt:: Dass einzig und allein dasjenige was zwischen mindestens (und höchstens) ein, zwei Körper(n) vor sich geht, als "Liebe" zu begreifen oder gar zu definieren ist; das Unerklärliche an sich. Dieses Getriebenwerden und Getriebensein aus einem unfasslichen "Tiermoment" heraus. Das Animalisch-Ungeistvolle, dieses Hirnlos-Muskulöse in den auseinanderdehnbaren Geschlechtsorganen... wo man überhaupt nichts anders machen kann als festzustellen, dass es einem (lendenmäßig) drangsaliert; dass es gar herzzerkrampfungsschädigende Nebenwirkungen erreichen tut - falls es den einen von den zwei Geschlechtsbetroffenen dann je erreichen tut; den Einen sicherlich - - aber den Andern??
So, oder so ungefähr, bekommen wir im Textlichen einen erhöht-erhöhenden Begriff vom allerschönsten Schlachtwort Liebe.
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Ist's verstanden? nein??
Auch scheißegal.
Der Eine hat's, der Andere halt nicht.
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Sechs schauspielernde Koryphäen des DT (4 Frauen und 2 Männer; Namen siehe unten) zelebrieren intelektuell, spontan und über alle Maßen witzig diesen herrlich neuen Splittertext der Jelinek. Man kriegt zwar überhaupt nicht keine Antwort auf die eigentliche Frage aller Fragen "Was ist Liebe?", aber man verlässt die Vorstellung mit einer derart guten Laune, dass es so und so schon wieder unanständig zu benennen ist.
Ja, reingeh'n! mitzudeuteln anversuchen!! unbedingt!!
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Andre Sokolowski - red / 13. Oktober 2007 ID 00000003480
Elfriede Jelinek: ÜBER TIERE
Regie und Bühne: Nicolas Stemann
Kostüme: Marysol del Castillo
Darsteller: Margit Bendokat, Nora von Waldstätten, Almut Zilcher, Regine Zimmermann, Ingo Hülsmann und Sebastian Rudolph
Deutsche Erstaufführung am 20. Mai 2007 in den Kammerspielen des DT
Nächste Aufführungen am 7. und 15. November 2007
Weitere Infos siehe auch: http://www.deutschestheater.de
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