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Feuilleton


22. Mai 2008, Premiere an der Volksbühne Berlin

UBUKOENIG am Rosa-Luxemburg-Platz



Wolfram Koch und Samuel Finzi sind die hier als Silhouetten abgebildeten zwei Hauptgestalten in dem UBUKOENIG der Berliner Volksbühne - Foto (C) www.volksbuehne-berlin.de

Farré's Bearbeitung von Jarry durch den Gotscheff (eingeleitet mittels Müller's HERZSTÜCK)

"Diktatoren und Potentaten, Killer und Spinner, Macker und Mieslinge, Gangster und Monster, vor allem aber all die braven Biedermänner und –frauen ohne Zahl, die all das so elend gern wäre, aber leider nicht sind – sie alle haben im Theater einen Schutzgott, eigentlich sogar heilige Geister, Voodoo-Männchen und Voodoo-Frauchen: Vater Ubu, und Mutter Ubu dazu. In sie kann Familie Spießer alle Sehnsüchte nach der finstren Seite der Welt und nach den Abgründen im eigenen Selbst hinein projizieren – seit dem 10. Dezember 1896, als „König Ubu“, das Stück des 23jährigen Autors Alfred Jarry, in Paris uraufgeführt wurde. Der Skandal war beträchtlich; ziemlich lange konnte sich das Publikum nicht beruhigen, nachdem der allererste Ubu-Darsteller Firmin Gémier das erste und schönste von Ubus Code(!)- und Zauberworten in den Saal gerufen hatte: „Merdre!“ Und leicht zu erkennen war auch Jarrys fiktives Königreich Polen, in dem sich Ubu vom Dragonerhauptmann zum König empor putscht auf Initiative seiner Gattin, dieser wiedergeborenen Lady Macbeth – als Jedermann- und Überall-Land. Dort spielt der schaurig-schlimme Schlawiner Ubu jeden gegen jeden aus, hält dabei aber immer das Volk bei Jubellaune: indem er es mit Geld zuscheißt und so die „Pfuinanzen“ endgültig zerrüttet. Mancher zugrunde gehende Staat wird sich demnächst noch wieder erkennen in Vater Ubus Polen."

So stehts als einleitender Text zu UBUKOENIG auf der hausinternen Homepage.

Das Projekt vom UBUKOENIG nennt sich offiziell und umständlicher Weise: "Fassung der Volksbühne nach einer Bearbeitung von Maurici Farré von Alfred Jarrys KÖNIG UBU in einer Inszenierung von Dimiter Gotscheff".

Alles okay?

Gotscheff suchte, angeblich, neuen Grund für diese grelle Farce - fand ihn aber nicht.

Allein die Bühne Katrin Bracks mit ihren Hunderten von großen, mittleren und kleinen Luftballons: genial erdacht und putzig umgesetzt!!

Das achtköpfige Darstellerensemble, sozusagen angeführt vom derzeitigen Lieblingsduo Gotscheffs in Gestalt der Herren Wolfram Koch & Samuel Finzi: exzellent im Einzel- wie im Gruppenspiel!!!!

Man fängt mit Heiner Müllers HERZSTÜCK an.

Zwischen den amputierten Jarry-Texten ellenlange und im Sprachlichen sehr artifizielle (und das Jarry-Stück an sich aushebelnde) Kunstmonologe; ich vermute, dass sie vom Bearbeiter dann sind - kann mich jedoch auch irren; bitte jetzt schon um Vergebung, wenn's mich insgesamt dann missverstand, aber man kann nicht alles richtig deuten...

Fragte mich besorgt, bereits nach einer Viertelstunde, was ich eigentlich in dieser Aufführung dann sollte? Lustig stimmte sie mich nicht. (Vor mehr als 15 Jahren hab ich mal in Leipzig einen KÖNIG UBU in der Neuen Szene sehen können; und ich hatte mich da krumm und schief gelacht; ich weiß nicht mehr warum.)

Absurde Stücke brauchen keinen Sinn und keine Sinngebung; deswegen sind sie halt absurd.

Absurde Stücke aufzuführen allerdings - in einer Zeit, welche das insgesamte "Klarkommen" mit ihr, und auch aufgrund des absoluten Fehlens einer (kollektiven) "höheren" Idee, total erschwert - sollte dann schon in irgendeiner nachvollziehbar schönen und gewieften Art und Weise als begründet zu erkennen sein.

Sehr mittellautes Gähnen.


UBUKOENIG an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Mit: Stephan Baumecker, Frank Büttner, Samuel Finzi, Michael Klobe, Wolfram Koch, Sebastian König, Nele Rosetz und Axel Wandtke

Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Ellen Hofmann
Musik: Sir Henry
Licht: Torsten König
Dramaturgie: Maurici Farré

Premiere war am 22. Ma 2008

Nächste Vorstellungen: 24., 28. 5., 5., 21. 6. und 9. 7. 2008


Andre Sokolowski - red. / 22. Mai 2008 http://www.andre-sokolowski.de
ID 3845

Weitere Infos siehe auch: http://www.volksbuehne-berlin.de





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