19. November 2006, Wiederaufnahme an der Deutschen Staatsoper Berlin
TRISTAN UND ISOLDE
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| Zu einem unvergesslichen Dualtriumph gestaltete sich letzten Sonntag an der Deutschen Staatsoper Berlin der wiederaufgenommne TRISTAN (Inszenierung Stefan Bachmann / Bühne Herzog & de Meuron). Bei den diesjährigen "Festtagen" herausgekommen, stand er bisher dreimal, eben bei den diesjährigen "Festtagen", ausschließlich für die gut betuchten Schau- und Zeigelustigen auf dem Programm. Nun war zu hoffen, dass dann dieses Wochenende, hinsichtlich der annehmbaren Fußvolkpreise, eine leichthin andre Klientel im Hause zu besichtigen gewesen wäre. Irrtum! Diese Knobelsdorffischen Gemäuer ziehen die Vertreter einer merkwürdiger Weise immer wieder auch im Wagner'schen Erlebniszwang zwischen den Tatorten hin-/herjettenden Schickeria magisch an. Das hat dann freilich auch mit Daniel Barenboim und seiner Staatskapelle voll zu tun. Und wenn dann noch - wie aktuell geschehen - Waltraud Meier als ISOLDE angekündigt ist, hat man die implizite rechnerische Garantie: Das Haus wird voll!!
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| Warum der Chef sie nicht bereits schon bei den "Festtagen" inthronisieren tat, kann nur mit einer Unvereinbarkeit beider Terminkalender nachträglich begründet sein, denn: Meier war und ist (und bleibt es auch gewiss noch eine Weile lang) DIE Barenboim-Isolde!! Führte jemals je ein Weg an ihr & ihm vorbei? Mit ihr hat er in Bayreuth jene glückhaft-intelektuelle Heiner-Müller-Inszenierung ausstaffiert; sie war dann auch bei ihm, hier an der Staatsoper vor ein paar Jahren erst, die blaufarbige Vorzeige-Isolde in der venushügeligen Harry-Kupfer-Produktion; jetzt endlich hat er sie dann wieder aus der Schatztruhe - nach grausam langer Zeit des schöpferischen Nichtzusammenseins eines theater- wie musikgeschichtlich beispiellosen Kreativpaares - geholt.
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Meier singt so gut und schön wie nie zuvor!!!!! Sie hat jetzt, außer ihren whiskyrauchig tiefen Lagen, auch die überheiklen Spitzentöne der Isolde voll im Griff. Man sitzt und hört und sieht (sie ist ja auch, das kommt "erschwerend" nach wie vor hinzu, die Schönste unter ihren Konkurrentinnen) und friert in einem fort; dieses Ergriffensein durch sie ist fast schon unerträglich.
Ja, auch Barenboim wächst über sich hinaus. Vollbläsiger - egal auch, dass das Englischhorn im Dritten Aufzug kapitalst daneben ging - und dickgeigiger kann und wird man TRISTAN UND ISOLDE nimmer spielen. Wenn er übernächste Weihnachten, wie angekündigt, an der Scala neu und wieder TRISTAN UND ISOLDE machen wird: Wo soll das mit ihm hinführen? Die Hörer in Milano werden irre werden.
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Der Schein trügt: Denn der Bühnenraum im Hintergrund wird nur durch Abdrücke auf eine bis zum Bersten angespannte Tuchplane erzeugt. So dachten es sich Basels Architekten Herzog & de Meuron, als sie für die Deutsche Staatsoper Berlin die Ausstattung zu TRISTAN UND ISOLDE lieferten... Tatsächlich riss die Plane allerdings beim Wiedereinsatz (Wiederaufnahme von TRISTAN UND ISOLDE am 19. November 2006) gänzlich entzwei. Nichts desto Trotz war es ein unvergleichlich spannendes Gesamtereignis. Waltraud Meier übrigens, die Neubesetzung dieser weltallhaften Produktion, ist hier auf diesem Szenenfoto (welches ihre Vorgängerin Katarina Dalayman abbildet) nicht zu sehen - Foto (C) Monika Rittershaus
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(Dass die Riesenplane aus der höchstwahrscheinlich doch etwas zu kompliziert zu handhabenden Bühnen-Druckkammer des Architektenpaares Herzog & de Meuron innerhalb des Zweiten Aufzugs riss, sei nur am Rand erwähnt. Man wusste sich, auch ohne sie, bishin zum Liebestod zu helfen: Vor 'nem weißen Zwischenvorhang und auf einer weißen Bahre war die spärliche Personenführung Bachmanns als das Hochgenial erkennbar, was man so - unter der faszinierenden Betrachtung des durch ledigliche "körperliche Abdrücke" erzeugten Bühnenraumes in den Handlungen zuvor - so nicht im Ganzen wohl begriffen haben würde...)
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Andre Sokolowski - red 20. November 2006 ID 2802
Richard Wagner: TRISTAN UND ISOLDE
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Stefan Bachmann
Bühne: Herzog & de Meuron
Kostüme: Annabelle Fuchs
Besetzung: Clifton Forbis (Tristan), Kwangchul Youn (König Marke), Waltraud Meier (Isolde), Gerd Grochowski (Kurwenal), Reiner Goldberg (Melot), Rosemarie Lang (Brangäne), Florian Hoffmann (Ein Hirt / Stimme eines jungen Seemanns), Arttu Kataja (Ein Steuermann), Dominik Stein (Tristan II)
Wiederaufnahme am 19. November 2006
Nächste Vorstellungen: 25. / 29. 11. sowie 3. 12. 2006
Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de
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