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7. Dezember 2007, Haus der Berliner Festspiele

TO BE STRAIGHT WITH YOU

Uraufführung des DV8 Physical Theatre bei "spielzeit europa"


Aus der Fotomappe vom DV8 Physical Theatre, das mit TO BE STRAIGHT WITH YOU in Koproduktion mit den Berliner Festspielen seine neue Uraufführung bewerkstelligte - Foto (C) Lisa Ffrench



Herrenrassiges

Aus künstlerischen Gründen, wie es an der Eingangstür des Hauses der Berliner Festspiele zu lesen stand, würde auf eine deutsche Übertitelung des Stücks TO BE STRAIGHT WITH YOU verzichtet werden (müssen) - anders wäre diese Uraufführung, wie es im Programmheft nachzulesen steht, wohl nicht zustande gekommen; das war die Bedingung:
Lloyd Newson - Gründer und Leiter des britischen DV8 Physical Theatre - hatte ein Projekt zum Thema Homosexualität akribisch vorbereitet / vorbereiten lassen. 85 Menschen - teils "Betroffene", teils Unbeteiligte, im Ganzen aber sich mit diesem Thema intellektuell Beschäftigende - wurden von Anshu Rastogi interviewt. Die Fragen zielten auf die Sexualität der Interviewpartner bzw. auf die "sexuellen Haltungen" derjenigen zu sich und ihrer tolerierten oder abgelehnten (sexuellen) Umwelt. Sehr viel Material. Und Stoff, der nach der Schrift und freilich auch der Sprache - Interviews halt! - schreit.
Idee war nun, das szenisch umzusetzen.

Doch wie kriegte man das Alles mit den 9 sympathischen und so vorzüglich schauspielernden, tanzenden Akteuren in die Reihe?

Nacheinander, miteinander.

Manche Interviewpassagen kamen 1:1 vom Band herüber, andere wurden durch stimmliche Veränderungen, Wiederholungen und Auslassungen zweckdienlicher Weise variiert. Und Vieles, und das meiste aus dem ganzen Material, wurde so von den Darstellern mit eigener Verlautbarung zu uns gereicht.
Bewegt, getanzt.

In Englisch (ohne Übertitelungen).

Also wer nicht mehr als schlechtes Schulenglisch an diesem der drei Abende beherrschte, hatte wohl die größte aller Arschkarten für sich gezogen; Pech gehabt. Da sage mal noch einer, dass die Herrenrasse (mit der heutzutage wirtschaftlich und börslich festgelegten Herrenrassenersteweltsprache!) ihr'n Monopoldrang aufgegeben hätte...
Und so sollte / müsste sicher anzunehmen sein, dass dieses zwielichtige Unterfangen (Uraufführung von TO BE STRAIGHT WITH YOU) ein Appell gegen die Antihomosexuellen wäre; kläglich angedacht und ziemlich weit gefehlt:

((Hans Mayer hatte in den AUSSENSEITERN drei Gruppierungen benannt, die weltgeschichtlich, und v. a. "kulturell geseh'n", jeweils zum Abschuss frei gegeben worden waren: Frauen, Juden, Schwule.))

Ja, ein höchst "Betroffener" aus dieser Gruppe, der hinzu kein Englisch kann, fühlte sich merkwürdiger Weise überhaupt nicht angesprochen und geschweige denn berührt. Wie das nur kam?


Andre Sokolowski - red / 8. Dezember 2007
ID 3597
www.andre-sokolowski.de



DV8 Physical Theatre: "TO BE STRAIGHT WITH YOU" (Uraufführung)


Mit: Ankur Bahl, Dan Canham, Seke Chimutengwende, Ermira Goro, Hannes Langolf, Coral Messam, Paradigmz Rafael Pardillo, Tanya Richam-Odoi und Ira Mandela Siobhan

Kreation und Regie: Lloyd Newson

Bühnenbild: Uri Omi

Interviews: Anshu Rastogi

Choreografie: Lloyd Newson zusammen mit den Darstellern

Uraufführung am 6. Dezember 2007 im Haus der Berliner Festspiele

Koproduktion von spielzeit'europa / Berliner Festspiele und National Theatre, London

Weitere Infos unter http://www.spielzeiteuropa.de

Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinerfestspiele.de





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