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Feuilleton


8. März 2007, Theaterkapelle Berlin

THALATTA! THALATTA!

warum bin ich nicht am ersten Tag nach Hause gegangen

Regie: Christina Emig-Könning

Guckt etwas traurig, ist jedoch ein Spaßmacher: Kays Elbeyli... der mit dem Mund und mit der Zunge wahre Wunderstücke kann... ein Schlagzeug imitieren, beispielsweise, und viel mehr noch - Foto (C) www.scheinundwirklichkeit.de



Wen habt ihr lieber, Mama oder Papa?

Michael, Romina, Sophie, Kays, Mayuran, Liza, Corinna, Julia, Christoph, Laura, Peter, Linda: angehende Schauspielstars im jugendlichen Fach - und einer schöner, geiler als der andere. Sehr animalisch ist daher mein Drang sie alle (alle!) hören, sehen und mit ihnen singend, tanzend rumtollen zu wollen! Wie beneidete ich auch "Regiefee" Emig-Könning, der das sinnlich ausufernde Privileg einer (natürlich ihrer!!) Handhabung des Materiales Schauspieler & Mensch hinzugeteilt gewesen war, und die das freilich auch in der für sie unübertrefflich typischen Artistik wieder einmal tat - - Tatort ist die Theaterkapelle Berlin.


Probefoto zum Pilotprojekt von THALATTA! THALATTA! - Foto (C) www.scheinundwirklichkeit.de


12 Jugendliche also, die das Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg für'n Pilotprojekt unter dem Titel "THALATTA! THALATTA! WARUM BIN ICH NICHT AM ERSTEN TAG NACH HAUSE GEGANGEN" zielbewusst zusammenlas. Projektverantwortlicher ist Hans-Carsten Qweitzsch, der sich dann auch als "Urheber" dieser Veranstaltung auf das Programmblatt drucken ließ. Was ja nichts anders heißen kann, dass er für'n Inhalt, für die dargebrachten Texte insgesamt als Hutträger bzw. -aufbehalter zu benennen ist; in seinen hippig einführenden Worten wollte er dann auch nicht müde sein, strikt darauf hinzuweisen, dass es allein seine (Ur-)Idee gewesen wäre, die das ehrgeizige Unterfangen möglich machte; hab' ich so verstanden, und so nehme ich den "Urheber" beim Wort - - und frage höflichst nach dem (Nicht-)Vorhandensein der stofflich-geistigen Substanz; ein hausaufsatzig untermischeltes Kompendium autobiografischer Gegebenheiten dieser hieran "unschuldig" Beteiligten sollt' es ja letztlich nicht gewesen sein oder?
4 Stunden (!!!!) dauert das Spektakel. Es geht zart und lyrisch los: Kays Elbeyli - er ist der quirilige Hauptstar unsrer Chose - nähert sich sehr zitternd seiner Angebeteten auf einer Bank. Die wird von Linda Stelzner zickbeinig gespielt. Es ist ihr gar nicht klar, wie sehr ihr Loverly am eigenen Persönlichkeitsdilemma leidet. Er kriegt auch kein rechtes Wort aus sich heraus, er stammelt irgendwelche Laute, er scheint wirklich arg verstört, ein echter Psychokandidat. Hierzu das leise Säuseln einer Spieluhr. Alle andern Mitakteure längst im Raum. Jeder hat einen weißen Erdkreis um sich rum gekreidet. Plötzlich fangen alle an zu urinieren. Sind das kollektivste Folgen einer kollektiven Angst? Und einzeln und zusammen plappern sie diverse Formeln, Floskeln aus dem Schulkleinsthorizont. Bis alles merkwürdiger Weise kippt, und die Gewalt gebärdet sich; man ahnt warum oder woher: Liebesverweigerung, Liebesentzug.
Das ist die "Lösung", mit der Emig-Könning auch was anzufangen weiß. Hieraus erschöpft sie ihre Bildideen. Diese schlüssigste der Grunderklärungen - niemals und nicht geliebt zu werden hieße Andere aus Rache dafür hassen - ließ sie scheinbar überhaupt dann erst mit dem Projektfall schwanger sein; die krassesten und einprägsamsten optisch-choreografischen Momente sind ihr da, wie zu erwarten war, gelungen; auch experimentisiert sie nicht das allererste Mal mit Blut, Sekreten oder Erdschlamm.

Doch wie baut sich, über das Gesehene hinaus, 'ne inhaltliche Spannung auf? Wie hält man so ein Spielen in 4 Stunden (!!!!) durch?? Es wird ja pausenlos geschwätzt, gewispert und geschrieen. Sieben Namen kriegen eine Rolle, und nicht einer dieser sieben Namen lässt sich mit den Jugendlichen in Verbindung bringen. Aufgefetzte Geisterszenen, fremde Körperzugehörigkeiten. Und, was noch viel schlimmer ist, das was man hört, vergisst man wie von selbst. Null Plot da.
((Simon Rattle - töricht der Vergleich, ich weiß, aber ich wag ihn trotzdem - macht ja ähnliche Projekte, auch mit lauter Laien. Aber Simon Rattle legt den Ausführenden je ein repertoiregängiges Werk zugrunde, ob Strawinskys SACRE oder Orffs CARMINA; und die Mitwirkenden setzen das dann halt auf ihre Art und Weise unbekümmert um - als Beispiel nur.))

Ihr horchtet zwar einer Idee, aber es fehlte euch an einem Stück. Papa hat Pah! gesagt - und Mama sollte's retten. Ging halt nicht.

Tosender Jubel für die Youngstars.


Andre Sokolowski - red / 8. März 2007
ID 00000003052
www.andre-sokolowski.de


THALATTA! THALATTA!
warum bin ich nicht am ersten Tag nach Hause gegangen


Idee, Projektleitung: Hans-Carsten Qweitzsch, Sabine Schröpel

Es spielen Michael Adomat, Romina Denk, Sophie Decker, Kays Elbeyli, Mayuran Gnanasegaram, Liza Jakob, Corinna Lutze, Julia Primavera, Christoph Scharf, Laura Schwickerath, Peter Senkel und Linda Stelzner.

Regie: Christina Emig-Könning

Premiere in der Theaterkapelle Berlin am 8. März 2007

Nächste Vorstellungen am 9. und 10. 3. 2007

Weitere Infos siehe auch: http://www.theraterkapelle-berlin.de





 
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