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Artheater Köln, 9. Januar 2009

„Szenar für einen nicht existierenden, jedoch möglichen Instrumentalschauspieler“

von Boguslaw Schaeffer


Was mag den Zuschauer wohl bei einem Theaterabend mit dem komplizierten Titel „Szenar für einen existierenden, jedoch möglichen Instrumentalschauspieler“ erwarten – außer den 39 Requisiten, die der Stückuntertitel verheißt? Wenig theatral geht es zunächst einmal los: Da steht der Schauspieler Andre Erlen im Anzug und hält einen Vortrag über „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, ein paar Notizblätter in seiner Hand.

Erlen hält diesen Vortrag sehr ernsthaft, lässt sich dann aber immer wieder ablenken. Er stolpert über Requisiten und entdeckt die Möglichkeit, ihnen Töne zu entlocken. Er kämpft mit einer Leiter und referiert dabei über die Möglichkeiten des zeitgenössischen Künstlers. Furorartig legt er zwischendurch die Notizen beiseite und hantiert mit den Requisiten, lässt Tischtennisbälle springen, schleudert nasse Lappen auf den Boden, zupft an straff gespannten Angelschnüren, bis sie zerreißen. Um dann etwas derangiert und leicht desorientiert mit seinem Vortrag fortzufahren.

Als „Musik für Schauspieler“ hat der polnische Komponist Boguslaw Schaeffer sein Werk bezeichnet, das für den Schauspieler Jan Peszek geschrieben wurde, von dem wiederum Erlen es gewissermaßen geerbt hat. Was sich im Verlauf des knapp einstündigen Abends entspinnt, ist eine Fülle von intellektuellem Material und Textschwere, die Erlens Aktionen wunderbar und virtuos konterkarieren. So spricht er über Erhabenheit und matscht zugleich in einem Teig herum. Sein Ton wird aggressiver, je weniger handhabbar die Materie wird, mit der er umgeht, je eindringlicher er die Bedeutung und Tragweite dessen vermitteln will, was er sagen möchte. Das ist ungeheuer komisch und Erlen scheut sich nicht, den Schauspieler – also sich selbst - der Lächerlichkeit preiszugeben. Nur gelegentlich löst sich dabei der Fokus von Erlens Person. Einmal etwa beobachtet er einen Kumpel beim Pinkeln. Natürlich ist dieser nicht auf der Bühne, sondern eine umgekippte Wasserflasche, aus der beständig Wasser in einen Eimer läuft, dient als Adressat.

An einer Längsseite des Raumes sitzen in zwei Reihen die Zuschauer, vor ihnen ein karger Bühnenraum mit Requisiten und minimalem Bühnenbild: Hier eine Leiter, dort ein Tisch, da ein kleiner Haufen mit Eimern und anderem. Im Laufe des Abends geht Erlen verschiedene Stationen ab, die durch Licht geschaffen werden. Am Ende landet er beim Cello, das links außen an der Peripherie des Raumes steht, von ihm aber ins Zentrum gerückt wird. Mit diesem Instrument entspannt sich eine wunderbare Szene: Erlen will es spielen, aber mal klebt ihm der Knauf des Cellos am Ohr fest, mal am Auge. Das ist einfach großartig gespielt.

Das „Szenar“ ist ein ungewöhnlicher, außerordentlich anregender Abend. Sehr einfallsreich und sehr sinnlich, obwohl er natürlich auch recht textlastig ist – dabei aber ausgesprochen komisch.



„Szenar für einen nicht existierenden, jedoch möglichen Instrumentalschauspieler“ von Boguslaw Schaeffer, ein theatraler Essay für einen Schauspieler und 39 Requisiten
Regie: Jan Peszek
Mit: Andre Erlen


Karoline Bendig - red. / 20. Februar 2009
ID 4209

Weitere Infos siehe auch: http://public.freihandelszone.org/index.php?title=Spielplan#Futur3Szenar





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