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Richard-Strauss-Wochen an der DOB: Salome | Ariadne auf Naxos

Divenfeste


Wenn ein Opernhaus der A-Klasse von sich aus STRAUSS-WOCHEN veranstaltet, kann so ein Unterfangen wohl nur ausstattbar und also möglich sein, wenn die Voraussetzungen hierfür stimmen. Richard Strauss, der große und politisch ziemlich zwielichtige Kulinar zwischen zwei Weltkriegen, hatte sein langes Leben lang extrem und gern für Frauen komponiert. Es gibt kein Werk von ihm (Guntram vergessen wir jetzt mal), in dem nicht eine Frau oder auch mehrere die allerersten Flötentöne zwitschern. Oft bis hin zum Unsingbaren, derart schwer und schwierig sind die Parts von ihrem Herrn gesetzt. Und wenn du da nicht wirklich absolut die absoluten Assolutas hättest, bräuchtest du erst gar nicht anzufangen, übers Machbarmachen einer Strauss-Oper zu spintisieren... Langer Rede kurzer Sinn: Die Deutsche Oper Berlin hat einen Goldkehlpool, woraus sie immer wieder unerbittlich schöpft; und daher kann sie es sich leisten, die Ägyptische Helena, die Elektra, "den" Rosenkavalier, die Salome sowie Ariadne auf Naxos nacheinander goldigst zu besetzen...

Manuela Uhl (als Salome) und Hanna Schwarz (Herodias) zum Beispiel: Gut vor einer Woche sahen/hörten wir sie in der fulminanten Achim Freyer-Inszenierung; diese Produktion muss als die derzeit beste Salome-Regie weltweit gepriesen und gefeiert werden, und obgleich sie vom Charlottenburger Vor-der-Mauer-Publikum gehasst wird so wie keine andere an diesem Haus. Dem Freyer ist mit dieser scheinbar vorwitzig clownesken Sicht der Dinge - und er lässt das Stück in einem Überlebensbunker spielen; lauter Irre oder Irrgewordene vertreiben sich vor/hinter gelben Eisentüren ihre grüne Langeweile, es gibt weder Gut noch Böse, nur noch ein Zusammenhausenmüssen, und man wiegt sich gegen einen atomaren Erstschag ziemlich sicher und obgleich man sich doch gegenseitig auf die Nerven geht, und man erträgt es insgesamt mit Pappnasen und Plastehüten - ein Geniestreich voller Witz und Weisheit nachgeglückt; ja und je mehr und öfter ich mir diese Inszenierung anzuschauen willens bin, umso verzweigter finde ich mich in dem Fluchtwegegestrüpp zurecht. / Die Darbieter dieses Spektakels haben sichtlich Freude an dem schrägen Spielen; Uhl ist endlich, und auch überfällig, diese Rolle auferlegt gewesen. Sie ist eine Salome mit kindlich-anrührender Durchschlagskraft. Die Spitzentöne perlen aus ihr wie von selbst. Alles wirkt völlig leicht und locker, ist unangestrengt. // Dagegen kann das hirschinnengeweihlichte Aussingen der Herodias-Passagen durch die Schwarz geradezu als Ansporn und Herausgefordertsein des süßen Kindes (Uhl) verstanden sein; es ist schon imponierend, wie/wie lange sich der Schwarz-Alt hält... /// Nicht minder exemplarisch Chris Merritt (Herodes), Clemens Bieber (Narraboth) und Alan Titus (Jochanaan) - - elitärer kann man derzeit wohl nicht besetzen!!!


* *

Von der Bayerischen Staatsoper hat Kirsten Harms, die umsichtige Intendantin des von den Finanzen her vermeintlich angeschlagnen Hauses in der Bismarckstraße, Robert Carsens Inszenierung Ariadne auf Naxos ausgeliehen oder eingekauft oder wie man den Deal auch nennen mag. Gleich zweifach eine blödsinnig-idiotische Idee, denn: 1.) ist die 70-mm-Breitwandbühne inkl. der für Großformate ausgelegten Vollakustik für die "kleine" Ariadne viel zu fettgewollt und 2.) taugt die Produktion am Ende so und so, also regielich, überhaupt und ganz und gar nicht::

Ein Ballett von 20 Leuten wird vor/während der 2-Stunden-Aufführung aufs Einsatzfreudigste bemüht. Damit wird dann die O-Besetzung dieses kammermusikalischen Juwels auf mehr als nur das Doppelte verstärkt. Und Hunderte von Mätzchen, choreografischer wie pantomimischer Natur, machen diesem doch so grandiosen Stück (im Stück) den absoluten Gar aus. Es gibt freilich allerliebste und erfreuliche Momente - so die Ausstaffierung der berühmtesten der Strauss-Arien, "Großmächtige Prinzessin!", mit sehr sehenswertem jungem Männerfleisch - ; doch fragt man sich, im Endeffekt, warum oder wozu der ganze Aufwand nötig war. Hofmannsthals & Straussens kongeniale Operndichtung hat die intellektuelle Qualität, von sich aus dem Geheimnis allerschlichtester und auch banalster Zwischenmenschlichkeiten nah zu kommen. Ohne irgendwelches Beiwerk. Einfach nur den Text, wie er geschrieben steht, beim Worte nehmen, bisschen illustrieren und... sich einzuhören wenigstens versuchen!

Dass die Zerbinetta von Jane Archibald nicht nur betört, sondern geradezu verblüfft, macht ARIADNE hier und heute doch besuchenswert! Ich kann mich nicht entsinnen, jemals "so etwas" erlebt zu haben. Als ich Gruberová, vor zig Jahren, in dem legendären Wiener Gastspiel an der Semperoper sah, dachte ich damals, 'so was wirst du nie wieder erleben, ist nicht steigerbar'; jetzt endlich hat es Eine doch geschafft, mich völlig aus dem Gleichgewicht gebracht zu haben. Archibald wird, das ist sicher wie das Amen in der Kirche, d i e Kolorateuse unsrer Tage sein, ja, warten wir es ab! (Die Frau wird bald dann unbuchbar, weil unbezahlbar sein.) / Urmana liefert eine schwergewichtig aus sich raus verlautbarende Ariadne ab, Saccà erfüllt dann schon das Heldenpathos seiner Bacchusrolle, Lenus Carlsen ist ein angestrengt sich artikulieren müssender Musiklehrer, der Komponist von Ruxandra Donose hat im Vorspiel mehr als stimmliche Präsenz. // Es wird, und wie gesagt, sehr laut und unzart hin und her gesungen; das Orchester unter Jacques Lacombe passt sich dem Großanspruch der Inszenierung an.

Sehr schöne STRAUSS-WOCHEN gehen allmählich nun zu Ende.



Andre Sokolowski - 8. Februar 2009
ID 4193

SALOME (Deutsche Oper Berlin, 01.02.09)
Schirmer - Freyer
Merritt, Schwarz, Uhl, Titus, Bieber u. a.

ARIADNE AUF NAXOS (Deutsche Oper Berlin, 08.02.09)
Lacombe - Carsen - Pabst - Bauer
Urmana, Saccà, Uyar, Piccolomini, Welschenbach, Bundschuh, Carlson, Donose, Archibald u. a.

Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de




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