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24. / 25. Juli 2011, Tipi am Kanzleramt / Berlin Kriminal Theater

CABARET / DER NAME DER ROSE



CABARET mit Michael Kargus (als Conférencier) und Sophie Bernerim (als Sally Bowles) im Tipi am Kanzleramt - Foto © Norbert Kesten/Shamrock Photo


Rosinenpicken (145 / 146)

Das Tipi am Kanzleramt und das Berlin Kriminal Theater werden privat gewirtschaftet und wollen oder müssen - nicht nur daher - Stücke präsentieren, die beim Publikum "gut gehen"; also dass die Bude immer dann schön voll ist und es spät am Abend etwas abzurechnen gibt. Dass sie sich, selbstverständlich (und bei allen wirtschaftlichen Zwängen), überdies auch künstlerisch-innovativ begreifen, setzen wir ganz einfach mal voraus; alle Privattheater müssen diese Art Spagat zwischen Kommerz & Kunst aushalten können, und zumeist geschieht das auch durch sie mit außerordentlicher Kühnheit und Bravour...

Wir waren jetzt - auch weil die sog. Saure-Gurken-Zeit bei allen "staatlich Etablierten" diese allbekannten Sommerlöcher hinterlässt und man dort nichts bzw. künstlerisch so gut wie nichts hinzuerfährt - in CABARET (im Tipi) und DER NAME DER ROSE (im Kriminal Theater); und die beiden Produktionen hatten sogar sowas wie einen gemeinsamen Nenner, denn: In beiden Stücken ging und geht es um Gewaltherrschaft und Despotie. Das Eine (CABARET) beschwört den 1929/30 auf dem Vormarsch sich befindenden NS-Staat gänsehauterzeugerisch herauf - das Andere (DER NAME DER ROSE) zeigt eine von der Außenwelt hermetisch abgeriegelte katholische Abtei mit lauter Mönchen, die sich nicht so recht getrauen, gegen eine sie und ihr Gemüt herunterdrangsalierende Vorsätzlichkeit (= Du sollst nicht lachen!) aufzuopponieren...


*


Vincent Paterson hatte bereits vor einem Jahr dieses grandiose Musical von John Kander (Musik), Fred Ebb (Liedtexte) und Joe Masteroff (Buch) im Tipi inszeniert und choreografiert; eine geradezu geniale Kleinstbühne mit viel und flottem Einfall und Verwandlungen schuf ihm da Momme Röhrbein - und das Stück um Sally Bowles (mit Sophie Berner), die von einer Starkarriere träumt und mannigfachste Mann- und Fraubegegnungen um dieses Hirngespinst herum hat, ist dann eigentlich aus unsrer Hauptstadt, wo's halt spielt, nicht wegzudenken; und so sind wir furchtbar froh, dass es das CABARET jetzt endlich wieder hier und heute gibt. / Michael Kargus (!!!) tanzt und singt und spielt den Conférencier. // Und Maren Kroymann überzeugt als Fräulein Schneider, die - eine Tragödie nicht nur ihres fortgeschrittnen Alters wegen - ihren jüdischen Mitbewohner und Verehrer (Peter Kock als Herr Schultz) am Schluss verleugnet und verrät...





Sebastian Freigang, Mirko Zschocke, Thomas Wingrich und Wolfram von Staufenberg in DER NAME DER ROSE am Kriminal Theater Berlin - Foto (C) Herbert Schulze


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Theaterdirektor Wolfgang Rumpf hatte den sportsmännischen Ehrgeiz, für sein Kriminal Theater eine Art Kopie-Synthese aus Umberto Eco's philosophischem Roman DER NAME DER ROSE und seiner reißerischen Verfilmung durch Jean-Jacques Annaud für/auf die Bühne her- und aufzustellen. Das misslang gleich doppelt stark!! Die Buchvorlage ist halt in ihrer Verzwicktheit (Handlung) zu diffus, der Film ist halt in seiner abstoßenden/anziehenden Weise (Kamera) zu oppulent. Ja und ein Stück auf dem Theater müsste jetzt, anstatt sich kückenpickerisch paar Körnchen hie und da aus Allem zu erhaschen, eine Art von dritter Dimension sein, um die beiden "Vorbilder" konterkarierend oder kommentierend irgendwie zu bändigen, ja oder was weiß ich...

Auf jeden Fall war die Idee und "Stoffwahl" schon sehr legitim, und insbesondere fürs Kriminal Theater, weil es halt in dem Roman so eine Reihe mysteriöser Todesfälle gibt, wie sie in allerbesten Kriminalhandlungen aus dem einschlägigen Genre sozusagen üblich sind - - aber halt, insgesamt und als Projekt: sinnlos verhoben.

Mattis Nolte hatte uns sehr gut als Salvatore, jener in fast hundert Sprachen sich artikulierende und intellektualisierende Mischmann, gefallen. / Und Joachim Kaps (als der despotische Jorge von Burgos) sprach vielleicht an manchen Stellen seiner Rolle viel zu schnell und viel zu laut, sodass man ihn am Ende selten oder nicht akustisch mitbegriff.



Andre Sokolowski - 26. Juli 2011
ID 00000005298
CABARET (Tipi am Kanzleramt, 24.07.2011)
Musikalische Leitung: Adam Benzwi
Regie und Choreographie: Vincent Paterson
Bühnenbild: Momme Röhrbein
Kostüme: Nicole von Graevenitz
Dramaturgie: Julian Kamphausen
Besetzung:
Sally Bowles ... Sophie Berner
Clifford Bradshaw ... Guido Kleineidam / Jens Schnarre
Conférencier ... Michael Kargus
Frl. Schneider ... Maren Kroymann / Regina Lemnitz
Herr Schultz ... Peter Kock
Frl. Kost ... Anja Karmanski / Lucca Züchner
Ernst Ludwig ... Torsten Stoll
u. v. a.
Eine Produktion von Thimo Pommerening,
Premiere war am 15. Juli 2010
Weitere Termine: täglich bis 14. 9.

DER NAME DER ROSE (Berliner Kriminal Theater, 25.07.2011)
Bearbeitung für das Berliner Kriminal Theater: Wolfgang Rumpf
Regie: Wolfgang Rumpf
Ausstattung: Manfred Bitterlich
Besetzung:
William von Baskerville ... Mirko Zschocke
Adson, Benediktinernovize ... Felix Isenbügel / Thomas Wingrich
Abbo, der Abt ... Karl-Heinz Barthelmeus
Jorge von Burgos ... Joachim Kaps
Remigiuns, Verwalter der Abtei ... Wesselin Georgiew
Salvatore, sein Gehilfe ... Mattis Nolte
Malachias von Hildesheim, Bibliothekar ... Tom Deiniger
Berengar, sein Gehilfe ... Wolfram v. Stauffenberg
Severin, Botanikus ... Sebastian Freigang
Alinardus von Grottaferrata ... Peter Groeger
Venatius von Selvemec ... Thomas Linke
Benno von Uppsala ... Mario Krüger
Bernardo Gui, Inquisitor ... Thomas Linke
Hauptmann, im Gefolge Bernados ... Wolfram v. Stauffenberg
Das Mädchen, vielleicht die Rose ... Sandra Steinbach
Premiere war am 10. März 2011
Weitere Termine: 18., 21. 8. / 16., 17. 9. / 2., 7., 21., 31. 10.


Weitere Infos siehe auch: http://www.tipi-am-kanzleramt.de


http://www.kriminaltheater.de



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