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15. April 2011, Komische Oper Berlin

SALOME



SALOME an der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus


Rosinenpicken (136)

Die Strauss'sche SALOME ist - wie das Wilde'sche Original - ein Luder- und Gefangenenstück. Es gibt zwei Protagonisten in ihr: das Luder (Salome) und den Gefangenen (Jochanaan [= hebräische Schreibweise für Johannes, also "Johannes den Täufer"]); und das Ganze hat also einen alttestamentarischen Ursprung - so wird dann auch der Papst aus seiner Jesus-Biografie von 2007 im Programmheft zitiert, wie überhaupt sehr Lesenswertes dort eräugbar ist... und am markantesten wohl diese eine Seite mit der Schleef'schen Szene seiner SALOME-Bearbeitung, in der dann SIE viel besser wegkommt als ER, Zitat: "Salome: Die Hure soll Kindspflicht ableisten. Dafür sind wir gut. Euch den Weg zu bereiten. / Johannes: Töte mich. Damit die Schrift erfüllet wird, die da heißt... / Salome: Liebe mich. / Johannes: Verdammnis."

Da reden also zwei völlig aneinander vorbei - - und auch bei Wilde und/oder Strauss ist's nicht viel anders, obzwar weitaus schlechter und belangloser als wie bei Schleef geschrieben steht. Egal.

Thilo Reinhardts Inszenierung ist sehr ketzerisch und noch viel witziger und unterhaltsamer dann obendrein. Er lässt die "Sauerei" (Schleef) irgendwie, also vielleicht, in Israel oder einer benachbarten (palästinensischen?) Ausgrabungsstätte mit Tempel und/oder Ruine (Ausstattung: Zoller / Gault) spielen; es ist nicht ganz eindeutig - auch nicht, ob dann die Schergen in den grünen Uniformen von der israelischen Armee und/oder was weiß ich woher ihre (Herodes'schen) Befehle kriegen; jedenfalls ist uns der (syrische) Hauptmann Narraboth, den Thomas Ebenstein sehr hübsch und niedlich gibt, sympathisch noch und noch, und wir betrauern es, dass er, von Salome höchstselbst gekillt, so früh dann von der Bühne gehen muss...

Szenisch genial gelöst der sog. Tanz der sieben Schleier: Eine Inflation von ausnahmslos nur atheistisch lesbaren Versatzstücken bei Volldampfdruck der Drehbühne: Jesus-Spieler, die mit schweren Kreuzen ziehen; Jesus-Spieler, die sich selbst ans Kreuz benageln wollen; Jesus-Spieler (Singular!), der einen Riesenphallus vor sich trägt, den dann Herodias mit einem Riesenhammer klopft; Jesus-Spieler (wieder Singular!), der sich am Kreuz von Salome bespringen lässt etc. pp. // Sehr hübsch das Alles, ganz nach unserem Geschmack!!!

Am Schluss hackt dann auch nicht der Henker, sondern die Herodias (gespielt von Christiane Oertel) Jochanaan (gespielt von Egils Silins) seine Rübe ab.

Die Quintessenz der Inszenierung (sprich: der Plot) lautet ganz schlicht: Das Mädchen Salome kannte Jochanaan von früher her und war von ihm (seinen Ideen [Mund!!!]) begeistert und kam also nicht mehr von ihm los; ein klassischer Lehrer-Schülerinnen-Konflikt. Doch wie das bei den Frömmlern halt so ist - sie verstehen nichts von Sex oder Erotik. Selber schuld.

Und Morenike Fadayomi hielt die Titelrolle stimmlich wacker durch.

Es dirigierte A. Vedernikov.


SALOME an der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus


Andre Sokolowski - 15. April 2011
ID 00000005163
SALOME (Komische Oper Berlin, 15.04.2011)
Musikalische Leitung: Alexander Vedernikov
Inszenierung: Thilo Reinhardt
Bühnenbild: Paul Zoller
Kostüme:
Besetzung:
Herodes ... Andreas Conrad
Herodias ... Christiane Oertel
Salome ... Morenike Fadayomi
Jochanaan ... Egils Silins
Narraboth ... Thomas Ebenstein
Ein Page der Herodias ... Karolina Gumos
Erster Jude ... Christoph Schröter
Zweiter Jude ... Peter Renz
Dritter Jude ... Matthias Siddhartha Otto
Vierter Jude ... Thomas Ebenstein
Fünfter Jude ... Marko Spehar
Erster Nazarener ... Jan Martinik
Zweiter Nazarener ... Raphael Bütow
Erster Soldat ... Hans-Peter Scheidegger
Zweiter Soldat ... Adam Cioffari
Ein Kappadozier ... Ipča Ramanović
Komparserie und Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere war am 10. April 2011
Weitere Termine: 23., 29. 4. / 6., 17., 21. 5. / 11. 6. / 13. 7. 2011

Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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