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Rezension


2. Juni 2010, Deutsche Oper Berlin

OTELLO



Anja Harteros und José Cura als Desdemona und OTELLO an der Deutschen Oper Berlin - Foto: Barbara Aumüller im Auftrag der Deutschen Oper Berlin


Rosinenpicken (103)


Das Markenzeichen Chor der Deutschen Oper Berlin begriff ich erstmals 1974; da gabs in der DDR die Karajan-Einspielung des OTELLO, als Gestattungsproduktion, zu kaufen. Und ich hörte und ich schwitzte und ich staunte und - "den Chor, den müsste man mal live erleben", schweiften die Gedanken hin und wieder durch die Lüfte Richtung West. / Jetzt haben wir es über 30 Jahre später, und der Chor der Deutschen Oper Berlin (Einstudierung: William Spaulding) ist die Wucht, die er schon damals, und obgleich doch nur von der Konserve her, gewesen sein muss. Seine sängerische Ausstrahlung hat ejakulative Schleuderkraft.

Damit beginnen wir dann also unsre Kurzkritik - wir waren Livezeuge der 2. Vorstellung nach der Premiere - , und wir fügen ungefragt sogleich das uns im Bann gezogen habende Zusammenspiel eines vor Sensibiltät und Schmiss nur so in sich hinein und aus sich raus brechenden Orchesters der Deutschen Oper Berlin (Dirigent: Patrick Summers) erwähnend mit hinzu.

OTELLO also stand auf dem Programm - vielleicht das wahrste Werk vom alten Verdi; denn es geht hierin um nicht viel weniger als die zerstörerische Kraft von Eifersucht. An ihr zerschellt der Titelheld, der es nicht glauben kann und es nicht glauben will, dass seine Liebste ausschließlich nur ihn, nur ihn allein, je liebte und sonst keinen außer ihn. (Zu schön, um wahr zu sein - d a s ist der Generalzweifel, der jeden Liebenden wohl einträglich bewegen könnte; hat man Größe, siegt man über ihn; entwickelt man sich kleiner als man ist, bekommt er riesige Gestalt..)

Der Shakespearekönner Kriegenburg - von ihm sahen wir letzte Woche seinen kurzweiligen HAMLET in den Kammerspielen des DT - hat die OTELLO-Handlung auf ein Flüchtlingsschiff verlegt. Dort ist Otello Kapitän; dort soll er, aufs Logistische, beweisen, was er konnte/was er kann. Als Militär genießt er nur noch musealen Ruf. Die Liebste, die sich im Verteilen milder Gaben an die Ärmsten dieser Welt nicht nur aus Langeweile gütlich tut, versteht die (böse) Welt und bald den (bös gewordnen) Gatten überhaupt nicht mehr... So ungefähr liest sich, bei Kriegenburg, der umgestutzte Plot.

José Cura (Otello) & Anja Harteros (Desdemona) brillieren als das umwerfendste Traumpaar, was sich denken lässt. Er hat so derart voll damit zu tun, seine Gefühle für und "gegen" diese absolute Frau in seinem Leben auszutenorieren, dass man über dem total vergisst, ob da auch wirklich jeder Ton am rechten Flecke war... Sie, und vor allem dann am Schluss (Gebet!), betörte in der immer leiser und auch immer kultivierter werdenden Verinnerlichtheit eines zwischen lyrisch und dramatisch hin und her schwirrenden Schönsoprans; es kam mir vor, als wollte oder sollte sie nie enden mit dem letzten Aushauch ihrer ("abgewürgten") Engelsstimme.

Zeljko Lucic (Jago) kehrte einen Nihilisten bis zum Menschenhasser überzeugend und sehr großartig heraus.

Auch alle anderen: superb!

Die Deutsche Oper Berlin hat eine gute und gelungene, eine fürs Zukünftige Mut machende Spielzeit hinter sich; und wir erinnern uns in dem Zusammenhang sehr gern an den RIENZI und OBERST CHABERT, als Beispiel nur...



Andre Sokolowski - 3. Juni 2010
ID 00000004652
OTELLO (02.06.2010, Deutsche Oper Berlin)
Inszenierung: ANDREAS KRIEGENBURG
Bühne: HARALD THOR
Kostüme: ANDREA SCHRAAD
Besetzung: JOSÉ CURA (Otello), ZELJKO LUCIC (Jago), YOSEP KANG (Cassio), GREGORY WARREN (Rodrigo), HYUNG-WOOK LEE (Lodovico), JÖRN SCHÜMANN (Montano), ANJA HARTEROS (Desdemona), LIANE KEEGAN (Emilia) und LUCAS HARBOUR (Ein Herold)
CHOR UND KINDERCHOR DER DEUTSCHEN OPER BERLIN
(Choreinstudierung: WILLIAM PAULDING)
ORCHESTER DER DEUTSCHEN OPER BERLIN
Premiere war am 30. Mai 2010
Weitere Aufführungen: 4., 8., 10., 13., 24., 27. 6. 2010

Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de





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