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10. November 2013 - Voraufführung am Berliner Ensemble

DIE RASSEN

von Ferdinand Bruckner


Nicolai Despot (als Karlanner) und Marina Senckel (als Helene) in Die Rassen am BE | Foto (C) Barbara Braun



75 Jahre Reichspogromnacht sind der temporäre Anlass, sich des Stücks Die Rassen von Ferdinand Bruckner (1891-1958) rückzubesinnen. Das Berliner Ensemble hat es jetzt in einer Fassung seines Regisseurs sowie Ensemblemitglieds Manfred Karge in den Pavillon gestellt - wir sind bei einer der zwei Voraufführungen dabei gewesen:

Dieses Bühnenwerk scheint - unabhängig des brisanten Stoffs im seherischen Umkreis jener Reichspogromnacht 1938 (und nach Dem zu urteilen, was wir da hörten; und wir wissen freilich nicht, wie Manfred Karge an dem O-Text Hand anlegte, weil wir ihn [den O-Text] halt nicht vor uns liegen hatten) - nicht besonders gut geraten. Es klingt sehr didaktisch, aufgesagt und auferzählt. Der ausschnitthafte Lebensabschnitt eines in den 1930ern so typischen oder systemkonformen Mitläufers vermag vor allem deshalb nicht zu überzeugen oder aufzurütteln, weil er keine zwischenmenschlichen Konflikte zeigt und ausgestaltet. Grundvorwurf (des Stückes) hätte wohl dann sein können, dass Karlanner, ein Medizinstudent, Helene, seine jüdische Freundin, wegen deren Herkunft und aus eigenem und karrieristischem Kalkül heraus von jetzt auf gleich verleugnet - das jedoch wird nicht ver-handelt, und so lässt uns die Geschichte jener Beiden irgendwie doch kalt. Obgleich der "Held" (ein regelrechter Anti-Held) in seiner absolut-opportunistischen und daher heldenlosen Arschlochartigkeit durchaus als inszeniererisches Futter hätte dienen können, um charakterlich so derart Niederträchtiges entsprechend szenisch vorzuführen!

Nicolai Despot sowie Marina Senckel spielen das ungleiche Paar.

Durch einstudierte Langeweile kriecht sich dieser Bruckner-Text, Silbe für Silbe und schön langsam aufgesprochen, schier wie endlos zu uns rüber.

Ein Besuch der Dauerausstellung Topographie des Terrors in der Niederkirchnerstraße 8 dürfte, was das Erzieherische anbelangte, durchaus nachhaltiger sein.




Die Rassen am BE | Foto (C) Barbara Braun



Bewertung:    


Andre Sokolowski - 12. November 2013
ID 7358
DIE RASSEN (Pavillon, 10.11.2013)
Regie, Bühne und Kostüme: Manfred Karge
Musikalische Mitarbeit: Alfons Nowacki
Dramaturgie: Hermann Wündrich
Mit: Marina Senckel; Nicolai Despot, Winfried Goos, Felix Isenbügel, Michael Kinkel, Andy Klinger, Hannes Lindenblatt, Detlef Lutz, Uli Pleßmann, Stephan Schäfer, Marko Schmidt, Martin Schneider und Thomas Wittmann
Premiere: 11. November 2013
Weitere Termine: 20. - 22. 11. / 4., 5., 26. 12. 2013


Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-ensemble.de


http://www.andre-sokolowski.de



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