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Rosinenpicken (223)


27. Januar 2013, Schauspiel Köln

OH IT'S LIKE HOME (UA)

von Sasha Rau


Josef Ostendorf und Sasha Rau in Oh it's like home am Schauspiel Köln - Foto © Hermann und Clärchen Baus



Sasha Rau (geb. 1970) schreibt und spielt. Sie kam als Zwilling im Schweizerischen Locarno auf die Welt, wuchs in Zürich auf und lebt seit ca. 20 Jahren in Paris, wo sie sich zur Schauspielerin ausbilden ließ; sie selbst ist Mutter von Zwillingen. Ihre Stücke, beispielsweise, schreibt sie entweder auf Französisch oder auf Deutsch. Sie ist "auch zwischen den Sprachen zu Hause. Und selbst wenn sich die Sprache in der man träumt selten ändert, bereichert die Mehrsprachigkeit im Wachzustand offenbar die schriftstellerische Arbeit. Sie vergrößert die Assoziationsräume, weil Sprache neben Wörtern und Regeln vor allem aus Atmosphären und Bildern besteht." (Karin Beier über die Autorin)

Ihr wunderliches als wie wunderbares Stück Oh, it's like home, das sie auch dank eines privat gesponserten Stipendiums (s. u.) schrieb, sollte ihr justament der allerbeste von den besten Schweizerischen Opern- und Theaterregisseuren, den es derzeit gibt, fürs Schauspiel Köln bewerkstelligen. Christoph Marthaler, in dessen legendärer Family die Rau gelegentlich als Mitwirkende zu erleben war und ist, hatte das exklusiv für sie sowie in ihrem autorialen Namen gern getan!

Vier völlig abgefahrene und teils auch völlig durchgeknallte Kurzbiografien, die der Stückeschreiberin zu Ohren kamen oder die sie sich auch bloß ersann, bildeten eine sozusagen vierfach monologische Substanzstruktur, woraus sich dann so eine Art "betreutes Wohnen" der besagten Vier (mit Josef Ostendorf als Egon Richter, Silvia Fenz als Ilse Schafleitner, Sasha Rau als Gunda Krass, Bettina Stucky als Hanna Lendi) zwinglich-freizügig ergab; mit Stummdarsteller Bendix Dethleffsen, der ab und an dann eine Glühbirne auswechselte oder acht Kuchenteller auf- und abtischte sowie hauptsächlich-nebenbei (unstumm also) Klavier spielte, war jener von uns uminterpretierte Wohn- und Menschenraum quasi sozialisiert...

Ein Stück über die große(n) Eisamkeit(en) abendländisch lebender und sterbender Zivilgesellschaft(en) - vier Kindertraumata auch, die es nach und nach durch die Betroffenen zu reflektieren also "rückzuholen" galt: in einem Kinderheim, auf einem Schlachthof, in einer chemischen Reinigungsanstalt sowie auf einer Säuglingsstation.

Zum Schluss versammelte man sich zu Weihnachten, mehr schweigend denn, um eine Plastik-Tanne; letzte Worte waren "Mahlzeit" (4mal nacheinander aufgesagt).

Der sehenswerte multifunktionale Bühnenbau stammte von Duri Bischoff.

Hochgrandioses Sprechtheater!




Sasha Rau, Bettina Stucky, Josef Ostendorf und Silvia Fenz (v. l. n. r.) in Oh it's like home am Schauspiel Köln - Foto © Hermann und Clärchen Baus


Andre Sokolowski - 28. Januar 2013
ID 6511
OH IT'S LIKE HOME (Halle Kalk, 27.01.2013)
Regie: Christoph Marthaler
Regiemitarbeit und Dramaturgie: Malte Ubenauf
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sarah Schittek
Musikalische Leitung und Pianist: Bendix Dethleffsen
Licht: Phoenix
Mit: Silvia Fenz, Bendix Dethleffsen, Josef Ostendorf, Sasha Rau und Bettina Stucky
Uraufführung war am 19. Januar 2013
Weitere Termine: 31. 1. / 1. - 3. 2. 2013
Gefördert durch den „KunstSalon-Autorenpreis für das Schauspiel Köln“ 2012


Weitere Infos siehe auch: http://www.schauspiel-koeln.de


http://www.andre-sokolowski.de



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