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Premierenkritik

FESTTAGE 2011

Wozzeck



Roman Trekel als WOZZECK (liegend: Nadja Michael als Marie) in der Staatsoper im Schillertheater - Foto (C) Bernd Uhlig


Große Aufgeregtheit vor der Wozzeck-Premiere, denn: Hans Werner Henze war (privat) im Schillertheater gesichtet worden. Gestern Abend freilich sah ich ihn (privat) bereits im Hause in der Behrenstraße; und da hatte er (privat) die neue Salome gesehen. Jedenfalls kam Jürgen Flimm, dem dieses Vorkommnis wahrscheinlich fast zuallerletzt dann aufgefallen und/oder gemeldet worden war, schnurstracks heran und gab dem hohen Gast (privat) die Hand und ließ dann noch paar Huldigungen ab von wegen "eine Ehre, Maestro, dass Sie heute hier sind" usw.; Henze fragte mich (privat) - ich saß rechts neben ihm - wer dieser Herr soeben war und was für ein Orchester spielen würde usf. - - und dann fing Wozzeck an.

* * *


Andrea Breth führte Regie und ließ das Depri-Stück in einem deprimierend adäquaten Bühnenraum voll klaustrophobischer Gemütlichkeit (von Martin Zehetgruber) spielen; die Kostüme von Willret und Weeger nicht viel bunter; also es ist niedrig-eng und farblos-grau. So niedrig-eng und farblos-grau wie Wozzeck's kurzjähriges Langleidleben - - und natürlich krieg(t)en auch Marie, die wilde Frau des Wozzeck's, und ihr Söhnchen, das vom kleinen Fabian Sturm verkörpert wurde, eine gelbe Sonne oder einen blauen Himmel nie und nicht dann zu Gesicht; alles Albino-Typen... so oder so ähnlich meinte ich dieses Regiekonzept erkannt oder verkannt zu haben. Doch was sollte man auch anders aus dem deprimierendsten der deutschsprachigen Stücke (Berg hatte ja schließlich auch "nur" auf das Büchner'sche Original zurückgegriffen) machen? Woyzeck oder Wozzeck werden wieder aktuell, nicht "nur" wegen Hartz IV.

Dass Nadja Michael mitnichten eine Idealbesetzung der Marie darstellte, musste sie höchstselbst durch ein paar Buh-Einsprengsel nach der Vorstellung erfahren; manchen Leuten ging womöglich ihre Lispelei, die sie im Falle der Marie nun leider überhaupt nicht mehr kaschieren konnte, auf die Nerven. Und obwohl sie, wirklich markerschütternd, Höhen und auch Phonlautstärken hatte, die verblüfften. / Roman Trekel war als Wozzeck glaubwürdig, in Mimik wie Gesang. // Auch Florian Hoffmann (Andres), John Daszak (Tambourmajor), Pavlo Hunka (Doktor) und Graham Clark (Hauptmann) enttäuschten nicht mit ihren einzelnen Charakteristika. /// Heinz Zednik, Legendärtenor aus längst vergangnen Tagen, brachte sich als Narr in freundliche Erinnerung...

Am fulminantesten: die Staatskapelle Berlin / Und auf dem Dirigentenmonitor überm Orchestergraben konnte man - also wer etwas seitlich saß - sehr gut beobachten, wie Daniel Barenboim sich wieder mal mit diesem Wozzeck mörderisch ins Zeug legte, und wie er dieses musikalische Gesamtgeschehen Alban Bergs beeindruckend und ansteckend beherrscht!

Verdienter Jubel also (fürs Orchester) - auch vom alten Henze, der "nur" hier aristokratisch applaudieren tat.



Szene aus WOZZECK an der Staatsoper im Schillertheater - Foto (C) Bernd Uhlig

Andre Sokolowski - 16. April 2011
ID 5164
WOZZECK (Staatsoper im Schillertheater, 16.04.2011)
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Andrea Breth
Bühnenbild: Martin Zehetgruber
Kostüme: Silke Willrett / Marc Weeger
Licht: Olaf Freese
Chöre: Eberhard Friedrich
Dramaturgie: Jens Schroth
Besetzung:
Wozzeck ... Roman Trekel
Tambourmajor ... John Daszak
Andres ... Florian Hoffmann
Hauptmann ... Graham Clark
Doktor ... Pavlo Hunka
Marie ... Nadja Michael
Margarethe ... Katharina Kammerloher
Erster Handwerksbursche ... Jürgen Linn
Zweiter Handwerksbursche ... James Homann
Narr ... Heinz Zednik
Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden
Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin
Premiere war am 16. April 2011
Weitere Termine: 21. / 24. 4. 2011


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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